Zeitreise durch jüdische Geschichte in Sulzbach-Rosenberg
Zeitreise durch jüdische Geschichte in Sulzbach-Rosenberg

Eigentlich widmen sich die Aktionswochen gegen Antisemitismus in Sulzbach-Rosenberg der Auseinandersetzung mit den aktuellen Erscheinungsformen des Judenhasses. Doch auch dieses Mal ist das jüdische Leben in der Vergangenheit Teil des Programms. „Sulzbach-Rosenberg hat eine reichhaltige jüdische Geschichte und die Stadt ist bis heute davon geprägt. Das wollen wir sichtbar machen“, erklärt Stefan Dietl, einer der Organisatoren der Aktionswochen.
Jüdische Geschichte in der ehemaligen Synagoge im Fokus
Den Auftakt für die Reise in die Vergangenheit machte nun Stadtheimatpfleger Markus Lommer in der ehemaligen Synagoge. „Die Synagoge ist ein ‚Denk-Mal‘ im wahrsten Sinne des Wortes und zeigt die einst tiefe Verankerung des Judentums in der Stadtgesellschaft“, erklärt Lommer.
Toleranz unter Pfalzgraf Christian förderte jüdisches Leben
Bereits bevor 1687 die erste Synagoge in Sulzbach errichtet wurde, siedelten sich die ersten Juden in der Stadt an. Der liberale Pfalzgraf Christian, der ab 1645 mehr als 60 Jahre regierte, hatte sich der Toleranz verschrieben und sorgte für Gleichberechtigung zwischen Christen und Juden. Dadurch kamen jüdische Familien nach Sulzbach, die andernorts verfolgt wurden, und schon bald blühte die jüdische Gemeinde und war aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken.
1667 erlaubte der Pfalzgraf die Schaffung eines jüdischen Friedhofs am südöstlichen Stadtrand. Neben einer Synagoge und dem jüdischen Friedhof gab es eine jüdische Schule und im 19. Jahrhundert sogar zeitweilig ein jüdisches Krankenhaus in Sulzbach. Am 31. August 1824 wurde der heutige Synagogenbau eingeweiht.
Sulzbach-Rosenberg als Zentrum jüdischen Druckwesens
Weit über die Grenzen Bayerns hinaus wurde Sulzbach-Rosenberg vor allem für sein jüdisches Druckwesen bekannt. Mit Unterstützung der Obrigkeit führte Isaak Kohen Jüdels aus Prag 1669 das Druckerhandwerk in der Stadt ein. 1684 eröffnete schließlich Moses Bloch seine Druckerei, die über Generationen hinweg bis 1851 in Familienbesitz blieb. Hunderte hebräische Werke, darunter drei Talmudausgaben, jüdische Gebetbücher in den unterschiedlichsten Fassungen, Pentateuch-Drucke, religionsgesetzliche Texte, jüdisch-deutsche Frauenlektüre, religiöse Erbauungsbücher, Propheten- und Heiligenlegenden entstanden in Sulzbach und fanden Verbreitung von Polen bis ins Elsass.
„Ein Blick zurück zeigt die beeindruckende Toleranzkultur in der Stadt, die Vielfältigkeit jüdischen Lebens in Sulzbach und wie ein zwar nicht immer reibungsloses, aber doch weitgehend friedliches und von Respekt geprägtes Zusammenleben funktionieren kann“, so Markus Lommer.
Niedergang der jüdischen Gemeinde im 20. Jahrhundert
Die gesellschaftlichen Umwälzungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts bereiteten dem jüdischen Leben in Sulzbach-Rosenberg schließlich schrittweise ein Ende. Die anhaltende Landflucht führte zum Wegzug der meisten jüdischen Familien.
Ab den 1920er-Jahren konnten wegen zu geringer Teilnehmerzahl keine regulären Gottesdienste mehr in der Synagoge stattfinden. Die jüdische Elementarschule musste 1922 aufgrund des Schülermangels schließen.
Letzte Spuren bis 1936
In den 1930er-Jahren befand sich die Jüdische Gemeinde bereits in Auflösung und wurde ab 1931 vom Rabbinat Regensburg betreut. Bei der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 wurden noch acht jüdische Einwohner gezählt. Von ihnen emigrierten in den folgenden Jahren fünf in die USA, eine Frau verstarb und zwei verzogen an andere deutsche Orte. Bereits im Oktober 1936 gab es keine jüdischen Menschen mehr in Sulzbach-Rosenberg.
Aktionswochen setzen Zeichen gegen Antisemitismus
„Jüdisches Leben ist aber nicht einfach Vergangenheit. Heute leben wieder Jüdinnen und Juden in Sulzbach-Rosenberg und mit den Aktionswochen wollen wir nicht nur die Geschichte wachhalten, sondern vor allem auch deutlich machen, dass Antisemitismus in Sulzbach-Rosenberg keinen Platz hat“, so Stefan Dietl.
Führung über den jüdischen Friedhof am 18. Oktober
Am Wochenende begeben sich die Aktionswochen dann noch einmal auf Zeitreise. Am 18. Oktober führt Johannes Hartmann Interessierte über den jüdischen Friedhof.
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