Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
okticket – Kultur
okticket – Kultur

Modedesignerin verwandelt barocken Stallstadel zum Kulturort in Reichenau

Reichenau. Vom Münchner Laufsteg ins Oberpfälzer Gewölbe, Modedesignerin Svenja Jander belebt den barocken Feiler-Stodl als Kulturstadl mit Konzerten, Kursen und Biergarten. Die Eröffnung des Biergartens ist am 6. Mai 2027.

Reichenau. Vom Münchner Laufsteg ins Oberpfälzer Gewölbe, Modedesignerin Svenja Jander belebt den barocken Feiler-Stodl als Kulturstadl mit Konzerten, Kursen und Biergarten. Die Eröffnung des Biergartens ist am 6. Mai 2027.
Svenja Jander geht dem Schindelleger Daniel Ehrentaler zur Hand. Foto: Josef Pilfusek

Modedesignerin verwandelt barocken Stallstadel zum Kulturort in Reichenau

Wer das Besondere sucht, findet es selten dort, wo alle hinschauen. Man findet es an Orten wie diesem: Ein Stallstadel mit böhmischem, barockem Kappengewölbe, fast 70 Jahre vergessen, wird gerade zu einer Adresse, über die man in der Region noch sprechen wird. Ein Kulturort mit Konzerten und Kursen, ein Biergarten mit Anspruch, eine Location für Hochzeiten und Firmenevents, wie man sie in der Region nur selten findet.

Eine Frau, die es sich leisten könnte zu bleiben — und trotzdem geht

Dahinter steht eine Frau mit einem geschulten Blick fürs Detail: Svenja Jander hat 18 Jahre lang die Münchner Modewelt mitgeprägt. Jetzt investiert sie Können, Kapital und Herz in ein Dorf mit knapp 100 Einwohnern. Wie es dazu kam — und was dort entsteht —, ist eine Geschichte über die Frage, was im Leben wirklich zählt.

Wer Svenja Jander verstehen will, muss verstehen, was sie aufgibt. Seit 2008 führte die gelernte Schneidermeisterin und Modedesignerin ihr Atelier im Glockenbachviertel, dem Künstlerviertel Münchens, und baute es zu einer festen Größe in der Münchner Modewelt auf.

Prominente Persönlichkeiten aus Film, Sport und Politik gehörten zu ihrer Stammkundschaft. Sie produzierte die Laufstegkollektion für das renommierte Modehaus Etienne Aigner, schneiderte Abendkleider und Maßanzüge für Schauspieler bei wichtigen Veranstaltungen, fertigte jährlich unter anderem rund 100 neue Brautkleider nach Maß und passte weitere 1.000 an — von der einfachen Änderung bis zum aufwendigen Unikat.

Es gibt noch viel zu tun auf der Baustelle. Foto: Josef Pilfusek
Hier soll der Dorfladen entstehen. Foto: Josef Pilfusek
Svenja Jander (links) will ihren Beruf als Schneidermeisterin und Modedesignerin künftig in Reichenau ausüben. Foto: Svenja Jander

Jede Naht eine Aussage, jedes Stück ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Und doch: Die Heimat hat lauter gerufen als der Erfolg in der Großstadt. „Es soll nicht überheblich klingen, aber ich war in München wirklich erfolgreich”, sagt Svenja Jander im Gespräch. „Ich habe mich trotzdem für meine Heimat entschieden — nicht erst wenn ich in Rente bin, sondern jetzt, mitten im Leben. Man muss auf sein Herz hören. Seit ich zehn Jahre alt bin, war ich schon immer gerne in Reichenau.”

Für Svenja Jander ist es eine Entscheidung, die man sich leisten können muss — nicht nur finanziell, sondern vor allem innerlich. Und es ist genau die Art von Entscheidung, die derzeit viele erfolgreiche Menschen beschäftigt: „Was ist eigentlich echter Luxus?“ Immer öfter lautet für sie die Antwort: „Zeit, Raum, Authentizität.“ Alle drei gibt es für sie in Reichenau im Überfluss. Es fehlte nur der richtige Ort, um daraus etwas zu machen.

Pflege Oberpfalz
Pflege Oberpfalz

Ein Denkmal als Investition in die Zukunft

Diesen Ort hat Svenja Jander gefunden und erworben: die denkmalgeschützte Hofstelle „Feiler-Stodl”, einen Stallstadel mit böhmischem, barockem Kappengewölbe — eine Seltenheit in der ganzen Region. Ein Gebäude mit Charakter und Geschichte, das nur darauf gewartet hatte, wiederentdeckt zu werden.

Bei der Umsetzung steht ihr Vater Gerhard Jander in allen Bereichen mit Leidenschaft zur Seite. Es ist ein Projekt, das Vater und Tochter verbindet. Seit dem Frühjahr 2025 geht es spürbar voran — Schritt für Schritt, Balken für Balken, mit Beharrlichkeit und einem Herzblut, das man an jeder Ecke des Anwesens spürt. Und mit Substanz: Längst hat sie erheblich vorfinanziert; Statik, Fundamente und Bodenplatten sind vollständig denkmalgerecht ertüchtigt.

„Hier wird nicht improvisiert, hier wird in Qualität investiert“, sagte Svenja Jander, „vom Fundament bis zum First“. Derselbe Anspruch, der ihre Münchner Arbeit ausgezeichnet hat, zieht sich nun durch jede Entscheidung am Bau.

Handwerkskunst, die man heute kaum noch findet

Das zeigt sich schon am ersten, oft unsichtbarsten Bauabschnitt, der inzwischen geschafft ist: Die Zimmerei Christian Kraus aus Teunz hat den Dachstuhl statisch ertüchtigt, Gauben gesetzt und das Gebäude gerüstet.

Architektin Dipl.-Ing. (FH) Petra Hofmann aus Högen hat diesen ersten Bauabschnitt fachlich begleitet und die Planung für alle weiteren Schritte verantwortet. Das wertvolle Gewölbe wurde von der Firma Hampel stabilisiert. Schon beim Rückbau ließ sich die Baugeschichte ablesen: ursprünglich ein Strohdach, später mit Schindeln gedeckt. „Genau in dieser Tradition wird das Dach jetzt neu eingedeckt“, erklärt die Bauherrin.

Dafür ist Schindelleger Daniel Ehrenthaler aus Zwiesel nach Reichenau gekommen — mit einem Handwerk, das man heute kaum noch zu sehen bekommt. Statt geschnittener verwendet er gespaltene Schindeln, die deutlich haltbarer sind. „Eigentlich sind das Legschindeln, wie man sie von Almhütten kennt”, sagt er, „aber wegen der Dachneigung müssen wir sie hier nageln.” Genau das mache für ihn den Reiz aus: ein traditionelles Handwerk, das selten geworden ist.

Selbst ist die Frau: Svenja Jander legt gerne selbst an. Foto: Josef Pilfusek
Noch sieht es so aus. Foto: Svenja Jander
So könnte es nach dem von Svenja Jander mit KI generierten Bild einmal aussehen. Foto: Svenja Jander

Lärchenholz kommt sowohl bei den Schindeln als auch bei den Dachrinnen zum Einsatz: warm im Ton, robust und langlebig. Einzig die Hitze der vergangenen Wochen, gesteht er mit einem Lachen, habe ihn auf dem Dach fast dahinschmelzen lassen. Zwei Meisterinnen und Meister ihres Fachs, die sich hier begegnen: die Schneiderin und der Schindelleger — beide mit demselben Verständnis davon, dass gute Arbeit Zeit braucht und man den Unterschied am Ende sieht.

Während draußen das Dach wächst, läuft die Planung des Innenausbaus auf Hochtouren. Architektin Hofmann hat sämtliche Ansichten, Schnitte und Grundrisse ausgearbeitet: Im Erdgeschoss entstehen der große Gewölberaum, der angeschlossene Scheunenraum, Küche, Technik, ein kleiner Hofladen und barrierefreie Sanitäranlagen. Damit steht auch fest, wofür all das entsteht.

Eine Location mit Geschichte und Seele

Das Konzept verbindet, was sich sonst oft ausschließt: dörfliche Herzlichkeit und professioneller Anspruch. Im Gewölberaum, dem Herzstück des Hauses, soll eine warme Atmosphäre entstehen. Die alten Balken des Stadls bekommen dabei ein zweites Leben: Aus dem Altholz entstehen Tische, Bänke und Möbel. Was einst das Gebäude trug, trägt nun die Menschen, die darin sitzen. Bänke ringsum aus altem Holz, Sitzkissen und warmes Licht: ein Ort zum Verweilen, nicht zum Durcheilen.

Direkt angeschlossen ist ein moderner Scheunenraum, der flexibel für Veranstaltungen, Kurse und größere Gruppen genutzt werden kann. Für Veranstaltungen und Konzerte ist professionelle Ton- und Lichttechnik geplant: ein hochwertiges PA-System, ein digitales Mischpult und eine mobile Holzbühne.

Für Firmentreffen und Filmabende kommt ein Projektor mit Leinwand dazu. Der Kulturstadl ist damit keine improvisierte Scheune, sondern ein professionell ausgestatteter Veranstaltungsort mit Seele. Genau das macht ihn interessant für alle, die eine Hochzeit, einen runden Geburtstag oder ein Firmenevent planen: Unternehmen aus der Region und darüber hinaus sollen hier Offsite-Meetings, Strategie-Retreats und Teambuilding in einem Ambiente mit Geschichte buchen können — barockes Gewölbe, warmes Lärchenholz, echtes Handwerk.

Ein Biergarten mit Anspruch und ein Wohnzimmer fürs Dorf

Was drinnen im Gewölbe gilt, setzt sich draußen fort: Der Biergarten wird auf mehreren Ebenen gestaltet – liebevoll und mit Blick für das Detail. Zwei große Kastanienbäume werden Schatten spenden, ein Sonnensegel ergänzt den natürlichen Schutz. Hier soll die Dorfgemeinschaft an lauen Sommerabenden ebenso zusammenfinden wie Gäste von auswärts.

Ein historischer Granitbrunnen mit Magnetangel-Kinderspaß und naturnahes Grün mit Blühflächen für Insekten: „Hier entsteht kein Biergarten von der Stange, sondern ein Ort, den man nicht so schnell wieder vergisst“, ist Svenja Jander überzeugt. Das Programm umfasst erstklassige Nähkurse, geleitet von einer erfahrenen Schneidermeisterin, die unter anderem für Etienne Aigner produziert hat — dazu Holzwerkstatt, Brotbacken, Kräuterkurse, Yoga und Meditation sowie Kochkurse mit regionalen Zutaten.

Für Kinder historische Spiele zum Neuentdecken, Ferienbetreuung und ein gemütlicher Geschichten-Vorlesenachmittag im Winter — für Schulklassen soll der Kulturstadl zu einem beliebten Ausflugsziel werden, an dem man mit allen Sinnen lernt. Wichtig ist Svenja Jander dabei, dass die Menschen nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten. Kursleiter aus dem Dorf und der Umgebung sind ausdrücklich eingeladen, ihr Wissen weiterzugeben — ob Yoga von der Nachbarin oder ein Brotback-Nachmittag mit dem örtlichen Verein.

Ein kleiner Hofladen mit regionalen Produkten soll das Angebot abrunden — die einzige Einkaufsmöglichkeit in Reichenau. Früher gab es hier drei kleine Geschäfte.

Und sobald die Baustellen ruhiger werden, folgt die Eröffnungsfeier der Schneiderei. Zunächst möchte Svenja Jander vor allem Änderungen anbieten. Das Nähen, sagt sie, sei und bleibe ihre Leidenschaft. Wer einmal in ihrem Münchner Atelier war, weiß, was das bedeutet: Kreativität, Präzision, Liebe zum Detail und ein feines Gespür dafür, was in einem Menschen steckt und wie Kleidung das sichtbar machen kann.

Ein Ziel, für das man gerne fährt

Dass sich für diese Qualität auch ein weiter Weg lohnt, zeigt sich bereits jetzt vor der Eröffnung: Für Svenjas Nähkurse haben sich Teilnehmerinnen aus Hamburg und Frankfurt angemeldet. Viele kennen sie noch aus ihrem Münchner Atelier und nehmen für einen Kurs bei ihr gerne auch eine weite Anreise in Kauf.

Ähnliches erwartet man sich vom Biergarten und den Kulturveranstaltungen: Gäste aus Weiden, Regensburg und München werden kommen, vielleicht auch Kulturinteressierte aus der benachbarten Tschechischen Republik. Die Grenze ist nah, die Region verbindet. Denn was hier geboten wird — von der Qualität der Speisen und Getränke über die Unterhaltung bis hin zum besonderen Ambiente des historischen Gewölbes — hat das Zeug zu einem echten Ziel, nicht nur zu einem Zwischenstopp.

Auch Radfahrer und Wanderer sollen hier willkommen sein: Die Strecken rund um Reichenau sind bei beiden beliebt, und der Kulturstadl will als feste Rast auf beliebten Routen etabliert werden. Eine E-Bike-Ladestation ist bereits geplant. Familien können einen Zwischenstopp einlegen, die Kinder spielen, die Eltern verschnaufen.

Starke Unterstützung auf dem Weg

Ein Projekt dieser Dimension stemmt niemand allein. Begleitet wird der Kulturstadl vom Netzwerk HeimatUnternehmen Oberpfälzer Wald. Als HeimatEntwicklerin steht Doris Völkl Svenja Jander intensiv zur Seite. Sie ermutigt, wo Zweifel aufkommen, begleitet die unternehmerischen Entscheidungen und hilft, aus komplexen finanziellen und betriebswirtschaftlichen Fragen schneller tragfähige Lösungen zu machen. „Die Unterstützung war für mich weit mehr als Beratung”, sagt Svenja Jander dankbar.

Das Besondere findet man selten im Zentrum

„Mir war von Anfang an wichtig, das Gebäude nicht einfach nur zu erhalten, sondern es in einen neuen, lebendigen Zusammenhang zu stellen”, sagt Svenja Jander. „Es soll ein Ort werden, der mit Liebe gefüllt ist — zum Genießen, zum Lernen, zum Wachsen. Ich wünsche mir, dass hier bald Menschen feiern, lachen, Musik hören, mit allen Sinnen spüren und das Besondere dieses wunderschönen Anwesens erleben.”

Was hier entsteht, ist mehr als eine gelungene Sanierung. Es ist der Beweis, dass Denkmalschutz, regionale Identität und zeitgemäße Nutzung zusammenfinden können — mit Mut, Beharrlichkeit und sehr viel Liebe zum Detail. Und es ist die Geschichte einer Frau, die auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs eine Entscheidung trifft, die viele überrascht: zurück in die Heimat. Nicht irgendwann, sondern jetzt.

Eine Tochter mit einer Vision, ein Vater, der sie mit Leidenschaft unterstützt, ein Dorf mit knapp 100 Einwohnern und ein Gebäude, das fast 70 Jahre vergessen schien: Daraus wächst ein Ort, an dem das Dorf wieder zusammenkommt — zum Feiern, Lernen, Dasein. Ein Wohnzimmer für ganz Reichenau — und ein Ziel für alle, die wissen, dass das Besondere selten im Zentrum zu finden ist, sondern dort, wo jemand mit Herzblut etwas aufbaut.

Die Eröffnung des Biergartens am Kulturstadl Reichenau ist für den 6. Mai 2027 geplant: Vatertag. Gefeiert wird mit Livemusik. Der Innenausbau befindet sich derzeit in der Planungsphase.

Tipp: Wenn Du etwas googelst, bekommst Du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!