Erste Sitzung des neuen Weidener Stadtrats: jünger, männlicher, rechter – Mit Bildergalerie

Erste Sitzung des neuen Weidener Stadtrats: jünger, männlicher, rechter – Mit Bildergalerie
Am Montag ab 15.30 Uhr füllt sich der große Rathaussaal. Viele Stadträte – vor allem die 17 neuen Mandatsträger – haben Zuhörer mitgebracht. Stephan Gollwitzers Zwillinge halten brav durch, gehütet von Mama Maria Sponsel, einer von fünf Stadträtinnen, die ihr Mandat verloren hat. Der CSU-Mann wird später zum zweiten Bürgermeister gewählt. Robyn Arnolds Freunde von den Linken genehmigen sich vor Sitzungsbeginn vor dem Rathaus noch ein Helles aus der Flasche.
Im Sitzungssaal sind viele neue Gesichter. Von den 17 neuen Stadträten sind fünf von der AfD, die schon mangels personalisierter Wahlplakate niemand kennt. Fraktionsvorsitzenden Ferdinand Adam können die meisten noch zuordnen. Aber Ajazi Valdrin, Reinhold Mages, Michael Panhans und Michael Schröder?
Die AfD-Fraktion ist zwischen Bürgerliste und CSU-Fraktion platziert worden. AfD-Bundestagsabgeordneter Manfred Schiller – der einzige, der bisher schon Stadtrat war – nimmt neben Stephan Gollwitzer von der CSU Platz. Stefan Rank (Bürgerliste) sitzt neben neben AfD-Mann Schröder.
Auffallend: kaum Frauen
Die Sitzordnung bildet ein Hufeisen, in dessen Mitte die Junge Liste und einige CSU-Stadträte platziert wurden. Was auffällt: Die rechte Seite des Hufeisens ist komplett frauenlos. Man muss keine Feministin sein, um festzustellen, dass der Frauenanteil extrem niedrig ist. Weiden zählt (Stand 31. März 2026) 42.444 Einwohner. 51,4 Prozent davon sind Frauen und damit 21.813.
Im Stadtrat sitzen gerade mal acht Frauen – bei 40 Mandatsträgern plus Oberbürgermeister. In der CSU-Fraktion sind mit Stefanie Sperrer und Ilona Forster ohnehin nur zwei Frauen. Bürgerliste, AfD, die Freien: keine einzige Frau.
SPD und Grüne entsetzt über vierte Bürgermeisterin – umsonst
Bei der SPD und den Grünen haben sie das Sagen. SPD-Fraktionsvorsitzende Hildegard Ziegler und Grünen-Fraktionschefin MdL Laura Weber fordern vergeblich ein, dass einer der beiden Bürgermeister-Posten mit einer Frau besetzt wird. Gerade vor dem Hintergrund der extremen Unterrepräsentierung.
Mit mit der Mehrheit von CSU, JU und Bürgerliste wird ein vierter Bürgermeister eingeführt – allerdings ohne Aufwandsentschädigung. Diese beträgt bei den beiden anderen Stellvertretern immerhin 989 Euro pro Monat plus 148 pro Vertretungstag). Der vierte Bürgermeister mit der 25-jährigen Neu-Stadträtin Saskia Kosmus (Junge Union) besetzt. „Nichts gegen Sie“, sagt Laura Weber, „aber das ist haarsträubend.“ Eine Frau, na gut, aber unbezahlt.
Ein Vorteil der neuen Mehrheitsverhältnisse: Anders als Ex-OB Jens Meyer muss sich Zeitler keine Mehrheiten suchen. Er hat sie. Und so geht es ratzfatz durch die Beschlussvorlagen. Die AfD stichelt ein wenig. Fraktionsvorsitzender Adam bemerkt zum Beispiel, dass die Geschäftsordnung in puncto Ordnungsgeld erweitert wurde. Künftig werden störende Stadträte mit 500 Euro bestraft. „Hat man das wegen uns eingeführt?“
Die SPD versucht in mehreren Anträgen, zumindest in den Ausschüssen vertreten zu sein. Die Anträge werden zur Kenntnis genommen. Dann wird abgestimmt – und die SPD überstimmt. Noch vor 18 Uhr ist die Sitzung zu Ende.
„Ein deutliches Zeichen, was in den nächsten sechs Jahren auf uns zukommt“
Auf Social Media reagierten die Fraktionssprecherinnen der Opposition auf die erste Sitzung. „Die Sitzung hat leider ein deutliches Zeichen gesetzt, was in den nächsten 6 Jahren auf uns zukommt“, kommentiert Hildegard Ziegler (SPD). „Sämtliche Vorschläge der SPD-Fraktion sowie von Bündnis 90/Die Grünen wurden pauschal von der CSU und einer konservativen Mehrheit abgelehnt.“
Grünen-Abgeordnete Laura Weber schreibt: „Auf eine gute Zusammenarbeit! Schade, dass weder der neu gewählte Oberbürgermeister noch die CSU hierfür ein Zeichen in der konstituierenden Sitzung gesetzt haben. Die zweitgrößte Fraktion wird in keiner Weise berücksichtigt, die gesamte Stadtspitze (OB, 2. Bgm., 3. Bgm. und Stellvertretung) haben ein CSU/JU-Parteibuch. So geht Zusammenarbeit nicht. Trotzdem wünsche ich gutes Gelingen und freue mich auf die kommenden 6 Jahre.“























