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Stadtwanderung erinnert an Vergessene Opfer des Holocaust in Weiden

Weiden. Die „Omas gegen rechts“ erinnern an „Vergessene Opfer“ des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen ermordete Sinti, politisch Verfolgte und Menschen mit Behinderung. Dazu gibt es am Sonntag, 4. Oktober, eine besondere Stadtführung. Sie ist Teil des vhs-Programms zur „Langen Nacht der Demokratie“.

Weiden. Die „Omas gegen rechts“ erinnern an „Vergessene Opfer“ des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen ermordete Sinti, politisch Verfolgte und Menschen mit Behinderung. Dazu gibt es am Sonntag, 4. Oktober, eine besondere Stadtführung. Sie ist Teil des vhs-Programms zur „Langen Nacht der Demokratie“.
Das „Erbgesundheitsgericht“ war am Schlörplatz angesiedelt (hier ein Foto aus den 1910er Jahren). Dort wurden rund 200 Verfahren zur Zwangssterilisation geführt. Foto: Stadtarchiv Weiden

Stadtwanderung erinnert an Vergessene Opfer des Holocaust in Weiden

Treibende Kraft ist die Flosserin Heidrun Dreyling-Riesop. Konkret plant sie mit ihrer Erinnerungsgruppe eine Stadtwanderung zur „Langen Nacht der Demokratie“ am Sonntag, 4. Oktober, 14 Uhr ab Schlörplatz (Anmeldung erforderlich). Unterstützt wird der Rundgang von Dr. Sebastian Schott, Leiter des Stadtarchivs Weiden, der einige Stationen übernehmen wird.

„Gemeinsam folgen wir den Spuren von Menschen, die nicht ins Nazi-Weltbild passten“, erklärt Heidrun Riesop. Aufgesucht werden Adressen, wo einige dieser Menschen zuletzt lebten. Ziel sei es, über ihr Schicksal zu informieren, den Opfern ihre Namen wiederzugeben und sie dem Vergessen zu entreißen.

Stadtwanderung „Die vergessenen Opfer“

Wann: Sonntag, 4. Oktober 2026, 14 bis 16 Uhr
Treffpunkt: Schlörplatz, Weiden
Mit: Heidrun Dreyling-Riesop, Erinnerungsgruppe Omas gegen Rechts Oberpfalz, und Dr. Sebastian Schott, Leiter des Stadtarchivs Weiden
Kosten: kostenlos
Kursnummer: TV100561
Anmeldung: über die vhs Weiden-Neustadt

Artistenfamilie floh 1942 vor den Nazis über den Balkan

Zu den Weidener Opfern des Holocaust zählt die Artistenfamilie Blum. 1942 flohen Angehörige der Familie in ihren Wohnwagen über den Balkan Richtung Türkei und kamen der rettenden Grenze sehr nahe. Doch die Nationalsozialisten holten sie ein: Im Januar 1943 wurden sie in Skopje verhaftet, später nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Insgesamt wurden 14 Angehörige der Weidener Familie Blum ermordet, darunter zehn Kinder.

Im Blickpunkt stehen auch Opfer der NS-„Euthanasie“. Besonders berührt hat Heidi Riesop das Schicksal von Brigitte Zinnbauer. Das 1938 in Weiden geborene Mädchen war nach mehreren schweren Erkrankungen in seiner Entwicklung zurückgeblieben. 1942 meldete der Weidener Amtsarzt die Vierjährige dem „Reichsausschuss“. Sie kam in die „Kinderfachabteilung“ der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar, wo Ärzte sie mit hohen Dosen des Schlafmittels Luminal töteten. Als offizielle Todesursache wurde Bronchitis angegeben.

Selbst nach dem Nationalsozialismus noch diskriminiert

Heidrun Riesop von den „Omas gegen rechts“ bedauert besonders, dass diese Opfergruppen auch nach 1945 weiter herabgewürdigt, diskriminiert und verfolgt wurden. „Oft genug mussten sie erleben, dass ehemalige NS-Täter erneut über sie urteilten und ihnen die Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus sowie damit verbundene Entschädigungen und Wiedergutmachungen verweigert wurden.“

Angesichts aktueller Entwicklungen – etwa Debatten über Kürzungen im Gesundheits- und Sozialbereich, zunehmenden Rassismus und die Ausgrenzung von Menschen, die angeblich nicht ins „Stadtbild“ passen – sehen die Initiatoren eine besondere Verantwortung, wachsam zu bleiben. Geschichte wiederhole sich nicht, aber aus ihr müsse gelernt werden. Eine Haltung, wonach „endlich Gras über die Sache wachsen sollte“, sowie eine Verharmlosung des NS-Regimes gefährdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie.

SSV Jahn
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Vergessene Opfer: 14 Angehörige der Artistenfamilie Blum ermordet

Vergessene Opfer: 14 Angehörige der Artistenfamilie Blum ermordet

Weiden. Die Geschichte der Weidener Artistenfamilie Blum ist kaum bekannt. 1942 floh sie vor den Nationalsozialisten über den Balkan – vergeblich. Statt Freiheit erwarteten sie Konzentrationslager und Tod. Neue Recherchen belegen: Zwei Söhne, eine Tochter und mindestens zehn Enkel von Karl Blum wurden, überwiegend im KZ Auschwitz, ermordet.