Gerechter Frieden im Blick bei EKD-Vortrag in Weiden

Gerechter Frieden im Blick bei EKD-Vortrag in Weiden
Mitten in dieser aufwühlenden Zeit hat die Evangelische Kirche in Deutschland im letzten Jahr ihre aktuelle Friedensdenkschrift veröffentlicht. In einem Vortrag am Montag, 5. Oktober 2026, 19 Uhr, im Martin-Schalling-Haus in Weiden stellt Sr. Prof. Dr. Nicole Grochowina, Mitglied im Rat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Ordensschwester der ev. Communität Christusbruderschaft Selbitz, diese Denkschrift vor. Der Vortrag, zu dem der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing in Weiden einlädt, trägt die Überschrift „Welt in Unordnung – gerechter Friede im Blick? Die Friedensdenkschrift der EKD“. Die Referentin erläutert, dass aus dieser Denkschrift eine Friedensethik zum Ausdruck kommt, die weiterhin an der Friedensverheißung des Evangeliums festhält, diese aber vor dem Hintergrund aktueller Kriege, Fragen nach Gerechtigkeit und Auseinandersetzungen im analogen wie im digitalen Raum beleuchtet. Behandelt werden im Vortrag unter anderem Fragen nach der Ausgestaltung eines gerechten Friedens in einer Welt in Unordnung sowie nach den Konsequenzen der Interpretation dieses Begriffs in der Denkschrift:
Gerechter Friede in einer Welt der Unordnung
Kriege und Krisen prägen immer mehr das aktuelle Weltgeschehen. Auch die Kirchen fühlen sich herausgefordert, sich mit dieser Situation zu beschäftigen. In einer Friedensdenkschrift vom November 2025 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hierzu Stellung genommen. Einzelheiten dazu waren an einem Vortragsabend zu hören.
Zulässigkeit von Gewalt und gerechter Frieden
„Ist Gewaltanwendung in einer Bedrohungssituation aus christlich-ethischer Sicht erlaubt, um Demokratie, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erhalten?“ Anhänger einer radikalen Gewaltfreiheit würden diese Frage weitgehend verneinen. Eine differenziertere Antwort darauf formuliert dagegen die neue Friedensdenkschrift der EKD. In einem Vortrag hat als Wissenschaftlerin und als Mitglied des Rates der EKD Sr. Professorin Dr. Nicole Grochowina diese Denkschrift vorgestellt. Eingeladen dazu hatte das Evangelische Bildungswerk Oberpfalz zusammen mit dem Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing in Weiden. Die Frage nach der Zulässigkeit von Gewaltanwendung wurde erst später im Vortrag beantwortet. Vorrangig gehe es darum, einen „gerechten Frieden“ anzustreben, sagte die Professorin.
Breites Meinungsspektrum und zentrale Aussagen
Über den Weg zu diesem Frieden diskutierte bei der Abfassung der Denkschrift ein breites Feld von Experten. Ihr Spektrum reichte von der Bundeswehr bis hin zur Friedensbewegung. „Der Text ist Ausdruck des Ringens derer, die ihn hervorgebracht haben“, sagte Grochowina. Formuliert worden sei „keine abschließende Antwort, sondern eine Hilfe zur Urteilsfindung für den Einzelnen“. Dabei sei es auch darum gegangen, dass „Gewalt mehr ist als Krieg“.
Friedenstüchtigkeit, Schutz und rechtserhaltende Gewalt
Sie betreffe auch andere Konflikte im analogen und im digitalen Raum. Schließlich reiche der gerechte Frieden auch in das Privatleben hinein. Generell gelte: „Eine Friedensethik muss auf dem Primat des Gewaltverzichts basieren, und vor allem gelte es, der Verheißung des Friedens aus dem Evangelium nachzujagen.“ Anders als es aus der Politik zu hören sei, fordere die Friedensdenkschrift grundsätzlich keine Kriegstüchtigkeit, sondern eine Friedenstüchtigkeit. Das allein schaffe jedoch noch keinen „gerechten Frieden“. Dieser beinhalte nämlich auch den „Schutz vor Gewalt“. Schließlich gelte: „Wenn der Staat sich nicht schützt, kann Gemeinwohl und Freiheit nicht bestehen.“
Gewissensbildung statt Gewissensbindung
Deshalb sei eine rechtserhaltende Gewalt ethisch zu rechtfertigen. Gewalt sei aber immer „Ultima Ratio“, und als Gegengewalt brauche sie zwingend einen Rechtfertigungsgrund. Freiheit in der Gemeinschaft müsse dort ihre Grenzen finden, „wo die Zerstörung des Zusammenhalts droht“. Insofern wendet sich die Friedensdenkschrift gegen den absoluten Pazifismus als politische Theorie, wenngleich Grochowina durchaus Verständnis für jemanden zeigt, dem eine solche Entscheidung schwerfällt. Schließlich sei „die Realität und der Anspruch des Evangeliums nicht immer deckungsgleich“.
Darüber hinaus beinhalte ein gerechter Frieden auch „Verteilungsgerechtigkeit und Teilhabe“ sowie die Anerkennung religiöser und weltanschaulicher Vielfalt. Insgesamt solle die Denkschrift einer „Gewissensbildung“ und nicht einer „Gewissensbindung“ dienen. Verständnis zeigte die Expertin gegenüber Einwänden, dass „zivile Konfliktlösungen in der Denkschrift unterrepräsentiert sind“. Diesbezüglich wurden auch bereits Arbeiten an einer Ergänzung aufgenommen.
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