Freie Wähler Amberg-Sulzbach kritisieren Vilseck im Stimmkreis Tirschenreuth

Freie Wähler Amberg-Sulzbach kritisieren Vilseck im Stimmkreis Tirschenreuth
Der Kreisverband der FREIEN WÄHLER Amberg-Sulzbach hat am 30. September 2026 eine Stellungnahme zum geplanten Zuschnitt der Stimmkreise für die Landtagswahl 2028 an Staatsminister Joachim Herrmann übermittelt. Die Verantwortlichen wenden sich darin gegen den Vorschlag, die Stadt Vilseck dem Stimmkreis 307 Tirschenreuth zuzuordnen, und verweisen auf politische, geografische und organisatorische Gründe. In Abstimmung mit dem Landtagsabgeordneten Bernhard Heinisch beschloss der Kreisverband die Stellungnahme einstimmig.
Kritik am Verfahren und fehlende Einbindung
Funktionsträger vor Ort bemängeln einen mangelhaften Informationsfluss und berichten, dass weder der Vilsecker Bürgermeister Thorsten Grädler noch der Abgeordnete Bernhard Heinisch bis kurz vor der Veröffentlichung des Vorschlags Kenntnis über die geplante Umgliederung hatten. Nach Bekanntwerden zitierten Medien zunächst nur örtliche CSU-Abgeordnete, was die FREIEN WÄHLER als unausgewogen bewerten.
Die Verfasser der Stellungnahme begründen ihren Widerspruch zudem mit der räumlichen Lage. Sie führen aus, dass das Stadtgebiet Vilseck kartografisch nicht an den Stimmkreis Tirschenreuth anschließt, weil der Truppenübungsplatz Grafenwöhr dazwischenliegt. Darüber hinaus erschweren Wasserschutz- und Naturschutzgebiete die Entwicklungsmöglichkeiten, während gewachsene Partnerschaften, etwa zwischen den Standorten Vilseck und Hohenfels, bei einer Umgliederung Wissens- und Vertretungslücken erzeugen könnten.
Regionale Netzwerke und Zuständigkeiten
Als Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit nennen die FREIEN WÄHLER den vom Wirtschaftsministerium initiierten regionalen Zusammenschluss „ACHT“. Diese Initiative habe Bernhard Heinisch nach der öffentlichen Debatte um einen möglichen Truppenabzug der US-Streitkräfte angestoßen, unterstützt von einem CSU-Abgeordneten aus Amberg-Sulzbach. Der direkte Zugang zu kommunalen Akteuren vor Ort habe dabei die schnelle Abstimmung ermöglicht.
Nach Auffassung der FREIEN WÄHLER besitzen Abgeordnete aus Weiden und Tirschenreuth naturgemäß stärkere Bindungen zu ihren Kommunen als zu Vilseck. Neue Zuständigkeiten würden deshalb erst zeitaufwendig wachsen, weil Kenntnisse zu lokalen Strukturen und Beziehungen fehlen. Eine geringere räumliche Bindung mindert nach dieser Einschätzung die Erfolgsaussichten einer künftigen Zusammenarbeit.
Verwaltungsstrukturen und Alltagsbezüge
Die Stellungnahme hebt hervor, dass die geplante Zuordnung nicht den bestehenden Verwaltungs- und Kooperationsstrukturen entspricht. Zweckverbände und interkommunale Projekte seien langfristig auf den Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg ausgerichtet, was eine operative Zusammenarbeit mit einem neuen Stimmkreis erheblich erschweren würde.
Zudem verweisen die FREIEN WÄHLER auf Alltagsbezüge der Bevölkerung. Berufliche Wege, behördliche Abläufe, Einkauf und medizinische Versorgung orientierten sich nicht in Richtung Tirschenreuth oder Landkreis Neustadt/WN. Ein Stimmkreis, der sich über drei Landkreise erstreckt, brächte aus Sicht der Autoren zusätzliche Hürden mit sich und erschwere die Entscheidungswege, auch mit Blick auf die Arbeit im Amberg-Sulzbacher Kreistag.
Alternative Leitlinie entlang der Autobahn A93
Kritisch sehen die FREIEN WÄHLER auch eine kurzfristige Verkleinerung des Stimmkreises 301, weil der demografische Wandel und der erwartete Bevölkerungsrückgang weitere Anpassungen nach sich ziehen dürften. Als nachhaltigere Leitlinie schlagen sie einen Zuschnitt entlang der Autobahn A93-Achse vor, um bei Bedarf flexibel nach Süden zu justieren und Reibungsverluste zu vermeiden.
Im Zusammenhang mit möglichen Entscheidungen aus Washington warnen die Verfasser vor negativen Effekten auf das gewachsene, interkommunale Netzwerk rund um die Standorte der US-Armee. Dieses Netz habe der Staatsregierung in der Vergangenheit genutzt, weil es vor Ort die Basis für passende Instrumente zur Entwicklung der gesamten Region geschaffen habe. Die FREIEN WÄHLER bitten das Innenministerium, die Stellungnahme im weiteren Verfahren zu berücksichtigen.
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