Ein Tirschenreuther baut die Klinik-Karte der Zukunft
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Ein Tirschenreuther baut die Klinik-Karte der Zukunft
Das Team um Mediengestalter Manuel Jokiel, Klaus Emmerich (Klinikvorstand i. R.) und Rainer Neff vom Bündnis Klinikrettung dokumentiert im KlinikScanner zusätzlich Bedrohungen, geplante und vollzogene Schließungen. Amtliche und recherchierte Daten bleiben dabei in ihrer Herkunft unterscheidbar. Technisch neu entwickelt wurde der KlinikScanner von Manuel Jokiel – und der hat selbst einen engen Bezug zur Region. Der Mediengestalter, Programmierer und Softwareentwickler stammt aus Tirschenreuth und kennt die Diskussion um die Zukunft des Tirschenreuther Krankenhauses hautnah. Er war in den vergangenen Jahren in der Initiative „Klinik Retten“ aktiv. Im folgenden Interview gibt der Wahl-Berliner Einblicke in seine Arbeit und die Motivation dahinter.
„Eine Fügung des Schicksals“
Was war Deine persönliche Motivation, den Scanner zu entwickeln?
Manuel Jokiel: Die Idee zum heutigen KlinikScanner ist aus meinem Engagement für den Erhalt des Krankenhausstandorts Tirschenreuth entstanden. Während unserer Arbeit mit der Initiative Klinik Retten habe ich die damalige Internetseite über einen längeren Zeitraum nahezu täglich und weitgehend allein gepflegt. Das Thema hat mich wesentlich stärker vereinnahmt, als ich anfangs erwartet hatte.
Relativ früh entstand auch der Kontakt zur Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ und zu Klaus Emmerich. Daraus entwickelte sich ein regelmäßiger Austausch und schließlich die Idee, die Veränderungen in der Krankenhauslandschaft systematisch sichtbar zu machen. Wer von uns beiden letztlich die entscheidende Idee für die Karte hatte, können wir heute nicht mehr rekonstruieren. Wir sagen deshalb gerne: Es war wohl eine Fügung des Schicksals.

Vom Akutkrankenhaus zur Geriatrie: Der KlinikScanner macht den Wandel sichtbar
Tirschenreuth/Berlin. Wie stark sich die Krankenhauslandschaft verändert, lässt sich am Krankenhaus Tirschenreuth besonders deutlich ablesen. Der neue Klinik-Scanner, den ein gebürtiger Tirschenreuther mitentwickelt hat, dokumentiert, was sich an den einzelnen Standorten verändert hat. Tirschenreuth liefert dafür ein eindrückliches Beispiel.
„Entwicklungen über Jahre nachvollziehbar machen“
Das erste gemeinsame Projekt war eine Karte zum Kliniksterben in Bayern. Nachdem sich dieses Konzept bewährt hatte, erweiterten wir die Erfassung auf ganz Deutschland. Für mehrere Jahre war das eine praktikable Lösung. Allerdings konnte pro Krankenhaus im Wesentlichen nur der jeweils aktuelle Zustand dargestellt werden. Gab es eine neue Entwicklung, wurde der vorherige Stand überschrieben. Eine wirkliche Historie entstand dadurch nicht.
Genau das wollten wir mit dem KlinikScanner ändern. Heute geht es nicht mehr nur darum, den gegenwärtigen Zustand eines Krankenhauses abzubilden, sondern Entwicklungen über mehrere Jahre nachvollziehbar zu machen. Dafür beziehen wir die Krankenhausverzeichnisse ab dem Jahr 2020 ein. Theoretisch hätten wir weiter zurückgehen können. Die Struktur der älteren Daten unterscheidet sich jedoch so deutlich von den heutigen Datensätzen, dass Vergleiche ohne umfangreiche methodische Erläuterungen leicht missverständlich geworden wären.
Die heutigen technischen Möglichkeiten, darunter auch KI, haben den Neuaufbau erheblich erleichtert. Wichtig ist mir dabei aber die Abgrenzung: KI setzen wir unterstützend bei Strukturierung, technischer Umsetzung und Gestaltung ein. Die inhaltliche Bewertung und Analyse der Krankenhausentwicklung möchten wir bewusst selbst vornehmen. Aus einer zunächst relativ einfachen Karte ist damit über die Jahre ein System entstanden, das nicht nur zeigt, wie die Krankenhauslandschaft heute aussieht, sondern auch, wie sie sich seit 2020 verändert hat.
Verbindung zu Tirschenreuth nie abgerissen“
Welchen Bezug hast Du außer dem Thema Krankenhäuser noch zur Heimat?
Jokiel: Auch wenn mein beruflicher Lebensmittelpunkt inzwischen in Berlin liegt, ist die Verbindung nach Tirschenreuth und in den Landkreis nie abgerissen. Wann immer es sich einrichten lässt, komme ich zu Familienfesten, Geburtstagen oder an Feiertagen zurück. Familie, Freunde und Bekannte sind natürlich der wichtigste Grund dafür. Daneben gibt es aber auch weiterhin eine enge Verbindung über ehrenamtliche und gestalterische Projekte. Wenn etwa der Lions Club Aktionen organisiert, bin ich gerne dabei und unterstütze.
Auch verschiedene gestalterische Arbeiten in Tirschenreuth stammen von mir. Dazu gehörten unter anderem Weihnachtsmarktplakate der vergangenen Jahre. Besonders gerne erinnere ich mich auch an das Sommercafé, dessen Erscheinungsbild ich mit den Plakaten und der gestalterischen Ausarbeitung mitprägen durfte. Für den Förderverein Porzellan- und Kachelmuseum Tirschenreuth habe ich zudem die Internetseite umgesetzt.
Steckbrief von Manuel Jokiel
- Schulzeit am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth bis zur 7. Klasse
- Wechsel an das Max-Reger-Gymnasium mit staatlichem Internat in Amberg
- Abitur am Max-Reger-Gymnasium
- Ab Sommersemester 2009 Studium „Film und Fernsehen“ mit Schwerpunkt Kamera an der die medienakademie in Berlin
- Studium im Public-Private-Partnership mit der Hochschule Mittweida
- Studienabschluss 2012, Abschlussnote 2,0
- Anschließend beruflicher Einstieg in die Fernseh- und Medienproduktion
- Seit rund 13 Jahren Tätigkeit im selben beruflichen Umfeld, zunächst bei Schwartzkopff TV, später Talpa Germany und Bildergarten
- Heute Grafiker bei ITV Studios Germany
- Tätigkeit im Umfeld verschiedener TV-Produktionen, darunter „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, „The Voice of Germany“ und „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“
- Besonderes Herzblut steckt in langjährig begleiteten Projekten wie der „Goldenen BILD der FRAU“, für die ich das On-Air-Design erstelle, sowie dem Medienpreis der Kindernothilfe, den ich bereits seit 2013 gestalterisch begleite
- Daneben ehrenamtliche gestalterische, technische und konzeptionelle Arbeit, unter anderem für den heutigen KlinikScanner
„Heimat bleibt für mich etwas Besonderes“
Heimat ist für mich deshalb nicht nur der Ort, an dem meine Familie und ein Teil meines Freundeskreises leben. Es ist auch ein Ort, an dem ich mich weiterhin gerne einbringe. Und wenn ich nach Tirschenreuth komme, bedeutet das für mich zugleich, aus dem beruflichen Alltag herauszukommen. Gerade weil ich nicht mehr ständig dort bin, sind diese Aufenthalte für mich etwas Besonderes. Vor allem, wenn ich spontan mal ein Fest besuche oder ins Cineplanet komme, um einen Blockbuster zu schauen, freue ich mich immer, wenn ich auf bekannte Gesichter stoße. Und dann verquatscht man sich mehr, als man denkt.
Erübrigt sich angesichts der positiven Entwicklung zwischen Tirschenreuth und Weiden die Forderung nach einer Wiederbelebung der Notaufnahme?
Jokiel: Bei Tirschenreuth fällt es mir aufgrund der eigenen Vorgeschichte natürlich schwerer als bei jedem anderen Krankenhaus, die Entwicklung völlig emotionslos zu betrachten. Für den KlinikScanner ist aber genau diese Trennung wichtig: Dort wollen wir keine Erwartungen oder politischen Ankündigungen bewerten, sondern nachvollziehbare Fakten und Entwicklungen dokumentieren. Deshalb warten wir bei strukturellen Veränderungen grundsätzlich auch die offiziellen Krankenhausdaten ab. Diese erscheinen zwar mit erheblicher Verzögerung, schaffen dafür aber eine einheitliche Datengrundlage, auf der Krankenhäuser in ganz Deutschland nach denselben Kriterien betrachtet werden können.
Zu den aktuellen Aussagen über die Zusammenarbeit zwischen Tirschenreuth und Weiden kann ich deshalb zunächst nur sagen: Wenn sich die Versorgung verbessert hat und Notfallpatienten in Weiden nicht mehr weitergeschickt werden müssen, ist das selbstverständlich eine positive Entwicklung. Das ändert aber zunächst nichts daran, dass die strukturellen Einschnitte am Standort Tirschenreuth stattgefunden haben. Wir haben bereits in unserem Leserbrief auf die Anfrage des Immenreuther Bürgermeisters ausführlich dargestellt, was unsere Initiative in den vergangenen Jahren unternommen hat und warum wir für viele der heute gestellten Fragen nicht die richtigen Ansprechpartner sind. Die Entscheidungen über die zukünftige Krankenhausstruktur werden weder von uns noch vom KlinikScanner getroffen.
„Entscheidend ist, was umgesetzt wird“
Wir können Entwicklungen dokumentieren, auf Probleme hinweisen und Anregungen geben. Entscheiden müssen die politisch und fachlich Verantwortlichen. Sollte der Kreistag zu dem Ergebnis kommen, dass am Standort Tirschenreuth wieder Strukturen aufgebaut werden können, die eine entsprechende Notfallversorgung ermöglichen, würden wir eine solche Entwicklung selbstverständlich begrüßen. Dazu müssten allerdings auch die dafür notwendigen medizinischen und strukturellen Voraussetzungen tatsächlich geschaffen werden.
Entscheidend ist für mich deshalb nicht, was angekündigt oder in Aussicht gestellt wird, sondern was am Ende wirklich umgesetzt wird. Wenn Landrat und Kreistag sagen, dass sie diese Entwicklung erreichen können, gibt es für uns zunächst keinen Grund, das Gegenteil zu behaupten. Ob und in welchem Umfang es gelingt, wird sich an den tatsächlich geschaffenen Strukturen zeigen.
Bis dahin wäre alles Weitere Spekulation – und genau diese möchten wir im KlinikScanner vermeiden.



