Auch in Weiden Trauer um André Santini: Bürgermeister von Issy-les-Moulineaux ist tot
Auch in Weiden Trauer um André Santini: Bürgermeister von Issy-les-Moulineaux ist tot
Erst im März 2026 war Santini trotz angeschlagener Gesundheit erneut in sein Amt gewählt worden. Erstmals musste er dabei in die Stichwahl. Sein Gesundheitszustand erlaubte schon damals keinen Wahlkampf. Denkbar knapp setzte sich der 85-Jährige am Ende mit 47,9 Prozent durch.
Santini hat die wohlhabende französische Stadt Issy-les-Moulineaux im Südwesten von Paris über Jahrzehnte geprägt. In seiner Heimat nannte man ihn den „Unverrückbaren“. „Le Parisien“ schreibt zu seinem Tod: „Trotz seines Rufs als frauenfeindlicher, despotischer, jähzorniger und arroganter Mann veränderte André Santini das Gesicht dieser Stadt grundlegend.“ Die Zeitung nennt ihn einen „Baumeister und Visionär“.
Mit Weiden in der Oberpfalz war Santini eng verbunden und hat die Stadt häufig besucht. Die Städtepartnerschaft besteht seit 72 Jahren. Der frühere Bürgermeister und Oberbürgermeister Jens Meyer hat den Amtskollegen in vielen Begegnungen persönlich erlebt. „Er hat diese Partnerschaft gelebt“, würdigt Meyer. „Mit Herzlichkeit, Humor, Offenheit und großem persönlichen Einsatz hat er dazu beigetragen, dass aus einer formellen Verbindung eine echte Freundschaft zwischen vielen Menschen wurde.“ Santini habe den europäischen Gedanken mit Leben erfüllt.
Sohn einer korsischen Familie
Der französische Politiker wurde 1940 als Sohn einer einfachen Familie korsischer Herkunft in Paris geboren. Er studierte Rechtswissenschaften, Politik und Japanisch. 1980 übernahm er als damaliger Stellvertreter nach dem Tod des Bürgermeisters die Amtsgeschäfte von „Issy“.
Seither hat er den Pariser Vorort über den Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert in die Moderne geführt. Issy-les-Moulineaux ist zum Zentrum für technologische und digitale Unternehmen im Großraum Paris geworden. In den einstigen Industriebrachen an der Seine haben sich Microsoft, Orange und Cisco Systems niedergelassen.
Der „Abgeordnete mit dem größten Humor“
Zugleich war Santini viele Jahre Abgeordneter für den 10. Wahlkreis Haut-de-Seine. Als legendär galten seine Wortspiele – aber auch seine Wutausbrüche – in der Nationalversammlung. Von der parlamentarischen Presse wurde er mehrmals zum „Abgeordneten mit dem größten Humor“ gewählt. Unter Jacques Chirac war er sogar Minister, später Staatssekretär.
Legendär ist zudem seine Schwäche für Zigarren, für die der eingefleischte Junggeselle nach eigener Auskunft bis zu 1000 Euro im Monat ausgegeben haben soll. Auch juristisch ist er kein unbeschriebenes Blatt: Santini wurde mehrmals wegen Beleidigung politischer Gegner verurteilt. Zuletzt liefen Ermittlungsverfahren nach Strafanzeigen wegen sexistischer Beleidigung, die noch nicht abgeschlossen waren.




