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Schobers Rock-Kolumne: Von politischen Irrtümern und alten Hasen

Nordoberpfalz. Von politischen Irrtümern und alten Hasen

Nordoberpfalz. Von politischen Irrtümern und alten Hasen
Robin Trower Bonnie ‘Prince’ Billy Steaming Satellites Vacations Wade Bowen Roomer

Schobers Rock-Kolumne: Von politischen Irrtümern und alten Hasen

Na so was, ist die Brandmauer gefallen, wer hätte das gedacht?! Die CDU ist am korrodieren, es würde mich nicht wundern, wenn sich hier in ein paar Jahren, wenn nicht gar in Kürze eine kleine Partei zwischen AfD und CDU/CSU positionieren würde. 10% könnte diese Konfiguration erreichen, genug um mit den Rechtsextremisten eine („demokratische“) Mehrheit zu erreichen. Hatten wir schon mal: Die Zentrumspartei tolerierte die Nazis und machte diese salonfähig.

Was folgte, ist hinreichend bekannt, die aktuellen Parallelen schwer zu übersehen. Aber bis dahin ist es noch ein Stückchen und es gibt auch in den neuen Bundesländern genug Demokarten und Menschen mit Herz & Hirn, die sich der braunen Flut (noch) in den Weg stellen. Diese gilt es jetzt zu ermutigen und zu unterstützen.

Was mich aktuell bei diesem ganzen Wahnsinn noch am Rande nervt: Die nehmen uns einfach unsere schöne Fahne weg! Auf der nächsten Anti-AfD-Demo wünsche ich mir daher ein Schwarz-Rot-Goldenes Meer. Wir brauchen wieder eine eiserne Front unter dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Hossa!

80 und kein bisschen leise

Es ist schon ein Kreuz mit dem Alter. Man sollte einfach vermeiden, alt zu werden, wobei jung zu sterben ja auch keine Lösung ist. Es gibt im Pop den berühmten Club 27. Damit bezeichnet man eine Gruppe von Ausnahmekünstlern, die bereits mit 27 Jahren von uns gegangen sind: Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse.

Wer nicht dazu zählt und jetzt schon 80 Lenze zählt, ist der ex Procol Harum-Gitarrist Robin Trower. Getreu seinem Motto, „Entweder macht man weiter – oder man gibt auf“ veröffentlicht er zwar keine Meilensteine mehr – kürzlich erst erschien eine 50th Anniversary Edition von „Robin Trower Live!“, in schöner Regelmäßigkeit aber Alben im Spannungsfeld von Blues, Soul, Funk und klassischem Rock, wobei die Blues- und Rock-Komponenten stets dominieren.

„Shine“ (Bertus) macht hier keine Ausnahme, ist ein durch und durch gelungenes Beispiel für die Güte und Qualität seines Protagonisten. Mir gefällt daran vor allem die so schön gealterte, patinierte Stimme von Sänger Richard Watts, die bei „Truth“ auf die britische Sängerin Jess Hayes trifft. Trowers hat natürlich wieder ein paar ausgesuchte Gitarrenriffs in Petto, den Bass hat er auf dieser Platte auch selbst eingespielt. Keine Revolution, dafür bestes Blues-Rock-Handwerk eines Fleißigen und weiterhin Kreativen.

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Der Schrat mal live

Mangelnde Kreativität kann man William „Will“ Oldham aka Palace Brothers aka Palace Music aka Palace aka Bonnie ‘Prince’ Billy nicht vorwerfen, das sieht man schon an den diversen Namen, unter denen der 56-Jährige agiert. Der umtriebige „Prince“ hat jetzt nach gut 30 (!) Studio-Alben mit „Ghosts of American Psychonauts“ (Domino) sein fünftes Live-Album vorgelegt.

Der schrullige Bartträger mit dem lichten Haar präsentiert darauf recht zurückgenommene Versionen, seiner eh meist nicht überbordenden Lieder. Drei Stücke dieses Albums tauchen hier in neu arrangierten Fassungen auf, dazu kommen Songs aus Oldhams weitverzweigtem Repertoire. Mit dabei sind seine Tourpartner Thomas Deakin an Klarinette und heruntergestimmter E-Gitarre sowie Jacob Duncan an Flöte und Saxophon. Dazu gesellen sich unter anderem Emmett Kelly, Ryder McNair und London May am Schlagzeug, einst Mitglied der Punkband Samhain.

Wird`s dann noch ein wenig üppiger, ist der Kollege Nick Cave ganz nah. Ob minimalistischer Folk Noir oder fast orchestrale Großtat, man hört dem Prinzen stets gerne zu, weil man ihn – ohne ihn zu kennen – einfach sympathisch findet. Dabei kann der Mann wohl eine ganz schöne Diva sein, wie mir kürzlich sein einstiger Tourmanager berichtete. Hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Die Platte gefällt mir trotzdem ohne Einschränkungen und mit Diven hatte ich auch schon genug zu tun.

Flotte Weisen aus dem Salzburger Land

Lassen wir Diven Diven sein, aber kennt jemand den fantastischen Film, „Das finstere Tal“ nach dem Buch von Thomas Willmann? Unbedingt ansehen, diese dunkle Mischung aus Heimatfilm und Western ist ungemein spannend wie faszinierend, wurde zu Recht mit dem Bayrischen und Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Dass dabei auch Musik der Salzburger Kapelle Steaming Satellites zum Einsatz gekommen ist, kann man sich, hört man deren aktuelles Werk, „The Great Lime Paradigm“ (Broken Silence) überhaupt nicht vorstellen. Diese Lieder sind nämlich alles andere als dunkel, dystrophisch oder melancholisch. Ganz im Gegenteil springen dich Songs wie „Funky Fresh“ – der Titel sagt es ja schon – förmlich an und laden zu einem flotten Tänzchen zwischen Brit-Pop, Alternative-Rock und Punk-Funk ein.

Ein wenig erinnert mich dieser Sound an Portugal. The Man, mit denen sie auch schon auf Tour waren, aber auch an Tame Impala, MGMT und bei „Ain’t That Bad“ könnte man gar noch eine Reihe Yacht-Pop-Bands dazu addieren. All in all ein kurzweiliges, dennoch nicht seichtes Hörvergnügen mit Ohrwurm-Charakter.

Down Under wünscht gute Unterhaltung

Von ähnlicher Provenienz sind die Australier namens Vacations. Kannte ich bis dato überhaupt nicht, dabei wurden 3,5 Milliarden Streams gezählt! Naja, als notorischer Social Media Verweigerer, dafür eifriger, nostalgischer Plattenhörer und Bücherwurm bekommt man inzwischen vieles einfach nicht mehr mit.

„Pursuit of Anything“ (Nettwerk) ist bereits das vierte Album und vielleicht höre ich mir die anderen auch mal an, denn der relaxte, unaufgeregte Yacht- und Indie-Pop mit schimmernden Gitarren, weichen Synthesizern und einem Hauch Lo-Fi hat seine Momente. Auf Albumlänge hätte es ein wenig mehr Spannung vertragen können, schließlich wird ja das Erwachsenwerden verhandelt und da sollte doch so einiges passiert sein.

Der Jingle-Jangle-Pop von „Ready Or Not“ erinnert gar an kompetentere Vorbilder wie die Go-Betweens, die Verträumtheit von Prefab Sprout ist auch wahrnehmbar, Mac DeMarco, Men I Trust und Real Estate würde ich mal als aktuellere Vergleiche nennen wollen. Sagen wir mal so: Ist okay, ein wenig mehr Pfeffer im Arsch, mal eine Kante nicht glattbügeln und wir werden dicke Freunde.

Handarbeiter aus Texas

Gleich ins Herz kann ich den texanischen Troubadour Wade Bowen schließen. Der macht laut Waschzettel der Plattenfirma auf Red-Dirt-Musik. Wahrscheinlich geht es Euch genauso wie mir und Ihr wisst auch nicht, was dieser Begriff bedeutet.

Also Red-Dirt ist praktisch das Gleiche wie Texas-Country und das meint wiederum, man grenzt sich vom kommerziellen Nashville-Country ab und verbindet traditionelle Country-Music mit Folk, Bluegrass, Americana, Western Swing und Blues. Das macht Bowen recht ordentlich auf seinem vierten Album, „The Version of Me You Get“ (Thirty Tigers), und das hat er wohl schon immer so gemacht, denn 36 Nummer-1-Hits in den texanischen Radiocharts sprechen eine deutliche Sprache.

Der Begriff stammt übrigens aus Oklahoma und nimmt Bezug auf die rote Erde, aber auch auf Woody Guthrie, der dort sehr verehrt wird. Es war zudem der Soundtrack der Anti-Atomkraftbewegung die in den 70ern den Bau eines Kraftwerks in Rogers County verhinderten. Hut ab!

Düster-Trio aus Berlin

Ganz anders unterwegs sind Roomer, ein Trio aus Berlin, unterwegs. Es setzt sich aus sehr unterschiedlichen Charakteren zusammen: Ronja Schößler veröffentlicht Neo-Folk Platten auf dem Label Unguarded, Gitarrist Luka Aron wurde mit seinen Avant-Garde Kompositionen 2025 auf die Biennale in Venedig eingeladen und Schlagzeuger Ludwig Wandingers letztes Soloalbum erschien auf dem Elektronik-Label light years von Caterina Barbieri.

Wenn sie sich im Studio, zu Hause oder im Treppenhaus treffen, entstehen Songs zwischen Psychedelic, Shoegaze, Space- und Noise-Rock, immer experimentell und irgendwie spontan und halbfertig. Mich macht dieses nervöse, dunkle Grummeln, aber auch das sphärische Dahindröhnen auf „Staircase Made of Rope“ (Squarma Recordings) nicht so glücklich. Bei aktuellen 30 Grad und Sonnenschein ist es aber wahrscheinlich auch der falsche Soundtrack.