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Theo Geene im Interview: Nach dem Champagner-Prozess kämpft er gegen den Krebs

Weiden/Kapstadt. Erst der Freispruch, dann die Krebsdiagnose: Theo Geene (47), der freigesprochene Angeklagte im Champagner-Prozess, kämpft um sein Leben. In Kapstadt erhält der Niederländer derzeit eine Chemotherapie. Er hat 25 Kilogramm verloren und kann kaum noch laufen.

Weiden/Kapstadt. Erst der Freispruch, dann die Krebsdiagnose: Theo Geene (47), der freigesprochene Angeklagte im Champagner-Prozess, kämpft um sein Leben. In Kapstadt erhält der Niederländer derzeit eine Chemotherapie. Er hat 25 Kilogramm verloren und kann kaum noch laufen.
Theo Geene an seinem 47. Geburtstag. Das Foto entstand im September im Krankenbett in Südafrika, wo er derzeit wegen seiner Krebserkrankung behandelt wird. Foto: privat

Theo Geene im Interview: Nach dem Champagner-Prozess kämpft er gegen den Krebs

OberpfalzECHO hat mit Geene telefonisch in Südafrika gesprochen. In den 18 Monaten Untersuchungshaft in den Justizvollzugsanstalten Weiden und Amberg hat er so gut Deutsch gelernt, dass er das gesamte Interview in deutscher Sprache führen kann. Und trotz allem sagt er: „Ich habe Hoffnung.“

Theo, die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es dir?

Theo Geene: Nicht so gut. Aber ich habe Hoffnung. Mein großes Problem sind die Schmerzen. Ich habe so viele Schmerzen. Das macht die Tage und die Nächte lang. Ich habe Fentanyl-Pflaster, aber das hilft nicht. Ich habe Hoffnung, dass nach der zweiten Chemotherapie die Schmerzen weniger werden.

Kommen die Schmerzen von der Chemo?

Geene: Nein. Die Tumoren im Darm sind größer geworden. Ich war in Indien, da sind sie weitergewachsen.

Wo warst du in Indien und warum?

Witron – Nachmittag der Ausbildung
Witron – Nachmittag der Ausbildung

Geene: Da war sehr viel Sonne. Ich hatte richtig Hoffnung. Ich war in Kerala, im Dschungel, und habe versucht, meinen Körper gesund zu machen. Ich habe richtig gesund gegessen, Yoga und Meditation gemacht. Aber der Tumor ist weitergewachsen. Darum haben wir uns doch für eine Chemo entschieden. Es ist die einzige Lösung, die Tumoren schnell zu reduzieren.

Warum lässt du dich in Kapstadt behandeln?

Geene: Ich bin hier in der Sanctura-Klinik. Kapstadt ist schon gut. Die Ärzte sind sehr schlau. Ich erwarte viel. Hier wird nicht nur Chemotherapie gemacht. Sie machen viel mehr hier. In der Woche vor der Chemo gibt es sehr gesunde Ernährung, Bewegung, Vitamin-C- und Curcumin-Infusionen, Misteltherapie, Rotlichttherapie, Sauerstoff unter hohem Druck. Sie machen den Körper ganz gesund, dass er Kraft hat – dann kommt die Chemo. Die erste habe ich gut vertragen, die zweite folgt in zwei Wochen. Jeden Tag machen sie hier Blutuntersuchungen. Sie überwachen alles.

Vor wenigen Monaten wurdest du nach eineinhalb Jahren Untersuchungshaft freigelassen. Jetzt kämpfst du gegen den Krebs. Du wirkst überhaupt nicht bitter.

Geene: Weil ich nicht so bin. Ich schaue voraus. Bitterkeit macht mich noch mehr krank. Das ist das eine. Und das Zweite ist: Ich schaue nie zurück. Ich habe Krebs. Da ist keine Zeit für die Vergangenheit.

Der Vorsitzende Richter hatte bei der Urteilsverkündung sein persönliches Bedauern über die lange Untersuchungshaft ausgedrückt. Hat sich eigentlich jemals jemand bei dir entschuldigt – von der Staatsanwaltschaft oder von den Ermittlern?

Geene: Nein. Und wenn man sich anschaut, was die Polizei gemacht hat, dann ist das so schlecht. Die Staatsanwaltschaft hatte gar nichts in den Händen. Mein Anwalt Alexander Stevens hat immer gemeint: Da muss noch etwas kommen von der Staatsanwaltschaft, es muss doch noch etwas kommen. Ich wusste: Da ist nichts. Da kommt nichts. Es waren sehr viele Dinge, die überhaupt keinen Sinn ergeben haben. Nicht nur ein oder zwei Punkte. Wir hatten 50 oder 60 Beweise, dass ich das gar nicht gewesen sein kann.

Wann hast du erfahren, dass du Krebs hast?

Geene: Schon im Knast musste ich viel zum Klo, viel Blut. Ich war beim Gefängnisarzt. Es gab kein Ergebnis. Als ich Ende Februar raus bin, bin ich direkt ins Krankenhaus. Da hieß es: Darmkrebs mit Metastasen im Stadium IV. Ich war frei – und stand vor einem neuen Kampf.

Wer ist bei dir in Kapstadt? Deine Schwester, die auch in Weiden oft bei den Verhandlungen war?

Geene: Ja, sie war hier. Aber sie ist gestern in die Niederlande geflogen. Das ist auch eine traurige Geschichte. Meine Mutter liegt im Sterben. Aber ich kann nicht hin. Meine Schwester ist eine Super-Schwester. Sie ist die beste Frau der Welt.

Bist du jetzt allein in Kapstadt?

Geene: Heute kommt ein Freund aus Bali. Ich kann nicht allein sein, weil ich nicht laufen kann. Nur wenige Meter. Ich bin 25 Kilo leichter als beim Prozess in Weiden. Im Knast hatte ich gelernt, 600 Push-ups in 50 Minuten zu machen. Jetzt kann ich noch drei. Alles weg.

Vielleicht ist die Behandlung ja der Durchbruch.

Geene: Ja, ja, das denke ich auch. Ich habe gar nicht das Gefühl, dass ich sterben kann. Im Krankenhaus, als vor drei Wochen die Scans kamen, haben die Onkologen gesagt: drei Monate – und dann fertig. Und auch nicht drei gesunde Monate. Deshalb habe ich mich für die Chemo entschieden.

Dein Freund Bram sammelt Geld für dich.

Geene: Das ist ein Jugendfreund. Ich kenne ihn, seit ich 13 bin. Ich bin jetzt 47 Jahre alt. Mein erster Tag in der Klinik in Kapstadt war mein Geburtstag. Die ersten Monate haben meine Freunde zusammengebracht, aber jetzt brauche ich Unterstützung. Die Behandlung hier ist sehr teuer. Am liebsten hätte ich meine Behandlung selbst bezahlt oder mit der Entschädigung für all das, was mir in Deutschland widerfahren ist. Aber ich kann nicht warten. Der Krebs wartet nicht.

Theo Geene beim Prozessauftakt im Dezember 2025 am Landgericht Weiden. Foto: OberpfalzECHO

Spenden für Theo Geenes Behandlung

Freunde von Theo Geene haben eine GoFundMe-Spendenaktion gestartet, um seine Krebsbehandlung in Kapstadt und die damit verbundenen Kosten zu finanzieren. Bislang sind rund 11.000 Euro zusammengekommen, das Spendenziel liegt bei 85.000 Euro.

Gleichzeitig steht Geene nach seinem Freispruch eine Entschädigung für die rund 18 Monate Untersuchungshaft zu. Für jeden zu Unrecht erlittenen Hafttag sieht das Gesetz 75 Euro Entschädigung vor. Ausgezahlt wurde bislang nichts, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Zwar hat die Staatsanwaltschaft ihre Revision gegen den Freispruch zurückgezogen. Aber die Revision eines Nebenklägers ist noch anhängig.

In einem Youtube-Gespräch diskutieren Constantin Schreiber und Anwalt Dr. Alxeander Stevens mit dem Niederländer Theo Geene den Fall. „Das Gesetz sieht nicht vor, dass sich die Justiz irren kann“, beklagt Jurist Stevens. Die Höhe der Entschädigung sei viel zu niedrig: „In den USA wären wir in siebenstelliger Höhe.“ Dazu käme ein möglicherweise ärztlicher Kunstfehler, weil die Krebsdiagnose nicht gestellt wurde. Natürlich sei es spekulativ, ob der Niederländer in Freiheit auch erkrankt wäre: Aber wäre er eher in einem Krankenhaus behandelt worden, „hätte man viel früher intervenieren können“.