Spendenaktion im Zeichen des Kaisers: Europa-Park Eagles Charity Golfcup lässt Beckenbauers Hilfe weiterleben
Spendenaktion im Zeichen des Kaisers: Europa-Park Eagles Charity Golfcup lässt Beckenbauers Hilfe weiterleben
Es sind oft diese kleinen Momente, die sich erst Jahre später als bedeutend erweisen. Für Alexander Grundler war es ein Dezembertag im Jahr 1992. Am 11. Dezember trat Franz Beckenbauer gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Sibylle in einem Autohaus in der Oberen Bauscherstraße in Weiden auf. Für die Franz-Beckenbauer-Stiftung übergab der „Kaiser“ dem Behinderten- und Versehrtensportverein einen weinroten VW-Transporter.
Autogrammjäger und Fußballfans beim „Kaiser“-Besuch in Weiden
Riesenandrang herrschte damals. Autogrammjäger, Fußballfans und viele Neugierige wollten den Weltstar sehen. Beckenbauer signierte an diesem Tag auch Bücher. Die Lokalpresse beschrieb ihn als einen charmanten Mann, der eine menschliche Freundlichkeit ausstrahlte. Der BVS ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Später, erinnert man sich in Weiden, wurden sogar noch Weihnachtskarten ausgetauscht.
Alexander Grundler war mit Spenden-Bus unterwegs
Alexander Grundler selbst war damals nicht dabei. „Ich war damals 15. An mir ging das vorbei“, sagt er heute. Und doch wurde dieser Besuch später Teil seiner eigenen Geschichte. Bereits drei Jahre zuvor war Grundler Mitglied beim BVS Weiden geworden. Er spielte in der Rollstuhlbasketballmannschaft. Oft ging es mit genau diesem Transporter zu Auswärtsspielen. „Wir sind oft mit der Beckenbauer-Spende unterwegs gewesen“, erinnert er sich. Er begann, über den „Fußball-Kaiser“ nachzudenken. Was aus dem Fahrzeug geworden ist, weiß er nicht. „Keine Ahnung. Nach meiner Einschätzung wurde der VW-Transporter längst verschrottet. Das ist immerhin über 30 Jahre her.“
Unterstützung behinderter Menschen
Ein Satz, in dem viel mitschwingt. Das Fahrzeug ist verschwunden. Die Stiftung, aus der die Hilfe kam, existiert bis heute. Gegründet wurde die Franz-Beckenbauer-Stiftung bereits 1982. Also zehn Jahre vor jenem Besuch in Weiden. Von Anfang an war ihr Ziel, Menschen mit Behinderung und Hilfsbedürftige schnell und unbürokratisch zu unterstützen. Gerade diese Kontinuität wurde jetzt beim Europa-Park Eagles Charity Golfcup in Herbolzheim wieder sichtbar.
20.000 € für die Beckenbauer-Stiftung
Oberpfalzecho war beim Golfturnier und bei der anschließenden Gala im Hotel Colosseo zu Gast. Dort wurde schnell deutlich: Dieser Charity-Cup ist weit mehr als ein sportlicher Termin im Kalender prominenter Gäste. Er ist Erinnerung, Begegnung. Vor allem ist es konkrete Hilfe. Bei der Gala überreichte die Familie Mack einen Spendenscheck in Höhe von 20.000 €. Damit wurde die Stiftung erneut unterstützt: jenes Leuchtturmprojekt, das Franz Beckenbauer einst ins Leben gerufen hatte.
Wie der Vater, so der Sohn
Dass ausgerechnet ein Golfturnier diese Verbindung trägt, passt. Denn neben dem Fußball war Golf eine große Leidenschaft des „Kaisers“. Er galt über viele Jahre als einer der spielstärksten prominenten Golfer Deutschlands. Sein Handicap war bemerkenswert. Darüber sprach am Rande des Turniers auch der überaus sympathische Joel Beckenbauer mit Oberpfalzecho. Fußball oder Golfen? „Ich habe eher das Talent im Golfen übernommen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Dann wird er konkreter, was seinen berühmten Vater angeht: „Soviel Talent wie er im Fußball hatte, ist für die nächsten fünf Generationen bestimmt schon aufgebraucht.“
Handicap 4
Auch die sportlichen Zahlen hat er im Kopf. „Das niedrigste Handicap, das er beim Golf mal hatte, war 4. Zum Schluss hat er dann so um die 7 bis 9 gespielt. Das war immer noch bewundernswert.“ Und wie sieht es bei ihm selbst aus? „Ich spiele im Moment 19 und komme damit gut über den Platz.“ Und seine Mutter Heidrun Beckenbauer? „Die spielt relativ selten, kommt aber auch gut über den Platz. „Ich glaube, so Mitte 20.“
Ireen Sheer erinnert sich
Es sind diese kleinen, persönlichen Bemerkungen, die den Menschen Franz Beckenbauer greifbar machen. Kein Denkmal aus Stein, sondern Familienerinnerung, Humor und Verbundenheit. Auch Schlagerstar Ireen Sheer war beim Promi-Golfcup dabei. Vor Jahren sang sie in Weiden beim ADAC-Ball, erinnert sich aber nicht mehr daran. Die Sängerin kennt die Familie Beckenbauer seit vielen Jahren. Im Gespräch mit Oberpfalzecho blickt sie ebenfalls zurück. „Franz habe ich hervorragend gekannt. Golf gespielt habe ich aber mit ihm nie. Da war ich nicht gut genug.“ Dann wird ihre Stimme ernst. „Er war ganz ein Lieber. Wir vermissen ihn sehr.“ Und weiter: „Franz war ein wunderbarer Mensch. Er hat sich um Menschen gekümmert. Hatte er etwas versprochen, hat er es auch gehalten. Das fand ich so toll an ihm. Er war so bodenständig. Er hatte keine Starallüren, obwohl er ein Megastar war.“ Die Verbindung war mehr als ein gesellschaftlicher Kontakt. „Wir waren auch privat sehr eng und haben gemeinsame Geburtstage gefeiert.“
2007 das Idol persönlich getroffen
Für Grundler schloss sich 2007 ein Kreis, der Jahrzehnte zuvor in Weiden begonnen hatte. Denn 15 Jahre nach dem Besuch des „Kaisers“ begegnete er seinem Idol erstmals persönlich. Das war beim Ball des Sports in Wiesbaden. Grundler arbeitete damals ehrenamtlich für ein Radioprojekt, das für Menschen mit Behinderung sendete. Franz Beckenbauer war damals, ein Jahr nach dem Sommermärchen 2006, ein gefragter Gast. „Eigentlich wirkte es zunächst so, als wolle er nur schnell durch die Menge und keine Interviews geben. Doch dann nahm er sich doch ein paar Minuten Zeit und sofort entstand ein regelrechter Andrang von Journalisten.“
Beeindruckender Franz Beckenbauer
Was Grundler bis heute in Erinnerung geblieben ist, war weniger die Prominenz als die Haltung. „Diese enorme Aufmerksamkeit habe ich in dieser Ausprägung bei deutschen Prominenten nur selten erlebt. Umso beeindruckender war, dass Franz Beckenbauer trotzdem zugewandt blieb. Er nahm sich Zeit für die Fragen, antwortete freundlich und gab seinem jeweiligen Gegenüber für diesen kurzen Moment das Gefühl, gerade wichtig zu sein.“
A bisserl was geht immer
Im Interview fragte Grundler damals nach Beckenbauers Verhältnis zum Behindertensport. Die Antwort ist auf Band festgehalten. „Ich weiß natürlich, dass der Behindertensport eine große Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Ich habe selbst vor 25 Jahren eine Stiftung gegründet für Behinderte und Hilfsbedürftige. Ich bin, nicht täglich, aber regelmäßig mit diesen Themen konfrontiert.“ Und auf die Frage nach seinem persönlichen Sportprogramm antwortete Beckenbauer typisch bodenständig: „Mei, a bisserl mit dem Hund spazieren geh’n und versuchen, mich ein bisserl zu bewegen. Aber es fällt immer ein bisserl schwerer.“
Wichtiger Impulsgeber
Für Grundler war das mehr als nur ein Interview. „Franz Beckenbauer war für mich rückblickend ein wichtiger Impulsgeber. Durch meine frühen Berührungspunkte ist bei mir der Gedanke entstanden, dass man für Menschen mit Behinderung im Sport und insbesondere im Fußball noch mehr tun muss, um Erlebnis und Teilhabe zu verbessern.“ Diesen Gedanken trägt der Weidener heute in die Gegenwart. Seit dem 10. September 2022 ist er Mitglied im Arbeitskreis Fandialog des FC Bayern München. Dort vertritt er „Rollwagerl 93 e. V.“, den größten Fanclub des FC Bayern für Menschen mit Behinderung.
Schriftführer beim „Rollwagerl 93 e. V.“
Seine Aufgabe ist klar umrissen: Rückmeldungen, Erfahrungen und konkrete Anforderungen von Menschen mit Behinderung in den direkten Austausch zwischen Fans und Verein einzubringen. Seit Dezember 2025 ist Grundler zudem Schriftführer des Vereins. „Rollwagerl 93“ versteht sich längst nicht nur als Fanclub. Der Verein organisiert barrierefreie Auswärtsfahrten, begleitet Fans zu Spielen, vermittelt Tickets und bringt seine Erfahrung aktiv in die Weiterentwicklung von Barrierefreiheit im Fußball ein.
Leuchtturmfunktion
„Unsere Aufgabe – und auch meine persönliche Aufgabe – sehe ich darin, diese Leuchtturmfunktion weiter zu stärken und auszubauen. Mit konkreten Verbesserungen und mit dem Ziel, dass Menschen mit Behinderung Fußball möglichst selbstbestimmt, sicher und selbstverständlich erleben können.“
Der Ball rollt weiter
Der Golfplatz in Herbolzheim war an diesem Tag Bühne für prominente Namen. Vor allem aber war er Ausdrucksort einer gebliebenen Idee. Der alte VW-Bus aus Weiden mag längst verschwunden sein. Die Hilfe, die Franz Beckenbauer einst angestoßen hat, rollt weiter.












