Handwerkspräsident aus Regensburg fordert Kurswechsel der Bundespolitik

Handwerkspräsident aus Regensburg fordert Kurswechsel der Bundespolitik
Einen eindringlichen Appell richtet Ostbayerns Handwerkspräsident Dr. Georg Haber zum Jahresauftakt an die Bundespolitik: Die Geduld im Handwerk sei weitgehend aufgebraucht. „Wir warten seit Monaten auf grundlegende und mutige Strukturreformen. Versprochen wurden sie. Geliefert wurde bislang wenig“, sagt Haber.
Bürokratie, Energiekosten und Infrastruktur bremsen Betriebe
Vor allem kleine und mittelständische Betriebe stünden unter massivem Druck. Bürokratie, hohe Energiekosten, infrastrukturelle Defizite und die Überlastung der Sozialsysteme seien längst keine abstrakten Probleme mehr, sondern bedrohten die wirtschaftliche Substanz vieler Handwerksunternehmen. „Von einer echten Wirtschaftswende kann bislang keine Rede sein“, so Haber. Das habe Folgen – nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch. „Das Vertrauen in die Politik schwindet. Und das ist für unsere Demokratie brandgefährlich.“
Besonders deutlich wird der Handwerkspräsident beim Thema Bürokratie. Die Digitalisierung der Verwaltung komme nur schleppend voran. „Es kann doch nicht sein, dass Unternehmensdaten immer wieder neu gemeldet werden müssen – oft noch nicht einmal vollständig digital“, kritisiert Haber. Dabei gehe es nicht um Komfort, sondern um Zeit und Wettbewerbsfähigkeit. Das Thema habe er zuletzt auch als Mitglied des Mittelstandbeirats mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in Berlin erörtert.
Betriebsnachfolge: Tausende Betriebe suchen Nachfolger
Sorgen bereitet dem ostbayerischen Handwerk zudem die Betriebsnachfolge. In den kommenden Jahren stehen Tausende Betriebe zur Übergabe an. Doch die Rahmenbedingungen schrecken potenzielle Nachfolger ab. „Viele junge Handwerker berichten uns, dass Übernahmen wirtschaftlich immer unattraktiver werden“, sagt Haber. Hinzu komme, dass Banken bei der Finanzierung zunehmend zurückhaltend seien. „So verspielen wir wertvolle unternehmerische Substanz.“
Auch die Diskussion um eine mögliche Aufweichung der Fach- und Teillosvergabe bei öffentlichen Aufträgen sieht Haber kritisch. Eine stärkere Generalunternehmervergabe würde mittelständische Betriebe faktisch ausschließen. „Allein in unserem Kammergebiet betrifft das rund 20.000 Betriebe mit etwa 100.000 Beschäftigten“, warnt er. Der Erhalt des Losgrundsatzes sei eine „Nagelprobe für eine mittelstandsfreundliche Politik“.
Arbeitszeit: Mehr Flexibilität gefordert
Beim Thema Arbeitszeit plädiert Haber für mehr Flexibilität. Starre Regelungen passten nicht mehr zu den Anforderungen vieler Betriebe – und auch nicht zu den Erwartungen vieler Beschäftigter. Gerade jüngere Arbeitnehmer wünschten sich größere Spielräume. „Neue Modelle müssen verantwortungsvoll ausgestaltet werden, aber Denkverbote helfen niemandem“, so Haber.
Fazit zum Jahresauftakt
Trotz aller Kritik warnt der Handwerkspräsident vor Schwarzmalerei. „Das Handwerk hält dem Druck noch stand“, sagt er. Doch klar sei auch: Leistungsbereitschaft allein reiche nicht. „Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt von fairen und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen ab – und zwar solchen, die länger tragen als eine Legislaturperiode.“ Handwerk und Mittelstand seien das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, betont Haber. „Das ist keine Floskel, sondern Realität.“
Wer sie schwäche, schade dem gesamten Standort. Sein Fazit zum Jahresauftakt fällt daher nüchtern aus: „Die Probleme liegen auf dem Tisch. Jetzt braucht es entschlossenes Handeln – nicht neue Ankündigungen.“




