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Matthias Egersdörfer feiert die Langsamkeit

Neuhaus. Der fränkische Kabarettist und Schauspieler Matthias Egersdörfer leistet mit seinem Programm „Langsam“ in der Schafferhof-Tenne einfallsreichen Widerstand gegen die Schnelllebigkeit und Quatsch aller Art.

Matthias Egersdörfer feiert die Langsamkeit

Kaum ein anderer kann so herrlich fränkisch granteln wie der Kabarettist und Schauspieler Matthias Egersdörfer. Mit seinem Programm „Langsam“ kam er beim Schafferhof-Publikum bestens an. Foto: Hans Prem
Kabarettist und Schauspieler Matthias Egersdörfer in Aktion. Foto: Hans Prem

„Wenn du es eilig hast, tu langsam“. Diese alte fränkische Lebensweisheit macht sich auch der Kabarettist und Schauspieler Matthias Egersdörfer zu Eigen. Neben der Langsamkeit gehören das rote Hemd und der dunkelblaue Nadelstreifenanzug, sein mittelfränkischer Dialekt sowie das Granteln mit leichtem Hang zum Ordinären zu seinen Markenzeichen. Das bekam auch gleich eine Zuhörerin, die den Beginn seines Programms verpasste, gehörig zu spüren: „In Bayreuth hätten sie ihnen die Finger abgehackt“, grantelte er.

Wut und Weisheit als Pole

Egersdörfer tut sich schwer mit der eigenen Geschwindigkeit beim Entscheiden, Denken, Sprechen oder beim Kochen einer Zucchinicremesuppe. So wird das 85 Meter lange Frühstücksbuffet, auf dem auf 22 Metern Länge nur Brot der verschiedensten Art aufgebaut ist und zu dem es nirgendwo eine Gebrauchsanleitung gab, geschweige denn jemand, der sich dort ausgekannt und mit qualifizierten Auskünften hätte dienen können, zur Hölle. Im Gegensatz zu seiner Frau, die sich mit Weißbrot, Butter und Salami glücklich machte, kann er nicht strukturiert denken. Der Kabarettist entdeckt das Unangenehme dort, wo andere genießen. Dabei sind Wut und Weisheit seine Pole. Die tobenden Entgleisungen des fränkischen Raubeins sind nur das Lockmittel für seinen Hintersinn.

Großer Meister in Sachen Langsamkeit

Lebenslanges Vorbild für seine Lebenshaltung der Langsamkeit ist ihm sein verstorbener Freund und Geistesbruder Philipp Moll. Er ist der großer Meister in Sachen Langsamkeit, König im Zeitlupen-Radfahren, Meister im Sofort-Schlaf und geistreicher Lyriker. Durch vieles Trampen, aus der Not als junger Mensch geboren und das heute kaum noch jemand praktiziert, wäre er gerne Fernfahrer geworden und hätte seine Geschichten durchs Land gefahren. Aber so wurde er Kasper, der sich lyrische Gedanken um wintermüde Motten im Saal während eines Vortrags über „Chancen und Gefahren des Hundeflohs im 20. Jahrhundert“ macht.

Mästen als Racheakt

Zwischendurch zitiert er Einstein („Wenn man immer dasselbe tut, aber immer auf ein neues Ergebnis hofft, ist man blöd“) und Dostojewski („Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist“). Dann kommt er wieder auf die Langsamkeit zurück, auf den fränkischen Stillstand mit Zeitlupen-Service in einem Jahrhunderte alten Gasthaus, bei dem seine Frau nach Stunden des Wartens zur Furie wird. Seine Gedankenverknotung unterstellt ihr, dass sie ihn durch ihre Kochkünste langsam mästet als Racheakt, um ihm als attraktives Mannsbild weibliche Jungkonkurrenz vorzuenthalten. „Bei meinem Charakter wird wohl kaum eine Damenfußballmannschaft vor dem Haus stehen um für seine Frau, wenn sie nicht mehr möchte, einzusteigen.

Sein Programm wurde auf seine Frage hin vom Schafferhof-Publikum mit Oberpfälzer Zurückhaltung mit „passt scho“ bewertet. Nach großem Applaus gab er als Zugabe noch die irrsinnige Anleitung, wie man mit Dosenwurst nicht umgehen sollte.

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