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ARV Oberpfalz
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Verbotenes Schreddern und volle Lager: Der Weg zum Müllskandal

Weiden. Im Prozess gegen einen Recycling-Unternehmer aus Weiden (Firmensitz Wernberg) hat am Freitag der langjährige Abfallberater ausgesagt. Das Landratsamt Schwandorf hatte das Schreddern von Rotorblättern untersagt – doch laut Aussage des Ingenieurs (61) ging es weiter. Im Prozess wird deutlich, wie die Entsorgungsprobleme der Recyclingfirma eskalierten.

Weiden. Im Prozess gegen einen Recycling-Unternehmer aus Weiden (Firmensitz Wernberg) hat am Freitag der langjährige Abfallberater ausgesagt. Das Landratsamt Schwandorf hatte das Schreddern von Rotorblättern untersagt – doch laut Aussage des Ingenieurs (61) ging es weiter. Im Prozess wird deutlich, wie die Entsorgungsprobleme der Recyclingfirma eskalierten.
Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Weiden mit Vorsitzendem Richter Markus Fillinger (Mitte), links Richter Florian Bauer, rechts Christoph Freimuth. Foto: Christine Ascherl

Verbotenes Schreddern und volle Lager: Der Weg zum Müllskandal

Der Ingenieur aus Nordrhein-Westfalen beriet das Unternehmen auf Honorarbasis bei allen Genehmigungen. Zwei Erkenntnisse seiner Aussage: Einerseits belastet er den angeklagten Unternehmer. Dieser habe weiterhin Rotorblätter aus Glasfasern auf dem Gelände in Wernberg geschreddert, obwohl ihm das untersagt war. Ohnehin habe niemals eine Genehmigung dafür bestanden. „Das Landratsamt Schwandorf hat immer deutlich gesagt: GFK schreddern geht so nicht.“ Problem sind die in die Luft freigesetzten Fasern. Selbst eine Absaugung genügt nicht.

Hintergrund des expliziten Verbots war die Beschwerde eines Nachbarn, der im Gewerbegebiet frisch gebaut hatte. Trotz der Untersagung im Januar 2024 schredderte der Recycler acht Monate lang weiter, bis es einen Zwangsgeldbescheid über 1.000 Euro hagelte.

Leise Kritik an Landratsamt Schwandorf

Das führte zum Folgeproblem und letztlich zur illegalen Müllablagerung in Tschechien: Das Wernberger Vorzeigeunternehmen wusste nicht mehr wohin mit Rotorblättern. Der Hof lief über. Denn nur geschredderte Rotorblätter können zur thermischen Verwertung, beispielsweise in Zementwerke, gebracht werden. „Ungeschreddertes Material ist vier bis fünf Meter lang“, beschreibt der Abfallberater: „Das kriegen Sie ja nirgendwo hinein.“

Die genehmigte Lagerkapazität war begrenzt. Und man sah der Firma ordentlich auf die Finger: „Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Schwandorf war anspruchsvoll“, formuliert es der Abfallberater diplomatisch. Die Zeugen von Landratsamt und Regierung der Oberpfalz werden Anfang August angehört. Es gab etliche Behördenkontakte: So forderte das Landratsamt schon frühzeitig eine Bilanz aller GFK/CFK-Eingänge und -Ausgänge, also aller Stoffströme.

Frage: Wer hätte tschechischen Entsorger prüfen müssen?

Der Abfallberater füllte einige der Notifizierungen aus, die nötig sind, wenn Müll an einen Entsorger im Ausland geht. Nach seiner Darstellung müsste der Abfallerzeuger oder Händler grundsätzlich prüfen, ob dieser Entsorger die Abfälle tatsächlich ordnungsgemäß verwerten kann. „Man sollte sich die Anlage vor Ort anschauen“, sagte der 61-Jährige. Eine gesetzliche Verpflichtung gibt es aber nicht.

Verteidiger Rouven Colbatz warf die Frage auf, wer eigentlich der verantwortliche Abfallerzeuger ist: der Kunde, der die kaputten Rotorblätter abholen lässt – oder das Recyclingunternehmen? Interessant: Laut Abfallberater wurde die Wernberger Firma mit dem Schreddern zum neuen Abfallerzeuger. Aber am Ende wurde ja eben überhaupt nicht mehr gehäckselt, der GFK-Schrott blieb ganz. „Das kann ich nicht hundertprozentig beantworten“, meinte der Ingenieur, der ein absoluter Fachmann ist. Seit Jahren arbeitet er ehrenamtlich für den Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung.

Pflege Oberpfalz
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Mehrfach Brände mit Batterien

Gerade im Bereich der Erneuerbaren Energien ist vieles Neuland. Und so tat sich das Recyclingunternehmen in Wernberg auch mit einer innovativen Batterie-Recycling-Anlage schwer. Die Anlage trennte die Batterien nicht sauber genug in Metall, Kunststoff sowie gefährliche Elektrolyte und schwarze Masse. Daraufhin wurde der komplette Abfall vom Landratsamt als gefährlich eingestuft. Und wieder gab es daraufhin Probleme mit Abnehmern, das Material häufte sich – und wurde letztlich nach Tschechien gebracht.

Unter dem illegal verbrachten Müll waren auch verbrannte Batterien. Der Abfallberater bestätigt, dass es zu einigen Bränden gekommen sei. Daraufhin gab es Probleme mit kontaminiertem Löschwasser. Das Landratsamt forderte eine ordnungsgemäße Entsorgung. „Manchmal ging das nicht so schnell.“

Nächste Zeugen: weitere Mitarbeiter

Als weiterer Zeuge sagte am Freitag ein Tscheche (34) aus. Er war Mitarbeiter einer Lagerhalle, in der Batterien auf Paletten eingelagert wurde. Man sollte dafür eine „Kompensation“ erhalten. Es sollte Neuware sein, aber man habe gesehen, dass es gebrauchte Batteriekomponenten waren. Zudem wurden gebrauchte Photovoltaik-Module gebracht. „Ich konnte nicht erkennen, dass es sich um gefährlichen Abfall handelte“, sagte der Tscheche. Als eine Geldstrafe von 10.000 Kronen verhängt wurde, sei diese vom zweiten Angeklagten im Weidener Prozess, einem 55-jährigen Tschechen bezahlt worden.

Nächste Prozesstage sind nächste Woche Donnerstag, 23. Juli, und Freitag, 24. Juli, unter anderem mit Mitarbeitern des Unternehmens. Noch immer ist offen, wie die 1. große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Markus Fillinger mit dem zweiten Geständnis des Hauptangeklagten umgeht. Der Unternehmer (53) hatte seine Einlassungen noch einmal mit Details angereichert, nachdem der Deal geplatzt war.

Prozess gegen Recycling-Unternehmer: Gericht kündigt Deal auf

Prozess gegen Recycling-Unternehmer: Gericht kündigt Deal auf

Weiden. Zu Beginn des zweiten Prozesstags platzt die Bombe: Das Gericht kündigt den am Donnerstag vereinbarten Deal mit dem angeklagten Recycling-Unternehmer auf. Man fühle sich nicht länger an den Strafrahmen von 3 bis 3,5 Jahre Haft gebunden. Grund: Das Geständnis reicht dem Gericht nicht aus.