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Vater-Tochter-Duo Uthoff begeistert in der Stadthalle Neustadt

Neustadt/WN. Das Vater-Tochter-Gespann Toni Uthoff und Max Uthoff sorgte in der Stadthalle mit generationsübergreifendem Kabarett für beste Unterhaltung.

Vater-Tochter-Duo Uthoff begeistert in der Stadthalle Neustadt

Max und Toni sitzend auf Bühne 01.jpg

In der gut gefüllten Stadthalle in Neustadt/WN erlebten die Besucher mit dem Vater-Tochter-Gespann Toni und Max Uthoff einen erfrischend unterhaltsamen Kabarett-Abend voller Satire, Zynismus und generationsübergreifender Ansichten aus zwei verschiedenen Blickwinkeln.

Faszinierend war dieser Vater-Tochter-Schlagabtausch gerade deshalb, weil die beiden unübersehbar eine ähnliche Weltanschauung und politische Einstellung hatten, sich im Dialog jedoch Differenzen herauskristallisierten. Erst einmal begann alles wie gehabt: Max Uthoff betrat die Bühne und beleuchtete gewohnt sarkastisch das politische Zeitgeschehen.

Es dauerte nicht lange, bis laute Zwischenrufe aus dem Publikum auszumachen waren. Sie kamen von seiner Tochter Toni Uthoff, die sich unmittelbar danach auf den direkten Weg zur Bühne machte. Dort oben angekommen, stellte sie nicht nur den Sinn des herkömmlichen Kabaretts infrage, sondern konfrontierte ihren Vater auch mit nicht von der Hand zu weisenden Tatsachen. „Du machst seit über 20 Jahren politisches Kabarett und trotzdem wird Friedrich Merz Bundeskanzler“, hielt sie dem Papa vor. Und so standen sie sich nun gegenüber wie zwei Kontrahenten mit der Schlagdistanz von 40 Jahren Altersunterschied.

Provokante Themen und persönliche Einblicke

Auf der einen Seite Gen Z, vertreten durch ein TikTok-sozialisiertes Teeniegirl, das mit Algorithmen und Identitätspolitik aufwächst, auf der anderen Seite der Prototyp des privilegierten alten weißen Mannes, der unweigerlich in seiner eigenen Blase gefangen und mit einem festen Süddeutsche-Zeitung-Weltbild ausgestattet ist. Statt reiner Feindseligkeit entstanden dabei oft interessante Rededuelle, in denen die Tochter mit schnellen Pointen und digitaler Lebensrealität die vermeintliche Interpretationsvormachtstellung des Vaters kritisch hinterfragte. Beide wollten den Besuchern nicht ihre Meinung aufzwingen, sondern für Denkanstöße und Selbstbesinnung sorgen.

Tabuthemen wie Pornografie und Sexualität fanden in ihrem Programm genauso Platz wie die Rolle des Mannes in der Evolutionsgeschichte als permanenter „Frauenunterdrücker“. Mit scharfem Witz, viel Charme und perfektem Zusammenspiel der unterschiedlichen Protagonisten entstand eine Dynamik zwischen Vater und Tochter, die diesem Abend eine ganz besondere Atmosphäre verlieh. Nachdenklich und ruhig wurde es, als Toni von ihren Depressionen als 13-jähriges Mädchen berichtete und klare, kritische Worte zum bestehenden Schulsystem in Deutschland fand, das sie so belastend wahrgenommen hatte, dass sie in der achten Klasse die Schule vorzeitig abbrach.

Ein absolutes Highlight waren zweifelsohne die parallel vorgetragenen Solobeiträge, die immer lauter wurden und bis zur Ekstase ausarteten. Das Publikum war sich nach dem Auftritt einig: Die Kabarett-Mixtur ist genial und der Programmtitel „Einer zu viel“ nicht zutreffend.

Grammer Solar
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Werdegang von Max Uthoff

Der gebürtige Münchner Max Uthoff kam bereits früh mit der Welt der Kleinkunst in Kontakt. Sein Vater Reiner Uthoff gründete 1965 das Münchner Rationaltheater und leitete dieses 30 Jahre lang gemeinsam mit seiner Frau Sylvia, bevor es schließlich zehn Jahre lang ruhte. Dort sammelte Max Uthoff erste Erfahrungen auf und hinter der Bühne. Er studierte Rechtswissenschaften und absolvierte 2002 das zweite Staatsexamen.

Ab 2006 nahm Max Uthoff den Betrieb des Rationaltheaters wieder auf, gab die Leitung im Juli 2008 jedoch ab, da seine zahlreichen Auftritte an anderen Spielstätten für einen regelmäßigen Theaterbetrieb immer weniger Zeit ließen. Seit 2007 tritt er als Solokünstler auf und versucht seitdem, das kapitalistische System mit den Mitteln der Satire aus den Angeln zu heben.

Sein erstes Kabarettprogramm trug den Titel „Sie befinden sich hier“. Es folgten „Oben bleiben“, „Gegendarstellung“, „Moskauer Hunde“, „Alles im Wunderland“ und das brandneue „uns.ich.er.“ – fünf weitere Soloprogramme. Von 2011 bis 2013 war er als „Anstaltsanwalt“ regelmäßiger Gast der ZDF-Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“. 2013 erhielt Uthoff den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter“. Seit Februar 2014 präsentiert er als Gastgeber gemeinsam mit Claus von Wagner, ab 2024 auch mit Maike Kühl, die 2015 mit dem Grimme-Preis und 2016 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete, sehr erfolgreiche ZDF-Politsendung „Die Anstalt“. 2019 wurde ihm der Deutsche Kabarettpreis zuteil.

Uthoff verbindet seine Kapitalismuskritik mit der Klimakrise und fordert eine weltweite Revolution im Sinne des Klimaschutzes. Uthoff lebt in München, ist verheiratet und Vater von zwei Mädchen. Mit seiner großen Tochter Toni steht er als Gen X und Gen Z seit Februar 2025 auf einer Bühne: „Einer zu viel“ heißt das erste gemeinsame Kabarett-Programm.

Interview mit Max und Toni Uthoff

Foto: Peter Gattaut
Peter Gattaut hat mit seiner Begleitung Ingrid Käsbauer vor Ort mit Vater und Tochter ein Interview durchgeführt. Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut

Die ZDF-Politserie „Die Anstalt“ läuft bereits seit zwölf Jahren und erfreut sich nach wie vor hoher Einschaltquoten. Was glauben Sie, ist dafür das Erfolgsrezept?

Max Uthoff: Wir kümmern uns immer nur um ein Thema und haben so die Möglichkeit, tiefer in die Thematik einzutauchen und sie von mehreren Seiten zu beleuchten. Wir wollen die Zuschauer jedes Mal aufs Neue überraschen, und unsere Gäste unterstützen uns wunderbar dabei.

Politik spielt in Ihrem Leben, natürlich auch beruflich bedingt, eine große Rolle. Welche anderen Themen genießen bei Ihnen aber noch einen viel höheren Stellenwert?

Max Uthoff: Die Familie ist und bleibt natürlich immer das Wichtigste in meinem Leben. Insofern ist es ein wunderbares Privileg, dass Toni und ich jetzt noch einmal intensiv Zeit miteinander verbringen können. Toni hat mich gerade in die Netflix-Serie Rick and Morty eingeführt, ziemlich abgefahrenes Zeug. Politik trifft mich natürlich in allen Lebensbereichen. Wenn ich wirklich mal Urlaub habe, ist es der größte Luxus, mich von aktuellen politischen Geschehnissen durch Abschalten vom Handy oder Fernhalten von Radio und Fernsehen informativ einschränken zu können.

Liebe Toni, ist es immer problemlos, so viel Zeit gemeinsam mit dem Vater zu verbringen? Knirscht es auch mal so richtig im Gebälk? Wer kam eigentlich auf die Idee, zusammen Kabarett zu machen, dein Vater oder du?

Toni Uthoff: Es ist problemloser, als es sich viele Leute vorstellen können. Wir sind ein gutes Team und es ist echt schön und selten anstrengend. Wir reden natürlich oft über neue Ideen für unser Programm. Wenn ich Ruhe brauche, gibt es für Papa ein klares Zeichen.

Max Uthoff: Ja, das stimmt (lacht). Wenn sie den Kopfhörer aufsetzt, hat der Papa die „Pappen“ zu halten. Um die zweite Frage zu beantworten: Diese Frage ist bis heute eigentlich gar nicht geklärt. Toni sagt: Ich war es; ich sage: Toni war es; aber wahrscheinlich war es meine Frau, und wir haben es beide gar nicht mitbekommen.

Weg mit den Gedanken an Perfektion. Schon der Gedanke daran ist eine Farce.

Toni Uthoff

Welche Eigenschaften von euch würdet ihr als Stärken und welche als Schwächen beschreiben?

Toni und Max Uthoff: Wir sind beide sehr zynisch, das ist gleichzeitig unsere Stärke, aber auch unsere gemeinsame Schwäche. Vielleicht gibt es bei uns beiden auch noch etwas Empathie.

Max Uthoff: Ich bewundere die Souveränität und Coolness meiner Tochter auf der Bühne.

Toni Uthoff: Ich finde es klasse, dass mein Vater für alles Neue von meiner Seite ein offenes Ohr hat und nicht von oben herab versucht, mit mir zu interagieren.

Euch verbindet unter anderem auch der gleiche Musikgeschmack. Welche Musik hört man im Hause Uthoff oder auf welche Konzerte geht ihr gemeinsam?

Toni und Max Uthoff: Eine gute Frage, denn wir haben tatsächlich einen sehr ähnlichen Musikgeschmack.

Toni Uthoff: Wir hören alles querbeet, aber damals erwischte ich meinen Vater auch oft dabei, dass er Lieder kannte, die ich eigentlich mehr 13-jährigen depressiven Teenager-Mädchen zuordnen würde, wie ich es zu der Zeit eben auch war. Wenn ich ihm einen neuen Song vorspielte, war er oft schon auf seiner Playlist vertreten. Zu unseren besten gemeinsam besuchten Konzerten gehörten die Auftritte der „Gorillaz“, „The Cure“, „Jungle“ und der „Foals“.

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