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Spaziergang mit Landrat Thomas Ebeling in der Höllohe (3): Warum Politik Geduld braucht

Schwandorf/Höllohe. Zum Abschluss unseres Rundgangs wird es grundsätzlich. Was ist Bürokratie – Schutz vor Willkür oder lähmender Paragrafendschungel? Wie führt man 700 Mitarbeiter, ohne selbst zum Aktenzeichen zu werden? Und wie bleibt man geerdet, auch wenn man die Wiederwahl im ersten Wahlgang souverän gemeistert hat?

Spaziergang mit Landrat Thomas Ebeling in der Höllohe (3): Warum Politik Geduld braucht

Unterhaltsamer Spaziergang mit Landrat Thomas Ebeling durch den Wildpark Höllohe. Foto: Ann-Marie Zell

Beim letzten Stück durch die Höllohe spricht Thomas Ebeling über Macht, Maß und die Frage, warum Politik manchmal mehr mit Heavy Metal zu tun hat, als man denkt. Vor der Voliere der Schneeeule wird das Gespräch ruhiger. „Weisheit bei Tageslicht“, sagt der Landrat und lächelt.

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht Dramaturgie – jedenfalls landen wir hier bei der großen Systemfrage. Max Weber, rationale Herrschaftsform, Schutz vor der Willkür des Fürsten. Bürokratie als zivilisatorischer Fortschritt. Und gleichzeitig als Reizwort.

Zwischen Regel und Realität

„Bürokratie per se ist nichts Schlechtes“, sagt Ebeling. „Wir leben in einem Staat, in dem Regeln für alle gelten.“ Doch das Spannungsfeld ist offensichtlich: „Wenn ich selbst eine Genehmigung will, kann es nicht schnell genug gehen. Wenn mein Nachbar etwas macht, darf es nicht genau genug geprüft werden.“

Es ist ein Satz, der den Kern trifft. Verwaltung bewegt sich zwischen Beschleunigungswunsch und Kontrollbedürfnis. Und irgendwo dazwischen sitzt der Sachbearbeiter.

Die Telekom hat vergangenes Jahr im Landkreis Schwandorf zwei Mobilfunkstandorte neu in Betrieb genommen und einen mit zusätzlichen Frequenzbändern erweitert. Foto: Telekom

Mobilfunkmast und Glühweinstand

Das Beispiel Mobilfunkmast zeigt, wie kompliziert es werden kann. Ausgleichsflächen im Außenbereich, Punktesysteme, Fachgutachten. „Das verlängert Verfahren“, sagt Ebeling. „Und dann wundern wir uns, wenn der Handyempfang nicht besser wird.“

Noch anschaulicher wird es beim Glühweinstand der Feuerwehr. Gesetzlich gelten für die vorübergehende Gaststättenerlaubnis dieselben Voraussetzungen wie für ein dauerhaftes Wirtshaus.

OTH Amberg-Weiden
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Juristisch korrekt, aber nicht praxistauglich.

Landrat Thomas Ebeling

Man habe es im Vollzug pragmatisch gelöst – doch das Beispiel zeigt, wie schnell sich gut gemeinte Gleichbehandlung in Überregulierung verwandelt.

Zurück in der Oberpfalz: die Auerochsen. Kein Zoo exotischer Tiere, sondern viel besser, ein Besuch der heimischen Tierwelt. Foto: Wildpark Höllohe

700 Mitarbeiter und die Frage nach dem Stil

Das Landratsamt Schwandorf hat rund 700 Beschäftigte. Wie prägt man da eine Linie? „Der Spirit, den man vorlebt, greift“, sagt Ebeling. Digitalisierung beginne nicht mit einem Slogan, sondern am eigenen Schreibtisch. „Wenn ich elektronische Aktenführung fordere und selbst nur mit Papier arbeite, ist das unglaubwürdig.“

Er beschreibt sich nicht als Reformer im großen Stil, eher als jemand, der an Stellschrauben dreht. Investitionsfreundliches Klima entstehe nicht durch Reden, sondern durch Erreichbarkeit.

Ansprechbar sein, Termine ermöglichen, klare Aussagen treffen.

Landrat Thomas Ebeling
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Landrat Thomas Ebeling und die Leiterin des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald in Nabburg, Alexandra Beier, stellen das neu eingetroffene Prospektmaterial über den Schwandorfer Partnerlandkreis Görlitz vor. Foto: Manuel Lischka

Favoritenrolle und Bodenhaftung

Ebeling ging als haushoher Favorit ins Rennen. Die Wahl zur dritten Amtszeit gelang im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit. „Mit der Zeit wird man sattelfester“, sagt er. „Man hat vieles erlebt. Manchmal kommt ein Problem zum 15. Mal.“

Was für Außenstehende wie Selbstsicherheit wirkt, könne auch einfach Routine sein. „Wenn der Geduldsfaden nach zehn Stunden dünn wird, ist das menschlich. Aber Arroganz darf es nicht werden.“ Das ist vielleicht der schmalste Grat in der Kommunalpolitik: Nähe bewahren, obwohl man längst Institution ist.

Unterhaltsamer Spaziergang mit Landrat Thomas Ebeling durch den Wildpark Höllohe. Foto: Ann-Marie Zell

Fakten, Fiktionen und politische Versuchungen

Wir kommen noch einmal auf den Zustand der politischen Debatte zu sprechen. Auf inszenierte Wirklichkeiten, auf Zahlen, die durch Wiederholung plausibel wirken sollen. „Das macht mir Sorgen“, sagt Ebeling. „Wenn erst entschieden wird, ob man dafür oder dagegen ist – und dann sucht man sich die passenden Fakten.“

Er hat kein Patentrezept. Keine große rhetorische Geste. Nur die nüchterne Überzeugung, dass Politik vor Ort noch immer vom Gespräch lebt. Vielleicht ist das die leise Antwort auf eine laute Welt.

Schneeeule Hedwig lässt grüßen: Kein Zoo exotischer Tiere, sondern viel besser, ein Besuch der heimischen Tierwelt. Foto: Wildpark Höllohe

Heavy Metal als Politikstil

Am Ende, beim Blick über den See, stelle ich die unvermeidliche Frage: Wenn der Landkreis ein Musikstil wäre? Ebeling, Wacken-Fan, zögert nicht. „Heavy Metal. Kraftvoll. Mit guten Startvoraussetzungen. Und mit dem Potenzial, noch mehr draus zu machen.“

Ein Landkreis im Headbanging-Modus – das Bild ist schief, aber sympathisch. Vielleicht ist es auch nur ein Hinweis darauf, dass Politik nicht immer Kammermusik sein muss. „Wenn die Menschen es so wollen – sehr, sehr gerne.“

Das alkoholfreie Bier danach: Landrat Thomas Ebeling gefällt’s im Wildpark Höllohe. Foto: Jürgen Herda

Verwaltung, Führung und Wahl

Landratsamt Schwandorf

  • rund 700 Mitarbeiter
  • Doppelrolle: untere Staatsbehörde und kommunale Selbstverwaltung
  • zentrale Aufgaben: Schulen, Infrastruktur, Gesundheits- und Ordnungswesen.

Bürokratie im Spannungsfeld

  • Gleichbehandlung vs. Praxistauglichkeit
  • Beispiel Mobilfunkmast: komplexe Ausgleichsregelungen
  • Beispiel Glühweinstand: formale Gleichstellung mit Dauer-Gaststätte.

Politischer Kontext

  • Bei der Landratswahl im ersten Wahlgang bestätigt
  • Herausforderungen: demografischer Wandel, Energiepreise, Migration, Digitalisierung
  • Führungsanspruch: „ermöglichen statt verhindern“.