Der Franz, der niemals leise ist: Mitterteichs treuester Eishockeyfan wurde 80 Jahre jung
Der Franz, der niemals leise ist: Mitterteichs treuester Eishockeyfan wurde 80 Jahre jung

Es gibt Menschen, die gehören einfach dazu. Beim EHC Stiftland Mitterteich ist Francesco Rafaniello so einer. Wenn die Mannschaft in der Eissporthalle um Punkte kämpft, sitzt oder steht der Franz oder „Cico“, wie er auch genannt wird, nicht einfach nur auf der Tribüne. Er macht Stimmung, trommelt, feuert an und gibt den „Dragons“ Rückhalt. Für Cico ist Eishockey mehr als ein Spiel. Es ist Leidenschaft, Gemeinschaft und ein Stück Heimat.
Die Heimat liegt 1300 Kilometer entfernt
Dabei liegt seine erste Heimat rund 1300 Kilometer entfernt. Rafaniello wurde am 25. Oktober 1946 in Sessa Aurunca in der italienischen Provinz Caserta geboren. 1965 kam er nach Deutschland – damals als einer der ersten italienischen Gastarbeiter mit Arbeitsvertrag. In Mitterteich fand er Arbeit und allmählich ein neues Zuhause. Heute lebt er seit mehr als 60 Jahren in der Stadt. Längst ist aus dem Italiener, der einst ohne Deutschkenntnisse ankam, ein echter Mitterteicher geworden.
„Die kleinen Hankerler“ sind ihm ans Herz gewachsen
Seine zweite große Bühne ist das Kinderhaus „Die kleinen Hankerler“. Seit 41 Jahren ist Francesco Rafaniello dort Hausmeister. Und auch wenn sein offizieller Beruf hauptsächlich dafür sorgt, dass im Haus alles seinen Platz hat und funktioniert, ist seine Rolle längst eine andere geworden: Für die Kinder ist er einfach der Franz. Er liebt den Umgang mit den Mädchen und Buben. Wenn sie ihn sehen, ist die Freude groß – und umgekehrt. Im Kinderhaus ist er tief verwurzelt, seine Wohnung befindet sich ebenfalls dort. Die Einrichtung ist für ihn nicht nur Arbeitsplatz, sondern ein vertrautes Umfeld, in dem Generationen von Kindern aufgewachsen sind. Dass er sich auch mit 80 Jahren weiterhin um das Haus kümmern möchte, sagt viel über ihn aus.
Seinen Geburtstag feierte Rafaniello im Oktober. Die Glückwünsche kamen nicht nur von Familie und Freunden, sondern auch von den Kindern und dem Team des Kinderhauses. Bürgermeister Stefan Grillmeier gratulierte ebenfalls. Für den Jubilar war das eine besondere Anerkennung – von Menschen, mit denen er seit vielen Jahren verbunden ist.
Auf der Tribüne kennt der Franz keine Pause
Doch wer Francesco Rafaniello kennt, weiß: Der Franz hat noch eine weitere Leidenschaft. Eishockey. Bei den Heimspielen des EHC Mitterteich-Stiftland ist er seit vielen Jahren Trommler und Einpeitscher. Wenn die Mannschaft Unterstützung braucht, legt er los. Seine Stimme und die Trommel gehören zur Atmosphäre in der Halle – und sein Platz im Kreis der Fans ist längst fest besetzt.
Auch am Sonntag standen die Dragons im Mittelpunkt. Während der Drittelpause der Partie gegen Waldkirchen ehrten EHC-Vorsitzender Jochen Firneis und Leonie Günthner den treuen Edelfan mit einem besonderen Geschenk: ein Basecap mit den Unterschriften aller Spieler. Eine Geste, die zeigt, wie sehr Rafaniello geschätzt wird. Denn seine Verbundenheit lässt sich nicht an einer Saison oder einer Tabellenplatzierung messen. Er ist da – bei den Heimspielen, mit Herzblut und einer Begeisterung, die auch nach Jahrzehnten nicht leiser geworden ist.
Mitterteich ist längst Heimat
Nach dem Eishockey kommt bei ihm übrigens der Fußball. Heute schlägt sein Herz für den FC Bayern, früher war er auch Anhänger von Juventus Turin. Daneben gehören Malen und Gartenarbeit zu seinen Hobbys. Doch wenn man den Franz in Mitterteich sucht, findet man ihn wahrscheinlich dort, wo Menschen zusammenkommen: im Kinderhaus oder in der Eissporthalle.
Die Frage, ob er irgendwann wieder nach Italien zurückkehren möchte, beantwortet Rafaniello klar: „Nein. Meine Heimat ist Mitterteich geworden.“ Natürlich bleibt Italien ein Teil seiner Geschichte – seine Familie, seine Herkunft, die Erinnerungen. Doch sein Leben hat sich längst hier entfaltet. Vielleicht ist es genau das, was den Franz ausmacht: Er ist angekommen, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Er hat sich in Mitterteich nicht nur ein Zuhause aufgebaut, sondern ist selbst zu einem Stück Stadtleben geworden. Als Hausmeister, als vertrautes Gesicht im Kinderhaus und als lautstarker Fan, der den EHC Stiftland auch dann anfeuert, wenn es auf dem Eis einmal schwierig wird.
Mehr als ein Fan – Franz ist eine Institution
Sein größter Wunsch zum 80. Geburtstag? Gesundheit. Mehr brauche er nicht, sagt er. Und solange es ihm gut geht, will er weiter für „seine“ Kinder da sein – und natürlich für die „Dragons“. Denn in Mitterteich ist der Franz längst mehr als ein Fan. Er ist eine Institution. Das schönste Geburtstagsgeschenk machten ihm seine Dragons am Sonntag allerdings nicht: Sie verloren gegen Waldkirchen mit 2:6. Doch Franz bleibt optimistisch: „Dafür gewinnen wir das nächste Spiel wieder.“




