Trauerfeier in Kaltenbrunn: Hunderte nehmen Abschied von Hermann Krauß

Trauerfeier in Kaltenbrunn: Hunderte nehmen Abschied von Hermann Krauß
Der Diplom-Agraringenieur und Fachjournalist war bereits am 8. Dezember in seiner Wohnung in Berlin einem Herzversagen erlegen. Wegen bürokratischer Hindernisse konnte erst jetzt die Trauerfeier stattfinden.
„Hilflos stehen wir dem Tod eines im Grunde seit dem Frühsommer 2025 wieder in der Blüte seines Lebens stehenden Menschen gegenüber. Es fällt nicht nur mir schwer, auf das Warum zu antworten, Gottes Pläne begreifen zu können“, sagte Pfarrer Stefan Fischer beim bewegenden Trauergottesdienst am Samstag in der bis zu den Emporen überfüllten Martins-Kirche.
Trost und Zuversicht im Gottesdienst
„Früh vollendet, hat er doch volles Leben gehabt“, zitierte Fischer aus dem Besuch der Weisheit. „Gott hat ihn reich beschenkt mit Geistesgaben. Der Glaube hat ihm Kraft gegeben und Zukunft geschenkt. Seien wir daher der Vorsehung dankbar, dass er dies erleben durfte. Hermann ist im Hause des Herrn angekommen“, tröstete Fischer und fügte hinzu: „Auch wenn wir heute ratlos sind, Zuversicht und Dankbarkeit dürfen wir nicht loslassen, Christus begegnet nie ein letztes Mal.“
Hermann Krauß wurde seinen Eltern Georg und Emmi Krauß am 16. September 1980 als Zweiter von drei Söhnen geboren. Nach der Grundschule besuchte er das Kepler-Gymnasium, spielte viele Jahre auch im Posaunenchor. Der Tod seines Vaters war für ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Halt gab ihm die spirituelle Suche, die ihn zum christlichen Glauben führte. Insbesondere die Botschaft Jesu von Liebe, Mitmenschlichkeit und Hoffnung begleitete ihn und prägte ihn dabei nachhaltig.
Er übernahm Verantwortung für die Mutter und arbeitete auf dem Hof mit. 2001 begann Hermann das Studium der Agrarwissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg, das er mit dem Diplom-Agraringenieur abschloss. 2008 folgte ein Volontariat beim Deutschen Landwirtschaftsverlag. In München fand er Anstellung als Fachjournalist, wurde Redakteur. 2012 wechselte er zur Niederlassung nach Berlin und begann 2019 bei Emminger & Partner als Redakteur für die Fachpublikation „Landwirtschaft ohne Pflug“.
Lebensweg und berufliche Stationen von Hermann Krauß
Der Tod seiner Mutter 2021 war der zweite Schicksalsschlag. Nach mehreren Jahren Kampf gegen Depression und Burnout wurde er am Neujahrstag 2024 Opfer einer schweren Körperverletzung. Mehrere Krankenhausaufenthalte waren notwendig, um die Beschwerden wenigstens teilweise zu lindern. Hermann arbeitete für sich alles auf, kämpfte sich zurück ins Leben. Der Frühsommer 1925 ist der Neubeginn eines Menschen, welcher mit einer sehr gefühlvollen und wertschätzenden Art gesegnet war. Er traf in München, Berlin und deutschlandweit auf Menschen, die auch zu Freunden wurden.
Regelmäßig zog es ihn immer wieder zurück in seine Heimat – nach Kaltenbrunn, Neustadt, Weiden und Floß. Er kam, um Geburtstage zu feiern, um auf das Marktfest oder wie zuletzt fröhlich auf die Kirwa zu gehen, oder wenn es darum galt, bei etwas bereitwillig und ohne Gegenleistung gerne mitzuhelfen. Er wollte für andere da sein. Ob es im Raum München darum ging, einen Hof zu pflastern, in Berlin einen Schrebergarten aufzuräumen, in Kaltenbrunn Holz zu sägen oder in Weiden der Mutter eines ehemaligen Schulkameraden bei Behördengängen zu helfen – Hermann war da.
Kreativität und Sprache als Lebenselixier
Leidenschaftlich gerne sammelte er Erinnerungsstücke. Oft machte er sich Notizen, verschriftete seine Eindrücke und Gedanken. Und er hatte eine große Liebe zur Sprache, schrieb Gedichte und Songtexte, spielte mit Worten und improvisierte, freestylte und brachte seine Gedanken oft in Reimen zum Ausdruck. Kreativität war für ihn ein Ausdruck von Lebendigkeit und Verbundenheit und hat viele berührt. Jeder Stein in seiner Wohnung, jedes getrocknete Blatt eines Baumes, ja jeder Notiz-Schnipsel war für Hermann eine wertvolle Erinnerung. Das war sein Leben und so wird er in Erinnerung bleiben.
In seinem ehrenden Nachruf sprach FC-Chef Andreas Malzer von einem „kämpferischen Teamspieler und Freund, auf den immer Verlass war, der immer in unseren Herzen ist.“ Kirchen- und Posaunenchor sorgten für eine würdige musikalische Gestaltung von Gottesdienst und Beisetzung.




