Heimat verbindet Eslarn und München seit 130 Jahren

Heimat verbindet Eslarn und München seit 130 Jahren
Wenn am 10. Oktober 2026 das 130-jährige Bestehen des Heimatvereins „Die Eslarner in München e. V.“ in Eslarn gefeiert wird, dann steht nicht nur ein außergewöhnliches Vereinsjubiläum im Mittelpunkt. Gefeiert wird vor allem eine Geschichte von Menschen, die ihre Heimat Eslarn verlassen mussten, um anderswo Arbeit und eine neue Existenz zu finden, ihre Verbundenheit zur Heimat aber nie verloren haben. Der Verein wurde im Jahr 1896 gegründet. Im 19. und 20. Jahrhundert hatten Arbeitsmangel und die zunehmende Industrialisierung viele Eslarner dazu veranlasst, in größere Städte zu ziehen. In der Fremde suchten sie nicht nur Arbeit, sondern auch die Gemeinschaft mit Landsleuten. Aus gemeinsamen Treffen entstand schließlich die Gesellschaft „Eslarner in München“, deren Ziel es war, Heimatgefühl, Sprache, Bräuche und Geselligkeit zu bewahren. Ein überlieferter Spruch eines Eslarners in München bringt diese Verbundenheit bis heute auf den Punkt: „Nur wer die Heimat verlassen muss, weiß, was Heimat bedeutet.“ Bei Feierlichkeiten wiederholte der ehemalige Vorsitzende Otto Wild den Spruch: „Ein Eslarner bleibt ein Eslarner, gleich wohin es ihn bei der Suche nach einer Existenz verschlagen hat, und nur wer die Heimat verlassen muss, weiß, was Heimat bedeutet.“
Die ersten Heimfahrten und das Heimatfest
Schon früh gehörten die Fahrten zurück nach Eslarn zu den Höhepunkten des Vereinslebens. Die Chronik berichtet von einer gemeinsamen Heimfahrt im Jahr 1899. Da die Eisenbahn damals noch nicht bis Eslarn führte, wurden die Münchner Landsleute in Vohenstrauß mit geschmückten Leiterwagen abgeholt. Ab Putzenrieth ging es unter Marschmusik die letzten beiden Kilometer nach Eslarn, wo die Rückkehrer begeistert empfangen wurden. Aus diesen regelmäßigen Heimatbesuchen entwickelte sich schließlich das Eslarner Heimatfest, das erstmals 1935 offiziell gefeiert wurde.
Trotz der Unterbrechungen durch die Weltkriege, das Vereinsverbot während der Zeit des Nationalsozialismus und die schwierigen Nachkriegsjahre blieb die Verbindung zwischen München und Eslarn bestehen. Die Heimatgeschichte des Vereins zeigt damit eindrucksvoll, dass die Gemeinschaft weit mehr als eine gesellige Vereinigung ist. Sie wurde für Generationen von Eslarnern zu einer Brücke zwischen dem neuen Lebensmittelpunkt in München und der alten Heimat in der Oberpfalz.
Die Vorsitzenden – 130 Jahre Vereinsgeschichte
In 130 Jahren wurde der Heimatverein von zahlreichen engagierten Persönlichkeiten geführt. Die Reihe der Vorsitzenden begann mit Michael Hammerl, der den Verein bei seiner Gründung 1896 führte:
- 1896 Michael Hammerl
- 1900 Johann Lang
- 1903 Gustav Müller
- 1905 Sebastian Riederer
- 1910 Michael Hammerl
- 1918 Hans Rauch
- 1921 Thomas Frischmann
- 1922 Karl Bauriedl
- 1926 Christian Zierer
- 1928 Anton Engelbrecht
- 1929 Karl Bauriedl
- 1937 Wolfgang Lindner
- 1941 Karl Bauriedl
- 1951 Ludwig Dunkl
- 1956 Andreas Merold
- 1960 Hans Voit
- 1964 Ludwig Kleber
- 1977 Oskar Dunkl
- 1987 Josef Bauer
- 2003 Otto Wild
- seit 2017 Heinrich Kleber
Damit steht Heinrich Kleber als 21. Vorsitzender in einer langen Reihe von Männern, die Verantwortung für die Gemeinschaft der Eslarner in München übernommen haben.
Josef „Sepp“ Bauer – ein Leben für Heimat und Verein
Eine besonders prägende Persönlichkeit der Vereinsgeschichte ist Josef „Sepp“ Bauer. Am 11. Juni 1937 in Eslarn geboren, führte sein beruflicher Weg ihn über Nürnberg und Würzburg nach München. Dort begann er am 1. Januar 1960 seinen Dienst bei der Münchner Polizei und war später unter anderem im Personenschutz tätig. Fast gleichzeitig begann sein außergewöhnliches Engagement für den Heimatverein. Am 24. Januar 1960 trat Josef Bauer den „Eslarnern in München“ bei. Von 1971 bis 1985 war er zweiter Schriftführer, anschließend zweiter Vorsitzender und von 1987 bis Januar 2003 erster Vorsitzender.
Für seinen langjährigen Einsatz erhielt Bauer zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehören die Goldene Bürgermedaille der Heimatgemeinde Eslarn, der Ehrenschild der Arbeitsgemeinschaft Oberpfälzer Heimatvereine und die Ehrenmitgliedschaft des Münchner Heimatvereins. Im Jahr 2010 wurde er schließlich zum Ehrenvorstand auf Lebenszeit ernannt. Josef Bauer steht stellvertretend für eine Generation, die beruflich in der Großstadt Fuß fasste und gleichzeitig die Verbindung zur Heimat mit großem persönlichem Einsatz lebendig hielt.
Otto Wild – 14 Jahre an der Spitze
Nach Josef Bauer übernahm Otto Wild, der von seinen Freunden „Gougl-Otto“ genannt wird, den Vorsitz. Der gebürtige Eslarner kam 1980 beruflich nach München und engagierte sich zunächst als Schriftführer im Heimatverein. Von 2003 bis 2017 stand er dann 14 Jahre lang als erster Vorsitzender an der Spitze der Gemeinschaft. Für Otto Wild bedeutete die Vereinsarbeit vor allem, den Zusammenhalt der Eslarner in München zu pflegen und den Kontakt zur alten Heimat zu bewahren. Nach seiner Zeit in München kehrte er als Pensionist mit seiner Familie wieder nach Eslarn zurück. Für seine Verdienste wurde ihm die Bürgermedaille der Marktgemeinde Eslarn verliehen. Sein Lebensweg zeigt beispielhaft, dass die Verbindung zwischen Eslarn und München keine Einbahnstraße war: Viele Eslarner bauten sich in München eine Existenz auf, blieben ihrer Heimat aber eng verbunden – und manche, wie Bauer und Wild, kehrten später sogar wieder zurück.
Heinrich Kleber und die heutige Generation
Seit 2017 steht Heinrich Kleber an der Spitze des Vereins. Die Vorstandschaft wurde bei der Jahreshauptversammlung im Januar 2026 erneut bestätigt und ist damit für das Jubiläumsjahr gut aufgestellt.
Zur aktuellen Vorstandschaft gehören:
- 1. Vorsitzender: Heinrich Kleber
- 2. Vorsitzende: Berta Ertl
- 1. Schriftführer: Georg Lindner
- 2. Schriftführerin: Irmgard Roesler
- 1. Kassiererin: Adele Lindner
- 2. Kassiererin: Gretl Thomas
- Kassenprüfer: Bepp Ertl und Hans Wagner
- Beisitzerin: Erika Kleber
- Beisitzer: Willibald Meier
Damit wird deutlich, dass die Heimatpflege auch heute noch von engagierten Vereinsmitgliedern und ihren Familien getragen wird. Hinter den Vorsitzenden und Vorständen standen und stehen Menschen, die bei Veranstaltungen, Heimfahrten und Treffen mithelfen und so die Gemeinschaft lebendig halten. Jedoch hat sich die Situation des Vereins gegenüber der Gründerzeit deutlich verändert. Während früher immer wieder neue Eslarner wegen der Arbeitssuche nach München kamen und sich der Heimatgemeinschaft anschlossen, ist diese Entwicklung heute weitgehend abgeschlossen. Die Mitgliederzahl ist zurückgegangen; Ende 2025 zählte der Verein noch 51 Mitglieder.
Damit stellt sich für die „Eslarner in München“ eine wichtige Zukunftsfrage: Wie kann eine 130 Jahre alte Tradition an Kinder und Enkel weitergegeben werden? Vielleicht liegt die Antwort gerade in der Geschichte des Vereins. Besonders stark war die Gemeinschaft immer dann, wenn Heimat gemeinsam erlebt wurde – bei Heimfahrten, Heimatfesten, Gottesdiensten, Veranstaltungen und geselligen Treffen. Der langjährige Schriftführer und Ehrenmitglied Georg Lindner brachte diese Verbundenheit mit den Worten zum Ausdruck: „Wir halten in der Vorstandschaft ständig telefonischen Kontakt und freuen uns auf ein Wiedersehen in Eslarn.“
Das Jubiläum am 10. Oktober 2026 schließt in gewisser Weise einen großen Kreis. Was 1896 aus dem Wunsch entstand, in der Fremde die Verbindung zur Heimat zu bewahren, besteht nun seit 130 Jahren. Heute geht es nicht mehr in erster Linie darum, neu nach München gezogene Eslarner zusammenzuführen. Vielmehr geht es darum, die Erinnerung an die gemeinsame Herkunft, an Familiengeschichten, Bräuche und Begegnungen an kommende Generationen weiterzugeben.
Josef Bauer, Otto Wild, Heinrich Kleber und die vielen Vorsitzenden und Mitglieder vor und nach ihnen stehen stellvertretend für Generationen von Eslarnern, die bewiesen haben: Berufliche Wege können weit von der Heimat wegführen – die persönliche Verbundenheit aber kann ein Leben lang bestehen bleiben. 130 Jahre „Die Eslarner in München“ sind deshalb weit mehr als ein Vereinsjubiläum, sie sind ein Stück lebendige Eslarner Geschichte. Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Jubiläums: Wer seine Heimat im Herzen trägt, kann weit weg leben – und ist ihr trotzdem immer mit seinen Wurzeln verbunden. Dieses Miteinander wird bei der 130-Jahr-Feier am 10. Oktober sichtbar: Den Auftakt bildet ab 11 Uhr ein Gottesdienst in der Pfarrkirche, um 12 Uhr folgt das Mittagessen und ab 14 Uhr der Festakt im Gasthof „Böhmerwald“.
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