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Lesung in Schwarzenfeld - Caro Matzko fasziniert mit Alte Wut

Schwarzenfeld. Die bekannte Moderatorin und Autorin Caro Matzko gastierte mit ihrem aktuellen Werk „Alte Wut“ im katholischen Pfarrheim Schwarzenfeld. Die Besucher erlebten im ausverkauften Saal einen rundum gelungenen Abend im Zeichen von Tiefgang und Humor.

Schwarzenfeld. Die bekannte Moderatorin und Autorin Caro Matzko gastierte mit ihrem aktuellen Werk „Alte Wut“ im katholischen Pfarrheim Schwarzenfeld. Die Besucher erlebten im ausverkauften Saal einen rundum gelungenen Abend im Zeichen von Tiefgang und Humor.
Caro Matzko spricht über ihr Buch „Alte Wut“, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihres Vaters und ihre neuen beruflichen Projekte. Foto: Peter Gattaut

Lesung in Schwarzenfeld - Caro Matzko fasziniert mit Alte Wut

Zum Einstieg hieß das Bücherei-Leitungsteam, bestehend aus Manuela Irlbacher und Alexandra Kirst, die sichtlich gespannten Gäste herzlich willkommen, bevor ein humorvoller Cartoon-Vorstellungsfilm von Elias Hauck über die Biografie der Autorin die Gäste perfekt auf den Abend einstimmte. Der anschließende Vortrag selbst dauerte genau eine Stunde und war kurzweilig sowie unterhaltsam zugleich. Matzko verstand es meisterhaft, das Publikum von der ersten Minute an auf ihre Reise mitzunehmen. Sie präsentierte eine perfekte Mischung aus lustigen, nachdenklichen und traurigen Auszügen ihres Werkes „Alte Wut“.

Spurensuche in Ostpreußen und familiäre Prägungen

Die gebürtige Ulmerin reiste mit ihrem Mann und ihrer Tochter in die einstige Heimat ihres 92-jährigen Vaters nach Ostpreußen (heute Polen) und folgte der damaligen Fluchtroute des überzeugten AfD-Wählers. Nach einer Traumatherapie spürte die Autorin, dass ihre eigene tiefe Traurigkeit, die sich ab ihrem zwölften Lebensjahr in extremer Magersucht und späteren Depressionen äußerte, eng mit dem auferlegten Leistungsdruck und der Wut ihres Vaters verknüpft ist. Um die Reise für die Familie angenehmer zu gestalten, wählten sie gelegentlich auch Aufenthalte in Fünf-Sterne-Unterkünften. In einem Hotel entdeckte sie zufällig ein historisches Schwarz-Weiß-Foto. Die Aufnahme zeigte den noch heute existierenden Bismarckturm von Osterode (polnisch Ostróda) und direkt daneben das einstige Hotel ihres Großvaters Fritz Matzko, das mittlerweile aber nicht mehr existiert.

Besonders berührend waren auch ihre Schilderungen über die Versöhnung trotz aller Gegensätze. Ihr Vater habe das Buch vorab gelesen und freigegeben. Seine Reaktion: „Du hast mir meine Maske abgenommen.“ Das Verhältnis der beiden habe unter der schonungslosen Offenheit keineswegs gelitten, im Gegenteil. „Ich verstehe zwar immer noch nicht seine politische Gesinnung, ich lasse mir aber von der AfD nicht meinen Vater wegnehmen“, betonte die Autorin unter spürbarem Zuspruch im Publikum. Trotz dieser schweren Themen bewies die Journalistin große Schlagfertigkeit, suchte immer wieder die Interaktion mit dem Publikum und wirkte in jedem Moment absolut authentisch. Für Schmunzeln sorgte auch ihr humorvoller Kommentar gleich zu Beginn: „Wenn Sie gehen wollen, gehen Sie einfach. Ich will verantwortungsvoll mit Ihrer Lebenszeit umgehen.“

Signierstunde und persönlicher Austausch

Der offizielle Teil war jedoch nur die halbe Erfolgsgeschichte eines bewegenden Abends. Im Anschluss nahm sich die sympathische Protagonistin sehr viel Zeit für ihre Fans. Geduldig signierte sie mit persönlichen Widmungen die mitgebrachten oder vor Ort erworbenen Bücher, stand für gemeinsame Gespräche zur Verfügung und erfüllte zahlreiche Wünsche für Erinnerungsfotos. Fan-Star-Reporter Peter Gattaut führte in Begleitung von Ingrid Käsbauer vor Ort ein interessantes Interview mit der Buchautorin.

Biografie von Caro Matzko

Caro Matzko, geboren am 12. August 1979 in Ulm, ist eine profilierte deutsche Journalistin, Moderatorin und Buchautorin. Nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft, Politik und Soziologie an der LMU München startete sie ihre Karriere beim Radio. Ab 2002 prägte sie über viele Jahre hinweg das renommierte BR-Kultur- und Szenemagazin „Zündfunk“ auf Bayern 2. Ihre Fähigkeit, komplexe Themen nahbar zu vermitteln, führte sie schnell zum Fernsehen.

Als Wissenschaftsjournalistin moderierte sie über Jahre hinweg Formate wie „Xenius“ auf Arte oder „Planet Wissen“ für ARD-alpha. Einem breiten Publikum wurde sie vor allem als schlagfertige Co-Moderatorin an der Seite von Hannes Ringlstetter bekannt. Von 2016 bis 2025 moderierte sie mit dem sympathischen Entertainer rund 250 Folgen der beliebten BR-Late-Night-Show „Ringlstetter“. Abseits der Kamera greift Matzko als Autorin und Rednerin gesellschaftliche Tabus auf. In ihrem Buch „Size egal“ thematisierte sie offen ihre eigene, in der Jugend durchlebte Magersucht und den gesellschaftlichen Schönheitsdruck. In ihrem aktuellen Werk „Alte Wut“ berichtet sie von ihrer Reise auf der Fluchtroute ihres Vaters aus Ostpreußen und beleuchtet, wie sich der nicht aufgearbeitete Schmerz von Kriegskindern auf die Generation der Kriegsenkel übertragen kann. Caro Matzko lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

SSV Jahn – 2. Slot
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Eine persönliche Widmung durfte nicht fehlen: Caro Matzko signierte bei ihrer Lesung in Schwarzenfeld ihre Bücher. Foto: Peter Gattaut
Gut gelaunt und nahbar: Caro Matzko nahm sich in Schwarzenfeld auch Zeit für persönliche Gespräche. Foto: Peter Gattaut
Ingrid, Caro Matzko und Peter Gattaut bei der Lesung in Schwarzenfeld. Foto: Peter Gattaut
In ihrem Element: Caro Matzko begeistert bei ihrer Lesung in Schwarzenfeld mit ihrer lebendigen Art. Foto: Peter Gattaut

Interview mit Caro Matzko

Fast ein ganzes Jahrzehnt lang warst Du das charmante, schlagfertige Gesicht der beliebten BR-Late-Night-Show „Ringlstetter“. Wie schwer fiel Dir der Abschied vom fast wöchentlichen TV-Trubel zur jetzt etwas ruhigeren Arbeit als Buchautorin?

Caro Matzko: Überhaupt nicht schwer. Ich war froh, mehr Zeit für mich und meine Familie zu haben, und genieße es bis heute, dass mein Aussehen nicht immer wieder aufs Neue kommentiert wird. Hannes vermisse ich schon arg. Da wir beide sehr eingespannt sind, sehen wir uns leider nur noch gelegentlich.

Du hast von Wissenschaftsthemen bis hin zu Unterhaltungsformaten fast schon alles moderiert. In welchem Genre fühlst Du Dich am wohlsten und gibt es schon eine TV-Zukunftsperspektive?

Caro Matzko: Das Genre spielt für mich absolut keine Rolle. Es muss für mich interessant sein und mir etwas geben. Mein letztes TV-Projekt war „Supertiere made in Bavaria“, das hat mir großen Spaß gemacht, da ich Tiere wahnsinnig liebe. Ein neues Fernsehkapitel sehe ich in naher Zukunft nicht. Ich beschäftige mich sehr gerne mit meinen Podcasts wie z. B. „Zitronen – Leben am Limit“ (BR-Podcast, in dem Caro Matzko Menschen interviewt, deren Leben sich nach einem drastischen Wendepunkt völlig verändert hat). Dort werden intime Dialoge geführt, die im TV gar nicht möglich wären. Ich bekomme positives Feedback und seitenweise Briefe von Menschen mit ihrer Lebensgeschichte. Das geht unter die Haut und ist sehr berührend.

Dein aktuelles Buch „Alte Wut“ handelt von Deinem Ausflug mit Mann und Tochter in die Heimat und entlang der damaligen Fluchtroute Deines 92-jährigen Vaters. Wann wurde Dir klar, dass die Traurigkeit und die Wut in Deinem Leben mit den Erfahrungen Deines Vaters verknüpft sind?

Caro Matzko: Bei einer speziellen Traumatherapie, da war ich schon Anfang 40. Bis es dann letztendlich zu dieser Reise in die Vergangenheit meines Vaters kam, vergingen aber noch ca. vier bis fünf Jahre.

Du sprichst viel über psychische Resilienz und Selbstfürsorge. Was ist Dein persönliches Ventil, wenn der Druck im Alltag zu hoch wird?

Caro Matzko: In den Wald gehen und einfach die Klappe halten. Außerdem tiefes, intensives Atmen, Ruhe genießen und nicht die Begegnung mit sich selber scheuen.

Wenn Du in die Zukunft blickst, welches Thema brennt Dir so sehr unter den Nägeln, dass es vielleicht Dein nächstes Buch füllen könnte?

Caro Matzko: Ich arbeite mit dem deutschen Raumfahrtingenieur Prof. Christian Arbinger bereits an einem weiteren Buch. Dabei geht es um den Umgang mit Fehlern sowie dem Phänomen Schadenfreude. Den Titel darf ich leider noch nicht verraten, doch auch der hat es in sich.

Viele Menschen scheuen sich, in alten Familienwunden zu graben. Welchen Rat kannst Du denjenigen geben, die das Gefühl haben, dass etwas Unausgesprochenes im Raum steht?

Caro Matzko: Versucht, das Gespräch zu suchen, bevor es zu spät ist. Unsere Zeit auf Erden ist begrenzt.

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