Lesung gegen das Vergessen: Erinnerung an Alexander Fried, die unter die Haut geht
Lesung gegen das Vergessen: Erinnerung an Alexander Fried, die unter die Haut geht
Dr. Dorothea Woiczechowski-Fried liest Texte ihres verstorbenen Mannes Alexander Fried, die eindringlich Frieds Erfahrungen als jüdischer Überlebender von drei Konzentrationslagern und einem Todesmarsch im Nationalsozialismus schildern – Erinnerungen, die nicht nur historisches Zeugnis sind, sondern auch zur Wachsamkeit gegenüber demokratiefeindlichen Einstellungen mahnen.
Die Lesung findet am Donnerstag, 26. März 2026, um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Eschenbach statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Eine Lebensgeschichte, die niemanden kalt lässt
Die Odyssee von Alexander Fried, genannt Schani, der die Qualen dreier Konzentrationslager, eines Todesmarsches und die Flucht aus der stalinistischen ČSSR überlebte und dennoch fast 100 Jahre alt wurde, ist eine Geschichte, die niemanden kalt lässt, der nicht jegliche Empathie verloren hat.
Seine Geschichte ist weit mehr als Vergangenheitsbewältigung. In einer Zeit, in der Antisemitismus wieder mit erschreckender Selbstverständlichkeit Teil der politischen Unkultur geworden ist, erinnert sie daran, wohin irrationaler Hass führen kann: in die Fänge menschenverachtender Unrechtsstaaten.
Und auch die Gegenwart drängt sich in diese Erinnerung. Nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Menschen verschleppt wurden, und den darauffolgenden Kriegen, die weiteres Leid über die Region brachten und bringen, ist es wichtiger denn je, innezuhalten und sich zu vergegenwärtigen: Noch niemals in der Geschichte hat eine Autokratie zu mehr Gerechtigkeit geführt als eine Demokratie – selbst mit all ihren Fehlern.
Ein Vermächtnis der Menschlichkeit
Alexander Fried überlebte, weil er den Hass nicht in sein Herz ließ. Dieser kleine, zerbrechliche Mann war ein menschlicher Riese – ein Kind frommer Ostjuden aus Korolevo in der heutigen Ukraine, das das grausame 20. Jahrhundert überdauerte, ohne zu verbittern. Bei mehr als 300 Vorträgen an deutschen Schulen betonte er:
Ihr seid nicht schuld an den Verbrechen eurer Vorfahren – aber ihr habt die Verantwortung, dass so etwas nie wieder geschieht.
Alexander Fried
„Wir wollen mit dir deinen 100. Geburtstag feiern“, habe ich ihn oft geneckt, wenn ihn der wiedererstarkte Antisemitismus deprimierte. Dann lächelte er – und für einen Moment schien es, als könne er tatsächlich unsterblich sein.
Liebe als letzter Halt
Eine schwere Bronchitis setzte diesem langen Leben schließlich ein stilles Ende. „Er ist ohne Angst gestorben“, sagt Dorothea Woiczechowski-Fried, die ihm in den letzten zwei Jahrzehnten in der Oberpfalz Heimat und Frieden schenkte. „Er ist mit einem Kuss von Gott von uns gegangen.“
Was bleibt, ist die Erinnerung – und die Mahnung, dass Menschlichkeit, Mitgefühl und Verantwortung niemals aus der Zeit fallen dürfen. Gerade heute, in einer Welt, in der Antisemitismus wieder lauter wird und demokratische Gewissheiten ins Wanken geraten, ist Alexanders Vermächtnis aktueller denn je.
Internationale Wochen gegen Rassismus (IWgR)
Die Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) sind eine bundesweite Aktionsreihe, die jährlich rund um den Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März stattfindet. Vom 16. bis 29. März 2026 beteiligen sich tausende Initiativen, Kommunen, Schulen, Kirchen und Vereine mit Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen und Bildungsprojekten an den Aktionswochen.
Das Motto lautet in diesem Jahr: „100 % Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus.“ Ziel der IWgR ist es, ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit zu setzen und demokratische Werte zu stärken.
Viele Veranstaltungen werden im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ organisiert. Auch zahlreiche Partnerschaften für Demokratie, darunter Initiativen in Regensburg, Weiden und anderen Kommunen, beteiligen sich.
📅 Aktionszeitraum 2026: 16. bis 29. März
🌍 Veranstaltungen: bundesweit Hashtags der Kampagne:
#IWgR26 #InternationaleWochengegenRassismus




