BHS Corrugated startet HERimpact: Vielfalt als Wettbewerbsfaktor
BHS Corrugated startet HERimpact: Vielfalt als Wettbewerbsfaktor
Die Videobotschaften von CEO Lars Engel und Markus Winkler, die augenzwinkernd staatsmännische Einführung Lists, die persönliche Rahmung von Pauline Engel und Silvia Specht sowie die analytische Schärfe der Keynotes von Eva Gengler und Yvonne Hägle machen klar: Hier geht es nicht um Symbolik. Hier geht es um Struktur.
Führung heißt: Komfortzone verlassen
Lars Engel formuliert es präzise: HERimpact stehe für Leistung, Kompetenz und Potenzial – Werte, die bei BHS nicht neu sind, aber stärker verankert werden müssen. Sichtbarkeit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit hängen zusammen. Wer Potenziale nicht erkennt, verliert im globalen Wettbewerb.
Markus Winkler ergänzt aus der Perspektive des internationalen Servicegeschäfts: Vielfalt ist Alltag, aber sie braucht Programme – und Menschen, die sie fördern. Gerade im Maschinenbau seien Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Wer weltweit erfolgreich sein will, muss gleiche Chancen schaffen.
„Wer führen will, muss Menschen mögen“
Dann tritt Thomas List ans Pult. 44 Jahre, CFO, 1,96 Meter groß, mit augenzwinkernder Selbstreflexion über Privilegien. Seine Botschaft ist klar: „Wer führen will, muss Menschen mögen.“ Und wer Menschen führen will, muss sich seiner eigenen Verzerrungen bewusst sein. Er spricht von der Komfortzone. Von dem Reflex, sich angegriffen zu fühlen, wenn strukturelle Vorteile benannt werden. „Privilegiert zu sein ist nicht schlimm. Aber wenn man es nicht wahrnimmt und nichts dagegen tut, reproduziert man das System.“
HERimpact sei kein Frauenprogramm. Sondern ein strukturiertes Lern- und Entwicklungsprogramm für das Unternehmen. Es gehe darum, dass alle von derselben Startlinie loslaufen. Dass Führungskräfte bewusst Raum machen. Dass Sichtbarkeit nicht vom Zufall abhängt.
Wir machen das nicht, weil wir nett sein wollen. Wir machen es, weil wir Potenzial sehen, das ungenutzt daliegt.
Thomas List
Sichtbarkeit ist kein Zufall, sie ist gestaltbar
Silvia Specht knüpft persönlich an. Mutter zweier kleiner Kinder, in Vollzeit eingestiegen, Führungskraft – unterstützt, aber bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist. Eine Episode bleibt hängen: Ein Kollege höherer Hierarchieebene sagt nach einem suboptimalen Geschäftstreffen: „Da hätten wir jetzt ihren weiblichen Charme gebraucht.“ Nicht böse gemeint. Aber reduzierend. Wirkungsvoll.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Kompetenz geschätzt würde – und ärgerte mich, nicht schlagfertiger reagiert zu haben.
Silvia Specht
Gehirn im Energiesparmodus
Genau hier setzt Yvonne Hägle an. Die zertifizierte Diversity-Managerin zerlegt in ihrer Keynote die Mechanik unbewusster Vorurteile. „Unser Gehirn arbeitet im Energiesparmodus.“ Nur fünf Prozent unserer Entscheidungen sind bewusst. Geschwindigkeit schlägt Genauigkeit. In diesen Sekundenbruchteilen wirken Muster.
- Performance Bias
- Similarity Bias
- Visibility Bias
Das Harvard-Experiment: Gleiche Erfolgs-Vita, Eliteuni, Ehrgeiz, einmal mit „Howard“, einmal mit „Heidi“ besetzt. Howard gilt der studentischen Versuchsgruppe als kompetent und sympathisch. Heidi der zweiten als zu bossy, ehrgeizig und wenig teamfähig. Gleiche Daten, unterschiedliche Bewertung.
KI ist nicht neutral, sie ist ein Machtinstrument
Die zweite Keynote verschiebt den Fokus auf eine strukturelle Ebene: Technologie. Eva Gengler, promovierte Wirtschaftsinformatikerin und Buch-Autorin von „Feministische KI“, zeigt anhand drastischer Beispiele, dass Künstliche Intelligenz bestehende Machtverhältnisse reproduziert.
Recruiting-Algorithmen, die Frauen benachteiligen. Medizinische Systeme, die Krankheiten bei Männern besser erkennen, weil mehr Daten vorhanden sind. Bild-Fotos, die normschöne, weiße Führungskräfte generiert, wenn man einen typischen deutschen CEO in den Prompt eingibt. KI lernt aus Vergangenheit. Und verstärkt, was dort angelegt ist. Sie analysiert vier Hebel:
- Wer trifft Entscheidungen?
- Welche Daten fließen ein?
- Wie wird gestaltet?
- Welchem Zweck dient das System?
Es gibt auch aufgeweckte KI
Gengler fordert intersektionale Perspektiven, Diversity-Checks, transparente Governance. Nicht nur mehr Frauen, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit Machtstrukturen insgesamt. Und sie liefert positive Beispiele: Bayerische Gesundheits-KI-Projekte, die Versorgungslücken schließen. Software, die Unternehmensdaten auf strukturelle Gaps analysiert. Anwendungen für Opfer häuslicher Gewalt. Die Botschaft:
KI ist gekommen, um zu bleiben. Die Frage ist, wer sie gestaltet – und für wen.
Eva Gengler
Von der Bühne in die Struktur
Pauline Engel, Vertreterin der Next Generation, bringt es auf den Punkt: „Studien zeigen, dass divers zusammengesetzte Teams bessere Ergebnisse liefern.“ Ein Blick in Führungsetagen genügt, um zu erkennen, wie viel Potenzial noch brachliegt.
HERimpact will Momentum schaffen:
- Mentoring-Programme
- Austauschformate
- Externe Impulse – etwa ein moderiertes Gespräch mit Stefanie Zälke-Schmidt.
- Netzwerk als dauerhafte Plattform.
Vielfalt ist kein Zusatz, sie ist Strategie
Was bleibt von diesem Abend? Nicht der Applaus. Nicht die Häppchen. Sondern eine strategische Klarheit: Ein globaler Maschinenbauer, der seine Innovationskraft steigern will, kann es sich nicht leisten, strukturelle Verzerrungen zu ignorieren. Vielfalt ist kein Image-Accessoire. Sie ist ökonomische Vernunft.
Wenn Führung heißt, Menschen zu mögen, dann heißt moderne Führung auch, Strukturen zu hinterfragen. Bias nicht als moralisches Problem zu begreifen, sondern als betriebswirtschaftliches Risiko. Und Diversität als Hebel für bessere Entscheidungen.
HERimpact ist damit kein Event. Es ist ein Versprechen. Dass bei BHS nicht nur über Zeitenwenden gesprochen wird – sondern über Startlinien, von denen alle mit gleichen Chancen starten.















