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Martina Schwarzmann begeistert 1.000 Besucher in Speichersdorf

Speichersdorf. Martina Schwarzmann bescherte ihrem Publikum in der ausverkauften Sportarena in Speichersdorf einen unvergesslichen, unterhaltsamen Abend.

Martina Schwarzmann begeistert 1.000 Besucher in Speichersdorf

Foto: Peter Gattaut
Monika Maria Wagner. Foto: Peter Gattaut

Die Sportarena in Speichersdorf war bis zum letzten Platz gefüllt. Über 1.000 Besucher zauberten dem Veranstaltungsteam um Wolfgang Hübner, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebenshilfe Speichersdorf, ein Lächeln auf die Lippen. Der Auftritt der bayerischen Grande Dame des Musikkabaretts Martina Schwarzmann war schon Wochen zuvor ausverkauft.

Ihr aktueller Bühnenshow-Name „Martina Schwarzmann macht, was sie will“ wird an diesem unvergesslichen, unterhaltsamen Abend schnell zum Programm. Die vierfache Mutter glänzt nicht nur bei „hinterhältigen“ Erziehungstipps für heranwachsende Teenager, sondern interagiert von Anfang an mit dem Publikum, reagiert schlagfertig auf Zuschauerreaktionen und setzt ihre Pointen treffsicherer als jeder Elfmeterschütze beim Fußball. Ihre Beobachtungen im Alltag und Familienleben schildert sie unverblümt und frech, wirkt aber zu jeder Zeit in sich ruhend und aufgeräumt. Die Oberbayerin lässt sich nicht verbiegen und jagt keinen neuen Trends hinterher.

Sie hat das Herz am richtigen Fleck, hegt keinen Geltungsdrang und setzt auf Natur und Bodenständigkeit. Ihre selbstgeschriebenen Songs sind mit witzigen Texten und melodischer Klangfarbe versehen, vermitteln aber auch klare Botschaften und Anregungen. Die mehrfach ausgezeichnete Kabarettistin widmet sich den ernsten Themen wie Handynutzung, Weltuntergang oder Klimaschutz ganz auf ihre eigene Art und Weise. Natürlich dürfen aber auch Flachbusenwitze und der eine oder andere eindeutig zweideutige Gag im Repertoire nicht fehlen. Sie nimmt sich selbst nicht so ernst, verlässt nie die Grenze des guten Geschmacks, wirkt jederzeit authentisch und gelegentlich auch mal tiefgründig.

Einen hervorragenden Eindruck hinterließ auch die Support-Act-Musikerin Monika Maria Wagner (früherer Künstlername „MONI“), die bei ihrem zehn Minuten dauernden Auftritt die Speichersdorfer Sportarena bei ihrem einfühlsamen Song „I geh weida“ spontan in einen Backgroundchor verwandelte. Erst nach einer frenetisch geforderten Zugabe beendete Martina Schwarzmann mit dem urkomischen bayerisch-amerikanischen „Pony-Song“ eine rundum gelungene Veranstaltung.

Werdegang

Martina Schwarzmann wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb im oberbayerischen Dorf Überacker (Landkreis Fürstenfeldbruck) mit zwei Brüdern und einer Schwester auf. Nach dem Hauptschulabschluss in Maisach machte sie eine Ausbildung zur Köchin im Bayerischen Hof in München. Danach arbeitete die in Altomünster (Oberbayern) wohnhafte Kabarettistin 1997 für ein halbes Jahr in einem Schweizer Hotel. Ihren erlernten Beruf übte die Naturliebhaberin acht Jahre lang aus, bevor sich die heute vierfache Mutter ganz der Bühnentätigkeit widmete. Ab 2000 trat Schwarzmann auf verschiedenen Kleinkunstbühnen auf und erlangte rasch überregionale Bekanntheit. Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie 2004 in Ottis Schlachthof.

Ihr Musikkabarett-Programm besteht aus Vorträgen und Liedern, die sie mit der Gitarre begleitet. Die bekennende Schwammerl-Sammlerin karikiert Alltagsszenen in unnachahmlicher Weise. Als Inspiration dienen ihr dabei nach eigener Aussage die Lebenswelt der oberbayerischen Landbevölkerung und persönliche Erlebnisse, vor allem aus dem Umfeld ihres Heimatortes.

Martina Schwarzmann wurde mehrfach mit Kabarett- und Kleinkunstpreisen ausgezeichnet, unter anderem 2007 und 2008 mit dem Bayerischen Kabarettpreis sowie 2016 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und 2018 mit dem Bayerischen Kulturpreis.

Interview mit Martina Schwarzmann

Foto: Peter Gattaut
Peter Gattaut und Ingrid Käsbauer beim Schnappschuss mit Martina Schwarzmann. Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut

Liebe Martina, erst mal alles Gute nachträglich zu Deinem 47. Geburtstag. Ich hoffe, Du konntest gestern Deinen Jubeltag angemessen im Kreise Deiner Lieben feiern?

OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Martina Schwarzmann: Vielen Dank. Ja, ich habe meinen Geburtstag zu Hause in meinem Garten bei herrlichem Wetter genossen.

Du bist mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen und lebst jetzt mit deinem Ehemann und euren vier Kindern auf einem Bio-Bauernhof. Du bist sehr naturverbunden, liebst Gartenarbeit, veredelst Obstbäume und gehst gerne in die Schwammerl. Wie kam es dazu, dieses idyllische, geerdete Leben mit erfolgreichem Musikkabarett zu bereichern?

Schwarzmann: Musikkabarett hat mich schon als Teenager begeistert, da ich damals auch keine Wortkabarettisten kannte. Meinen ersten offiziellen Auftritt vor Publikum hatte ich bereits mit 16 Jahren. Ich wusste für mich: Das muss ich machen, wenn man so will, so eine Art innere Berufung. Ich finde die Kombi, bodenständig und unterhaltsam zu sein, ideal.

Du bist als vierfache Mutter auch privat sehr gefordert. Wie gestaltest Du Dein Zeitmanagement, um Deine Tour-Auftritte, das Schreiben von neuen Liedern und Programmen sowie Familie und Deinen geliebten Garten unter einen Hut zu bekommen?

Schwarzmann: Ich mach immer das, was ich am liebsten mag oder am dringendsten erledigen muss. Es gibt schon eine To-do-Liste, aber keinen Tages- oder sogar Wochenplan. Viele Sachen sind ja auch abhängig vom Terminplan der Kinder oder einfach vom Wetter. Mein Tourneeplan steht schon meistens über ein Jahr zuvor fest. Das ist praktisch mein Grundgerüst für alle weiteren Planungen und Aktivitäten.

Wie lustig geht es im Hause Schwarzmann zu? Hat ein Sprössling von Dir Dein Talent geerbt und irgendwann wird es vielleicht sogar mal eine Wachablösung geben? Würdest Du das befürworten?

Schwarzmann: Jedes meiner Kinder kann später mal machen, was es will. Ich finde meine Kids lustig, sie mich meistens nicht. Ich weiß, dass sie alle sehr redegewandt sind und keine Angst vor öffentlichen Auftritten haben. Ob irgendwann mal jemand in meine Fußstapfen treten will, wird man sehen. Natürlich hätten sie dabei meine volle Unterstützung.

Du bist alles andere als ein Social-Media-Fan und es gibt auch keine offizielle Martina-Schwarzmann-Seite auf Facebook oder Instagram. In manchen Interviews hast du diese Internetplattformen schon mal als reine Zeitverschwendung bezeichnet. Zumindest gibt es ja eine Martina-Schwarzmann-Fanclub-Seite auf Facebook mit über 10.000 Mitgliedern. Nimmst Du davon tatsächlich überhaupt keine Notiz und wie erklärst Du Dir den Hype um Deine Person mit ständig ausverkauften Vorstellungen und Kabarettpreisen en masse?

Schwarzmann: Du wirst lachen, ich habe diese Seite noch nie gesehen. Ich finde es unangenehm, Kommentare von anderen Leuten über mich zu lesen. Diese Zeit kann ich kreativer nutzen, das ist für mich tatsächlich Zeit- und Stromverschwendung. Ich spiele auf den großen Bühnen und meistens vor ausverkauftem Haus. Ich glaube, ich bin bekannt genug und kann auf diese Art von persönlicher Darstellung liebend gerne verzichten.

Du warst schon immer ein Fredl Fesl-Fan, der Dich auch zum Musikkabarett inspiriert hat. Hattest Du das Glück, ihn zu Lebzeiten kennenzulernen?

Schwarzmann: Ja, ich hatte mit Fredl Fesl bis zu seinem letzten Tag eine gute Freundschaft. Immer wenn sein Heimatort Pleiskirchen auf meiner Strecke war, bin ich auf einen Sprung bei ihm vorbeigefahren. Er war auch öfter mal bei uns daheim.

Welchen Ratschlag oder welche Philosophie möchtest Du deinen zahlreichen Fans und unseren Lesern mit auf den Weg geben?“

Schwarzmann: Jeder soll sein Leben so leben, wie er es gerne hätte.“ Auf bayerisch g’sagt: „Macht’s einfach, was’s wollt’s.