Energiewende unter Strom: RE Solar lädt die Politik zum Klartext ein
Energiewende unter Strom: RE Solar lädt die Politik zum Klartext ein
Hubert Hösl, Gründer und Geschäftsführer von RE Solar, hatte dazu mehrere Kommunalpolitiker an einen Tisch geholt. Sein Anliegen: nicht übereinander, sondern miteinander reden. Denn die Energiewende findet nicht irgendwo in Berlin statt, sondern auf Dächern, in Gewerbebetrieben, in Kommunen und auf den Flächen der Region.
„Parksteiner Impuls“ für die Politik
Der Einladung waren folgende Politiker gefolgt: Günter Stich (SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag), Gregor Forster (SPD-Unterbezirksvorsitzender), Manfred Plößner (FW-Kreisrat), Harald Neumann (Grünen-Kreisrat), Karl Meier (FW-Kreisrat), Reinhard Sollfrank (FW, Bürgermeister Parkstein), Sonja Reichold, Grüne, dritte Bürgermeisterin Parkstein), und Josef Langgärtner (FW, zweiter Bürgermeister Parkstein und Vorstandsvorsitzender der Bürgerenergie Parkstein). Sie alle unterschrieben den von Hubert Hösl vorbereiteten „Parksteiner Impuls“, der an die zuständigen Landes- und Bundespolitiker aller Parteien verschickt werden soll. Bedauert wurde, dass keiner der eingeladenen CSU-Politiker (MdB Albert Rupprecht, MdL Dr. Stephan Oetzinger, Landrat Andreas Meier) der Einladung von Hösl gefolgt war.
88 Gigawatt fehlen noch
Wie groß die Herausforderung der Energiewende ist, zeigen die Zahlen. Deutschland will bis 2030 mindestens 80 Prozent seines Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien decken. Bei der Photovoltaik fehlen dafür nach aktuellem Stand noch rund 88 Gigawatt Leistung. Das entspricht grob einem weiteren Zubau von knapp 20 Gigawatt pro Jahr. Gleichzeitig wird über neue Fördermodelle, Direktvermarktung und mehr Netzverträglichkeit diskutiert. Aus Sicht der Runde besteht dabei die Gefahr, dass genau jene Investitionen schwieriger werden, die für den weiteren Ausbau gebraucht werden.
Denn die Energiewende besteht längst nicht mehr nur aus Solarmodulen. Speicher, Energiemanagement, Ladeinfrastruktur, Wärmetechnik und Netze müssen zusammenspielen. Genau hier setzt die Diskussion bei RE Solar an. „Warum geht man hier gezielt auf die kleinen Stromerzeuger los?“, fragte Hubert Hösl und forderte, die großen Netzbetreiber in die Pflicht zu nehmen. „Die Netze auszubauen, wäre der deutlich bessere Weg.“
Warum geht man hier gezielt auf die kleinen Stromerzeuger los?
Hubert Hösl, Gründer und Geschäftsführer von RE Solar.
Nicht nur Strom produzieren – Energie intelligent nutzen
Ein Beispiel ist die Photovoltaik auf dem eigenen Dach. Sie erzeugt Strom – aber was passiert mit ihm, wenn gerade niemand im Gebäude ihn benötigt? Dann kommen Speicher, intelligentes Energiemanagement oder insbesondere eine gute Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ins Spiel. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr allein: „Wie viel Solarstrom können wir erzeugen? Sondern: Wie bekommen wir diesen Strom zur richtigen Zeit an den richtigen Ort?
Gerade kleinere Dachanlagen spielen dabei eine wichtige Rolle. Anlagen bis 30 Kilowatt machen inzwischen mehr als ein Drittel der installierten Photovoltaikleistung in Deutschland aus. Gleichzeitig warnt die Solarbranche davor, dass Veränderungen bei Förderung und Direktvermarktung Investitionen im kleinen Dachsegment bremsen könnten. „Das ist ein Lobby-Gesetz. So funktionieren die Erneuerbaren nicht“, kritisierte Hösl. Reinhard Sollfrank forderte mehr kleinere, dezentrale PV-Anlagen. „Dafür sind intelligente Netze und Speicher notwendig. Es gibt noch viele freie Dachflächen, zum Beispiel auf Industrieanlagen, die genutzt werden könnten.“
Was auf dem Dach beginnt, wirkt in der ganzen Region
Für RE Solar ist das Thema deshalb auch eine Frage der regionalen Wirtschaft. Hinter einer Photovoltaikanlage stehen nicht nur Module und Wechselrichter. Beratung, Planung, Elektroarbeiten, Dachmontage, Speicher, Energiemanagement, Ladeinfrastruktur und Wartung schaffen Wertschöpfung vor Ort. Sonja Reichold hat zur neuen Novelle der Bundesregierung eine klare Meinung: „Will man die Erneuerbaren wieder kaputt machen? Josef Langgärtner schlug das österreichische „Energy-Sharing“ als gutes Modell auch für Deutschland vor. Der Vorstandsvorsitzende der Bürgerenergie Parkstein kritisierte, dass Genehmigungsverfahren oft behindert würden. „Das kann kein normal denkender Mensch verstehen.“
Das macht die Diskussion auch für Kommunen interessant. Denn sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Unternehmen: Energie muss bezahlbar bleiben, Netze müssen mit dem wachsenden Stromangebot umgehen können und gleichzeitig sollen möglichst viele regionale Potenziale genutzt werden. Reinhard Sollfrank bemängelte die oft langwierigen und unbegründeten Behördenverfahren beim Thema Windkraft – von der Regierung bis hinunter zum Landkreis. „Hier wird nicht nach Lösungen, sondern nach Problemen gesucht.“ Die meisten Kreisräte stünden zwar hinter der Energiewende, wüssten aber nicht, wie man das Thema forciere. Er könne nicht akzeptieren, dass dem Bau von Windrädern oft solche große Steine in den Weg gelegt würden. „Beispiel Hessenreuther Wald: Dort wurde eine Autobahn durch den Wald gebaut, aber Windkraftanlagen werden abgelehnt.“
Oft wird nicht nach Lösungen, sondern nach Problemen gesucht.
Reinhard Sollfrank, Bürgermeister von Parkstein.
Politik trifft Praxis
Genau diese Verbindung wollte Hubert Hösl mit dem fachpolitischen Runden Tisch herstellen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo heutige Regeln Investitionen, Netzintegration und regionale Wertschöpfung ausbremsen – und an welchen Stellschrauben sich konkret etwas ändern müsste. Dabei gehe es nicht um ein grundsätzliches „gegen“ Regulierung. Mehr Systemverantwortung sei notwendig, wenn immer mehr erneuerbarer Strom ins Netz komme. Entscheidend sei vielmehr das richtige Maß: Wie kann das Energiesystem stabiler und intelligenter werden, ohne diejenigen abzuschrecken, die heute investieren?
Gregor Forster forderte „klare Leitplanken“ für Unternehmen und Bürger. „Man muss sich auf die Förderung verlassen können. Wenn die gekappt wird, ist das höchst innovationsfeindlich.“ Günter Stich erinnerte an das ursprüngliche EEG, das sich als Segen für viele Gemeinden erwiesen habe. „Vor allem der genossenschaftliche Gedanke hat uns recht gegeben. Heute sitzen hauptsächlich in Berlin Leute an verantwortlicher Position, die von der Thematik keine Ahnung haben.“ Er habe den Eindruck, dass eine echte Energiewende von den großen Anbietern nicht gewollt sei.
Wenn die Förderung von PV-Anlagen gekappt wird, ist das höchst innovationsfeindlich.
Gregor Forster, SPD-Unterbezirksvorsitzender.
„Deutschland wird bei der Energiewende abgehängt“
Hubert Hösl warnte davor, dass Deutschland bei der Energiewende abgehängt werde, wenn es so weitergehe. „Die Bundesregierung muss ihre Politik ändern und die Netzbetreiber an die Kandare nehmen.“ Heute würden Gaskraftwerke dafür bezahlt, dass sie als Reserve stillstehen. „Im Gegenzug werden die kleinen Stromerzeuger beschnitten. Das kann es doch nicht sein.“ RE Solar stehe dagegen beispielhaft für den Wandel. Was mit Photovoltaik begonnen hat, entwickelt sich zunehmend zu einem ganzheitlichen Ansatz. „Wir denken Erzeugung, Speicherung, Verbrauch und Vermarktung gemeinsam.“
Die Botschaft aus Parkstein ist deshalb ziemlich klar: Die Energiewende wird nicht allein durch politische Beschlüsse gelingen. Sie benötigt Unternehmen, Handwerk, Kommunen und Bürger, die investieren und neue Lösungen umsetzen. Und sie benötigt Rahmenbedingungen, die genau das ermöglichen – statt ausgerechnet diejenigen auszubremsen, die vor Ort bereits losgelegt haben.




