Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
okticket – Kultur
okticket – Kultur

Maffay setzt ein politisches Zeichen und liefert ein Konzert voller Herz, Haltung und großer Rockmomente

Regensburg. Mit einer kurzen politischen Botschaft zu Beginn und einem fast dreistündigen Konzert voller Rockklassiker, Emotionen und nachdenklicher Momente begeisterte Peter Maffay am Donnerstagabend rund 3000 Besucher bei den Schlossfestspielen Thurn und Taxis im Innenhof von Schloss St. Emmeram. Erst wenige Minuten nach Konzertende zog ein schweres Gewitter über Regensburg. Bis dahin herrschten ideale Bedingungen für einen außergewöhnlichen Sommerabend.

Maffay setzt ein politisches Zeichen und liefert ein Konzert voller Herz, Haltung und großer Rockmomente

Peter Maffay nutzt seinen Auftritt in St. Emmeram für eine persönliche politische Botschaft. Foto: Helmut Kunz
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis vor 3000 Besuchern im Innenhof des Regensburger Schlosses. Foto: Helmut Kunz
Peter Maffay. Foto: Helmut Kunz
Hendrikje Maffay. Foto: Helmut Kunz
Peter Maffay. Foto: Helmut Kunz
Gloria von Thurn und Taxis. Foto: Helmut Kunz

Es dauerte gerade einmal zwei Lieder, ehe Peter Maffay das Mikrofon nicht mehr zum Singen, sondern für eine persönliche, politische Botschaft nutzte. Ohne jemanden namentlich zu nennen, sprach der Rockmusiker über gesellschaftliche Entwicklungen und die Werte, für die er selbst einsteht. Seine Worte waren sorgfältig gewählt, ihre Botschaft jedoch eindeutig.

Veranstaltungsort belastet durch einige Äußerungen und Positionierungen


„Er ist so schön, er ist aber auch belastet durch einige Äußerungen und Positionierungen, die wir nicht teilen“, sagte Maffay in Anwesenheit von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und mit Blick auf den Veranstaltungsort. Anschließend bekannte er sich ausdrücklich zu den Grundwerten der Demokratie: „Wir respektieren die demokratischen Spielregeln, respektieren unser Grundgesetz. Vor allem den Artikel 1, in dem es heißt, die Würde des Menschen ist unantastbar. Und das gilt unbeachtet seiner Herkunft, seiner Hautfarbe oder seiner Religionszugehörigkeit. Radikale, rassistische, menschenverachtende Positionen lehnen wir ab. Egal woher sie kommen. Von rechts, von links oder aus der Mitte. Die einzige radikale Position, die wir akzeptieren, ist der Versuch, auf gleicher Augenhöhe und mit Respekt friedlich und ohne Angst miteinander umzugehen.“

„Viel Spaß“


Das Publikum reagierte mit lang anhaltendem Applaus. Weitere politische Aussagen folgten nicht. Maffay schloss seine Ansprache mit den Worten: „Das war’s. Und jetzt wünsche ich uns allen viel Spaß.“

„Gib die Liebe nicht auf“


Und genau den bekamen die Besucher anschließend reichlich. Mit „Gib die Liebe nicht auf“ begann eine Show, die eindrucksvoll bewies, weshalb Peter Maffay auch nach mehr als 50 Jahren zu den wichtigsten deutschen Rockmusikern zählt. Seine unverwechselbare Stimme hat nicht an Kraft verloren, seine Bühnenpräsenz ist beeindruckend. Ohne große Effekthascherei reicht ihm seine Musik, um das Publikum sofort in seinen Bann zu ziehen.

„Wir steuern auf die 100 zu“


Maffay wirkte den gesamten Abend authentisch, locker und nahbar. Er scherzte mit den Besuchern, erzählte Geschichten aus seinem Leben und nahm sich immer wieder Zeit für persönliche Gedanken. „Wir steuern auf die 100 zu“, sagte er mit einem Lächeln über seine jahrzehntelange Karriere. „Ich bin sehr, sehr stolz, dass im Publikum auch welche sitzen, die von allem Anfang an mit uns mitgegangen sind.“

Es herrscht wieder „Eiszeit“


Dass Maffay weit mehr als ein Hitlieferant ist, zeigte sich besonders bei den ruhigeren Passagen. Vor dem Lied „Eiszeit“ erinnerte er an die Angst vor einem Atomkrieg Anfang der 1980er Jahre. Damals sei der Song aus Sorge und Frust entstanden.

Witron Bewerbertag 18.07.
Witron Bewerbertag 18.07.

Keine Waffen


„Die Welt erodiert im Augenblick in einer Geschwindigkeit, die verblüffend ist auf der einen Seite und erschreckend auf der anderen Seite“, sagte er. Damals seien viele Menschen gegen die atomare Aufrüstung auf die Straße gegangen. „Die Gegenwart lehrt uns, dass dieser Wahnsinn nicht aufgehört hat, sondern zunimmt. Ich verstehe nicht ganz, dass wir vor dem Hintergrund gemachter Erfahrungen nicht zu einer besseren Leistung in der Lage sind, andere Lösungsansätze zu finden, anstatt Waffen.“

Großer Chor


Es waren diese ruhigen Momente, die den Abend besonders machten. Maffay formulierte seine Gedanken sachlich und ohne Pathos. Seine Botschaften wirkten glaubwürdig, weil sie zu dem Künstler passten, der sich seit Jahrzehnten auch gesellschaftlich engagiert.
Musikalisch ließ das Konzert kaum Wünsche offen. Mit „Und es war Sommer“, „Du“, „Sonne in der Nacht“, „So bist du“ und dem großen Finale „Über sieben Brücken musst du gehen“ präsentierte Maffay die Lieder, die längst zu Klassikern der deutschen Rockgeschichte geworden sind. Tausende sangen jede Zeile mit. Immer wieder verwandelte sich der Innenhof von Schloss St. Emmeram in einen einzigen großen Chor.

Schlagzeug als Geschenk


Für einen besonders emotionalen Höhepunkt sorgte ein kleiner Junge mit Arm- und Beinprothesen. Erst seit einem halben Jahr spielt er Schlagzeug und durfte gemeinsam mit der Band den Tabaluga-Song begleiten. Am Ende schenkte ihm Peter Maffay sein Schlagzeug. Eine bewegende Geste, die perfekt zu seinem langjährigen sozialen Engagement passte. Viele Besucher hatten dabei sichtlich Tränen in den Augen.
Auch Maffays Sohn Yaris stand auf der Bühne und widmete seinem Vater einen musikalischen Beitrag. Am Bühnenrand verfolgte Ehefrau Hendrikje Maffay gemeinsam mit Freunden das Konzert. Zum Abschluss stellte Maffay zudem einen bislang unveröffentlichten Song aus dem neuen Album vor, das gemeinsam mit Johannes Oerding entstanden ist und mit dem beide im kommenden Jahr auf Tour gehen wollen.

„Love Places Tour“


Das Konzert begann um 20.30 Uhr und endete nach mehreren Zugaben und einer längeren Pause erst gegen 23.30 Uhr. Es war zugleich das letzte Open-Air-Konzert seiner diesjährigen „Love Places“-Tour, die bewusst außergewöhnliche Spielorte in den Mittelpunkt stellt.

Starkregen, Blitz und Donner


Auch das Wetter schien den Abend lange zu feiern. Bei sommerlichen Temperaturen und klarem Himmel genossen die Besucher einen perfekten Konzertabend unter freiem Himmel. Doch kaum hatten sich die letzten Fans auf den Heimweg gemacht, zog ein schweres Gewitter über Regensburg. Rund 15 Minuten nach Konzertende entluden sich Starkregen, Blitz und Donner über der Stadt. Viele Besucher erlebten den Wetterumschwung auf dem Weg zu ihren Autos.

Standing Ovations für den großen Peter Maffay


Musikalisch blieb dagegen keine Wolke am Himmel. Peter Maffay zeigte eindrucksvoll, warum er auch mit 75 Jahren zu den großen Persönlichkeiten der deutschen Rockmusik zählt. Er verbindet Haltung mit Menschlichkeit, große Hits mit ehrlichen Geschichten und beweist Abend für Abend, dass gute Rockmusik kein Verfallsdatum kennt. Die Besucher der Schlossfestspiele dankten es ihm mit stehenden Ovationen. Verdienter hätte der Schlussakkord dieses besonderen Konzertabends kaum ausfallen können.