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Die Forstfamilie sagt Servus: Stefan Bösl feierlich verabschiedet

Vohenstrauß. Von seinem Wirken werden noch Generationen profitieren: Stefan Bösl hat den Waldumbau für den Klimawandel im Forstbetrieb Flossenbürg vorangetrieben. Sein Abschied: ihm würdig.

Vohenstrauß. Von seinem Wirken werden noch Generationen profitieren: Stefan Bösl hat den Waldumbau für den Klimawandel im Forstbetrieb Flossenbürg vorangetrieben. Sein Abschied: ihm würdig.
Zwei Stefans, der eine am Ende seiner beruflichen Karriere, der andere am Anfang: Forstbetriebsleiter Stefan Bösl nahm Abschied (mit Ehefrau Dagmar), Stefan Wimberger startet (mit Ehefrau Anna). Foto: Christine Ascherl

Die Forstfamilie sagt Servus: Stefan Bösl feierlich verabschiedet

Mit einer bewegenden Feier in der Stadthalle Vohenstrauß hat sich der Forstbetrieb Flossenbürg von seinem langjährigen Leiter Stefan Bösl verabschiedet. An seiner Seite: Ehefrau Dagmar Sewaldt-Bösl, Kinder und Enkel. Rund 150 Gäste würdigten das Wirken des Oberpfälzers. Stellvertretender Forstbetriebsleiter Ingo Greim beschrieb Bösl als Chef, der den Forstbetrieb „mit viel Sachverstand und großer Menschlichkeit“ geführt habe. Sein Nachfolger ist Stefan Wimberger, der mit 31 Jahren eine „Turbokarriere“ hinlegt.

Stefan Bösl zitierte zum Abschied Konfuzius: „Such dir eine Tätigkeit, die dir Freude macht, dann musst du ein Leben lang nicht arbeiten.“ Seine Berufswahl sei die Erfüllung eines Lebenstraums gewesen. Bösl trat als Förster in sechster Generation in die Fußstapfen der Vorfahren. Tochter Lucia führt die Tradition beim Bundesforst fort.

Klimawandel die große Herausforderung

Der Wald sei ein sinnstiftendes Aufgabenfeld, das es möglich macht, Spuren zu hinterlassen. „Was wären wir denn ohne unseren Wald? Was wäre der Reiz der Heimat?“, fragte Bösl. Der Wald sorge für Trinkwasser, frische Luft, Erholung, sei Lebensraum für Tiere. Für viele Menschen seien diese Leistungen so selbstverständlich, dass sie sich kaum Gedanken machen, wie diese in Zukunft gesichert werden können.

Der Klimawandel sei immer stärker spürbar. Bäume sind geschwächt und anfällig gegen Klimaextreme und Schädlinge. Eine Stilllegung der Wälder oder immer neue bürokratische Regelungen für Waldbesitzer seien dafür keine Lösung.

Pro Windkraft im Staatswald

Oberstes Ziel sei der Aufbau und Erhalt zukunftsfähiger Mischwälder aus mindestens vier Baumarten. „Wir als BaySF haben uns das auf die Fahnen geschrieben: Wir wollen den besten Wald Bayerns schaffen.“ Dabei plädierte er für eine „multifunktionale Forstwirtschaft“, die Nutzung und Schutz miteinander verbindet.

Auch wirtschaftliche Aspekte sprach Bösl offen an: Die Bayerischen Staatsforsten müssten ihre Aufgaben zunehmend aus eigenen Erträgen finanzieren. Neben dem Holzverkauf seien zusätzliche Einnahmequellen notwendig, auch aus erneuerbarer Energie: „Ich bitte alle Gegner eines Ausbaus der Windkraft im Staatswald, diesen Gesichtspunkt bei ihrer Kritik zu bedenken.“

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Nachnutzung des Fahrenbergs gelöst

In seinem Grußwort blickte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (Vohenstrauß) auf die Entwicklung der Forstwirtschaft zurück. Er kennt diese seit Kindesbeinen: Sein Vater war Leiter des Forstamtes Vohenstrauß. Die Gründung der Bayerischen Staatsforsten im Jahr 2005 habe sich als richtige Entscheidung erwiesen. Bösl habe in dieser Zeit den Forstbetrieb Flossenbürg mit seinen rund 16.500 Hektar Wald an der tschechischen Grenze maßgeblich gestaltet.

Bösls ruhige und besonnene Art sei oft der Türöffner gewesen, um schwierige Situationen zu lösen – etwa bei der Nachnutzung des Fahrenbergs nach dem Ende des Skibetriebs, die sich inzwischen als Erfolgsgeschichte erwiesen habe. „Deine Gesprächskultur war dein Markenzeichen.“

Waldumbau vorangetrieben

Der Vorstand der Bayerischen Staatsforsten, Martin Plochmann, zeichnete den beruflichen Weg Bösls nach. Geboren in Amberg, begann dieser zunächst eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr, bevor er in die Forstverwaltung wechselte. Stationen führten ihn unter anderem an die Forstämter Kelheim, Weiden, Tännesberg und Schnaittenbach. Mit der Forstreform 2005 übernahm er die Leitung des Forstbetriebs Flossenbürg.

Plochmann betonte die großen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte, insbesondere den Waldumbau im Zuge des Klimawandels. Bösl habe diesen Prozess aktiv gestaltet und vorangetrieben. „Du hinterlässt einen Wald, der deine Handschrift trägt und ein Team, das dich vermissen wird“, so der Vorstand.

Du hinterlässt einen Wald, der deine Handschrift trägt und ein Team, das dich vermissen wird.

Rudolf Plochmann, Vorstand Bayerische Staatsforsten

Stefan Wimberger: „Turbokarriere“

Mit Stefan Wimberger tritt nun ein vergleichsweise junger Nachfolger an. Der gebürtige Regensburger, ausgebildet an der TU München, blickt auf Stationen bei den Bayerischen Staatsforsten, im Vorstandsbüro sowie im Landwirtschaftsministerium zurück. Zuletzt war er stellvertretender Forstbetriebsleiter in Neureichenau und Büroleiter des Vorstandsvorsitzenden. Seine Karriere bezeichnete Plochmann als „Turbokarriere“.

Wimberger selbst betonte in seiner Vorstellung die Generationenverantwortung der Forstwirtschaft: „Forstwirtschaft ist eine Generationenaufgabe.“ Er hob die kollegiale und engagierte Übergabe hervor und zeigte sich motiviert, die Arbeit seines Vorgängers fortzuführen.

Eine Holzbank zum Abschied

Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger erinnerte daran, wie Bösl ihm persönlich die Herausforderungen des Waldumbaus nähergebracht habe – auch wenn dabei ein Paar Halbschuhe gelitten hätte. Nachhaltige Entwicklung entstehe nicht durch kurze Botschaften in sozialen Medien, sondern durch kontinuierliche und fundierte Arbeit.

Zum Abschluss überreichte Personalratsvorsitzender Michael Wolf mit Kollegen ein Abschiedsgeschenk: eine Holzbank für den Garten. Damit verbunden war der Wunsch, Bösl möge künftig die Zeit im Wald genießen: ohne Dienstpläne und Budgetvorgaben.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer überreicht Präsente an Stefan Bösl und Nachfolger Stefan Wimberger. Foto: Christine Ascherl
Abschied von Forstbetriebsleiter Stefan Bösl in der Stadthalle Vohenstrauß. Foto: Christine Ascherl
Die Verabschiedung wurde von Bläsern aus den Reihen der Bayerischen Staatsforsten hervorragend umrahmt. Foto: Christine Ascherl
Die Redner der Verabschiedung: (von links) Ingo Greim, Personalrat Michael Wolf, Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Stefan Bösl mit Ehefrau Dagmar, Stefan und Anna Wimberger, Staatsforsten-Vorstand Rudolf Plochmann, BJV-Vorsitzender MdL Alexander Flierl, MdL Stephan Oetzinger. Foto: Christine Ascherl
Personalratsvorsitzender Ingo Greim überreicht das Geschenk der Belegschaft. Foto: Christine Ascherl
Zwei Stefans, der eine am Ende seiner beruflichen Karriere, der andere am Anfang: Forstbetriebsleiter Stefan Bösl nahm Abschied (mit Ehefrau Dagmar), Stefan Wimberger startet (mit Ehefrau Anna). Foto: Christine Ascherl