Landwirtschaft früher und heute: kritische Betrachtung eines Flosser Austräglers
Landwirtschaft früher und heute: kritische Betrachtung eines Flosser Austräglers
„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Dieses Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes Faust lasse sich in der Landwirtschaft heute nicht mehr umsetzen, so Ernst Münchmeier. Zu sehr bestimmten Gesetze, Auflagen, Fristen und vor allem die Bürokratie das tägliche Geschehen. So sei der Landwirt längst zum „Befehlsempfänger und Buhmann“ der Nation geworden.
Deshalb greife die Frustration bei den Landwirten, vor allem bei jungen Bäuerinnen und Bauern, immer stärker um sich. Sie führe eher zum Abbau des landwirtschaftlichen Betriebes als zum Aufbau und Erhalt der Lebensexistenz. So sei das „Bauernsterben“ seit Jahren zu einer schleichenden Krankheit in der Landwirtschaft geworden. „Nur redet davon kaum jemand“, meinte er. Stattdessen würden die Bauern und Landwirts mit ihren Sorgen und Problemen allein gelassen. Der Redner stellte fest:
Die Berufsvertretungen hängen sich an das von der Politik gezogene Seil an, statt sich einmal zu wehren und gegen den Strom zu schwimmen.
Ernst Münchmeier
Früher seien sie noch als Ernährer des Volkes, als Pfleger der Natur anerkannt, heute bestimmten ausschließlich Reglementierungen seinen Tagesablauf. Früher habe der Pflanzenschutz seine Bedeutung gehabt, heute spreche man von „Pestiziden“. Während man früher die Maulwurfhaufen auf den Wiesen abschleppen und walzen können habe, müsse dies heute bis zum 15. März geschehen. Auch der Dünger für das Frühjahr müsse bereits im Herbst pro Parzelle genau angemeldet werden.
Dazu regele die neue Fruchtfolge, dass keine Intensivfrüchte, zum Beispiel Weizen und Kartoffeln, nacheinander angebaut werden dürften. „Das Mutterkorn im Roggen ist durch die Beize verschwunden“, kritisierte Ernst Münchmeier. Auch solle der Landwirt mindestens vier Prozent seiner Ackerfläche stilllegen. Eine „Zwangswirtschaft“, die unbegreiflich sei. Er fragte sich, wo das noch hinführen solle: „Die Reglementierung nimmt kein Ende – und das ist des Landwirts Tod.“


