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Kritik an KNO-Reform: Keine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgungsstruktur

Tirschenreuth/Weiden. Die Neuordnung der Kliniken Nordoberpfalz (KNO) ist weit mehr als eine Frage von Strukturen, Standorten und Finanzen. Es geht um die medizinische Versorgung der Menschen in der Region – und um Entscheidungen, deren Folgen Patienten und Beschäftigte unmittelbar zu spüren bekommen. Dr. Hans-Jürgen Jokiel aus Tirschenreuth fragt in seinem Gastbeitrag kritisch nach und befürchtet, dass mit der Reform keine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgungsstruktur verbunden ist.

Kritik an KNO-Reform: Keine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgungsstruktur

Vor zweieinhalb Jahren übergaben Dr. Hans-Jürgen Jokiel (Mitte), Dr. Bertram Völkl (links) und Klaus Gehring von der Initiative „Klinik Retten“ 8000 Unterschriften für den Erhalt der Notaufnahme am Krankenhaus Tirschenreuth an Landrat Roland Grillmeier. Foto: Archiv Udo Fürst

Gastbeitrag von Dr. Hans-Jürgen Jokiel, Tirschenreuth, zum Thema KNO-Strukturrefom:

„Wie lange noch, KNO-AG, willst Du unsere Geduld missbrauchen?“ – Mit diesem abgewandelten Zitat von Cicero möchte ich meine Gedanken zu den brandneuen Strukturreformplänen der KNO-AG beginnen.

Derzeit überschlagen sich in der regionalen Presse und in den sozialen Medien die
frohlockenden Meldungen: die KNO-AG hat offensichtlich die ultimative Patentlösung für die optimale Gesundheitsversorgung in ihrem Wirkungsbereich gefunden. In zahlreichen Stellungnahmen, Posts und Videoclips preisen verantwortliche Politiker und Ärzte dieses neue Konzept an. Gegründet 2006 als Zusammenschluss der Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WEN sowie der kreisfreien Stadt Weiden hatte die KNO-AG das hehre Ziel, ein „Garant für eine optimale Versorgung der Patienten in der nördlichen Oberpfalz – sei es
ambulant oder in der stationären Grund-, Regel- und Schwerpunktversorgung“
zu sein.

Millionengrab Krankenhaus Tirschenreuth

Eine Strukturreform folgte auf die andere in den vergangenen 20 Jahren mit exorbitanten
Ausgaben für externe Gutachten, Vorstands- und Aufsichtsrats-Gehälter sowie zum
Ausgleich riesiger Defizite. De facto blieben von ursprünglich acht Kliniken 2006 am Ende zwei Kliniken übrig – Weiden und Kemnath, zuletzt nach der Schließung des Krankenhauses Tirschenreuth zum 1. April 2024. Tirschenreuth ist folglich seither nicht mehr im Krankenhausbedarfsplan Bayern als Krankenhaus gelistet. Fünf Jahre zuvor war das Haus mit rund 30 Millionen Euro – davon 23,5 Millionen Fördermittel aus Steuergeldern – umfassend saniert worden. Ein weiteres Millionengrab. Wenn eine Kliniklandschaft derart reduziert wird, fällt es extrem schwer zu glauben, dass die medizinische Versorgung insgesamt verbessert wurde.

Das Klinikum Weiden wurde als Schwerpunktkrankenhaus sehr gut ausgebaut, dagegen aber die stationäre Akut- und vollwertige Notfallversorgung in der Fläche sukzessive
abgebaut. Die KNO-AG als ‚K.O.-AG‘ für die akutmedizinische Grundversorgung, und die Politik macht schönfärberisch mit. Das Krankenhaus Kemnath hat durch Spezialisierung zum zertifizierten Endoprothetik-Zentrum als Haus der Grundversorgung bisher überlebt und genießt überregional einen exzellenten Ruf.

Um diese Krankenhäuser geht es: Kemnath… Foto: KNO
… Tirschenreuth. Foto: KNO
Am Aus der Notaufnahme am Krankernhaus Tirschenreuth entzündete sich der Streit. Foto: Archiv Udo Fürst

„Rolle-rückwärts“-Umstrukturierung

Und nun kommt scheinbar aus dem Nichts ein neues, dieses Mal wohl ultimatives Konzept der KNO-AG für eine ‚Rolle-rückwärts‘-Umstrukturierung. Wie bisher üblich im stillen Kämmerlein ausgeheckt und bereits beschlossen, die Betroffenen häppchenweise und erst spät oder im Nachhinein informiert, konzeptionell wohl nicht genau durchdacht und eine schallende Ohrfeige für die etablierten orthopädischen Operateure und das Fachpersonal in Kemnath. Ein zertifiziertes Endoprothetik-Zentrum lässt sich nicht einfach so auf einen anderen Standort „transplantieren“; eine Zertifizierung muss erarbeitet werden und dauert
Jahre. Machen alle Operateure mit, und zwar im gleichen Umfang?

Grammer Solar
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Kemnath operiert pro Jahr circa 600 Prothesen (davon circa 400 durch Dr. Kampe) – wird diese Zahl auch in Tirschenreuth erreicht? Besteht die Möglichkeit einer Mitbetreuung von Risikopatienten durch Internisten? Gibt es eine Überwachungsstation wie IMC oder ITS? Wie sieht das Konzept voraussichtlich in fünf Jahren aus? Und wurde die Alternative geprüft und durchgerechnet, Kemnath zum Fachkrankenhaus für Orthopädie und Tirschenreuth zum Fachkrankenhaus für Innere Medizin zu machen? Auch wenn eine Reaktivierung von Tirschenreuth grundsätzlich zu begrüßen ist: Nach diesem Modell hätten wir dann im Bereich der KNO-AG ein exzentrisch gelegenes Klinikum der Schwerpunktversorgung und in den Flächenlandkreisen zwei eindimensionale Fachkrankenhäuser mit sehr eingeschränkter Grund- und Notfallversorgung. Des Weiteren sind essenzielle Punkte wie Notarztdienst und Rettungswesen, Katastrophenschutz und auch die heute immer wieder angeführte „Kriegstüchtigkeit“ im Gesamtkonzept wohl nicht berücksichtigt.

„Medizinische Nichtschwimmer“

Somit kann ich beim besten Willen in diesem Konzept keine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgungsstruktur erkennen – vor allem, was die essenziell notwendige
stationäre Akutversorgung anbelangt. Im Gegenteil, das ist eher eine weitere Verschlechterung.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die verantwortlichen Entscheidungsträger nach
jahrelangen teuren und ineffektiven Fehlentscheidungen und auch eklatanten Versäumnissen jetzt als medizinische ‚Nichtschwimmer‘ hektisch bewegen, um
nicht im Sumpf medizinischer Inkompetenz zu versinken.“