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Kampf ums Landratsamt Schwandorf: Marianne Schieder will’s nochmal wissen

Altendorf. Holzvertäfelung, ein Herrgottswinkel, Bilder mit Patina an den Wänden, leidenschaftliche Stammtischdebatten – und mittendrin eine Frau, die den Landkreis Schwandorf regieren will. Marianne Schieder (SPD) stellt sich im Altendorfer Wirtshaus Sorgenfrei den Fragen der Bürger.

Kampf ums Landratsamt Schwandorf: Marianne Schieder will’s nochmal wissen

Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Ein Wirtshausgespräch jagt das nächste: Erst Altendorf, dann Unterauerbach. Während die AfD längst TikTok erobert hat, die anderen Parteien zwischen Haustürwahlkampf, Marktplatzständen und Social Media changieren, wollen zumindest die Schwandorfer Sozis zurück zu den Wurzeln. Zur Basis.

Die Sozialdemokraten glauben: Wenn man den Stammtisch zurückerobert, dann vielleicht auch den Landkreis. Dort, wo man seit der Ära des unvergessenen Anti-WAA-Helden Hans Schuierer einmal eine Oberpfälzer Hochburg besaß. Die Krux dabei: Nicht nur den Parteien gehen ihre Stammwähler abhanden, auch den Wirtshäusern fehlen die Stammgäste.

Christa Weigl (62), Kreistagskandidatin und Arzthelferin aus Schwandorf-Bubach, bedauert den Verlust der Wirtshauskultur. Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Kümmerin auf der Suche nach Wählern

Christa Weigl (62), Kreistagskandidatin undArzthelferin aus Schwandorf-Bubach, bringt’s auf den Punkt: „Die Leute gehen höchstens noch zum Essen ins Gasthaus. Früher hat man hier sein Bier getrunken und über Gott und die Welt diskutiert.“ Der gesellschaftliche Wandel spätestens seit Corona lässt auch die SPD-Landratskandidatin Marianne Schieder etwas ratlos zurück:

Wie sich die Menschen ein Bild machen von Kandidaten, die sie gar nicht kennen können, das beschäftigt mich – wie soll ich den Leuten meine Inhalte näherbringen, wenn sie nicht kommen?

Marianne Schieder

Wer 30 Jahre Politik vor Ort, im Landtag, im Bundestag gestaltet hat und sich als Kümmerin um die Anliegen der Bürger im Landkreis versteht, versteht die Welt nicht mehr, wenn die AfD den sprichwörtlichen Besen aufstellen kann und der mehr Stimmen auf sich vereint als die Frau, die mit dem Slogan „Unsere Marianne – eine von uns“ wirbt. „Und wenn dann auch noch die Tageszeitung unsere Veranstaltungen nicht ankündigt, wird’s ganz schwierig.“

Marianne Schieder braucht kein Podium und kein Mikro: Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Politik beginnt im Wirtshaus

Dennoch, aufgeben zählt nicht. Wer verstehen will, wie Kommunalpolitik funktioniert, muss an Orte gehen, wie diesen: ins Sorgenfrei in Altendorf, wo Wirt Günter Graf die gute Stube aufschließt und die SPD ihre Kreistagskandidaten um die Landratskandidatin versammelt. Für das Original hinter dem Tresen, der heute den Laden alleine schmeißt, eine Art soziologischer Beobachtungsposten: „Letzte Woche waren die Schwarzen da, heute die Roten“, sagt er lakonisch.

„Solange die nicht verstehen, dass die Jungen die AfD nicht wegen ihrer Eltern wählen, wird das nichts.“ Vielleicht sollte die SPD auf der Suche nach der Basis Günter als Berater engagieren. An den Tischen sitzen verdiente Kommunalpolitiker mit Jahrzehnten Amtserfahrung, junge Kandidaten, Vereinsvertreter, auch ein paar parteilose Bürger. Zwischen Bierkrügen und Brotzeitbrettln wird diskutiert – nicht geschniegelt wie im Sitzungssaal, sondern so, wie Politik auf dem Land gemacht wird: direkt, laut, manchmal widersprüchlich, aber um viele Dezibel lebendiger als auf Facebook.

OTH Amberg-Weiden
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Politikerin vom Bauernhof

Schieder steht vorne im Raum, keine Bühne, kein Pult, nur ein paar Schritte Platz zwischen den Tischen. Wer sie kennt, weiß: Das passt zu ihr und ihrem lauten Organ. Ein Mikrofon hat sie nicht nötig. Sie redet wie ihr der Oberpfälzer Schnabel gewachsen ist. Ohne Floskeln. Die Landratskandidatin beginnt mit ihrer Geschichte.

Für die Altendorfer ist es nicht neu: Mein Vater kommt aus dem Ortsteil Schirmdorf, deshalb habe ich eine ganz besondere Beziehung zu Altendorf.

Marianne Schieder

„Ich bin im schönen Dorf Schwarzberg aufgewachsen“, sagt sie und erzählt von ihrer Kindheit auf dem Bauernhof bei Wernberg-Köblitz, ihren vier Schwestern, vom Abitur in Nabburg, vom Jurastudium in Regensburg. Die politische Laufbahn ist lang: 11 Jahre Bayerischer Landtag, 20 Jahre Bundestag, zuletzt Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion. Dazu 30 Jahre Kommunalpolitik als Kreisrätin und stellvertretende Landrätin.

Leidenschaftliches Plädoyer für mehr Bürgernähe beim Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Warum sie noch einmal kandidiert

Doch wichtiger als die gesammelten Funktionen ist ihr etwas anderes: „Ich habe ein kommunalpolitisches Gen.“ Ihr Großvater war Bürgermeister. Schwestern, Nichten, Neffen sind ebenfalls kommunalpolitisch aktiv. Politik, so erzählt sie, sei bei ihnen Familiengeschichte – nicht Karriereplanung. Bei der vorletzten Landratswahl hatte Schieder den Posten knapp verpasst. Nach einer hauchdünnen Führung von 44,15 zu 43,60 Prozent verlor sie in der Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten und heutigen Landrat Thomas Ebeling in der Stichwahl.

Viele hätten danach einen Schlussstrich gezogen. Nicht die Marianne. „Es kann doch nicht sein, dass die SPD keinen Kandidaten stellt“, sagt sie und wird deutlich: Demokratie brauche Wettbewerb. Gerade jetzt. „Wir können nicht jeden Tag sagen, dass die Demokratie unter Druck steht – und dann tritt keiner an.“ Neben Amtsinhaber Ebeling kandidieren lediglich Bewerber der AfD, der Linken und der CWG. Freie Wähler und Grüne verzichten dagegen auf eigene Kandidaten. Schieder empfiehlt sich als Kandidatin der demokratischen Mitte.

So geht Stammtischdebatte mit Nabburgs Altbürgermeister Armin Schärtl (rechts vorne) beim Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Zehn Punkte für den Landkreis

Das Programm ihrer SPD umfasst zehn Punkte – von Bildung über Wirtschaft bis zur Pflege. Im Mittelpunkt stehe der Mensch, sagt Schieder. Jeder solle seinen Platz finden – unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Besonders wichtig sind ihr Bildung und Infrastruktur. Der Landkreis betreibt 20 Schulen, darunter Gymnasien, Realschulen, Berufsschulen und Förderschulen. Hier müsse weiter investiert werden.

Dann die Wirtschaft: Während das Städtedreieck und Schwandorf gut dastünden, hätten Regionen im Osten des Landkreises größere Herausforderungen „Je weiter man nach Osten kommt, desto schwieriger wird es.“

Lisa Wilhelm (62), Stadträtin aus Nabburgfordert mehr Angebote für ältere Menschen, etwa Tagespflege oder einen Pflegestützpunkt beim Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Pflege, ÖPNV und der Streit um den Sitzungssaal

Ein Thema bringt Schieder besonders in Fahrt: die Pflege. Im Landkreis gebe es zu wenig Tagespflegeangebote und keinen zentralen Pflegestützpunkt. Ein entsprechender Antrag der SPD sei mehrfach gescheitert.

Eine Pflegekümmerin für 33 Gemeinden – das schafft doch kein Mensch.

Marianne Schieder

Auch beim öffentlichen Nahverkehr sieht sie Nachholbedarf. Das Baxi-System sei ein Anfang, aber keine endgültige Lösung. Und dann ist da noch der neue Sitzungssaal im Landratsamt. „8,2 Millionen Euro für einen Sitzungssaal, der drei- oder viermal im Jahr genutzt wird – das geht mir nicht in den Kopf.“ Ursprünglich seien einmal gut drei Millionen Euro im Gespräch gewesen. Jetzt drohe eine Kostensteigerung Richtung neun Millionen. „Ich habe noch keinen getroffen, der das versteht.“

Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Der Bürgermeister mahnt zur Realität

Altendorfs Bürgermeister Markus Schiesl schlägt in seinem Grußwort einen ähnlichen Ton an – allerdings aus der Perspektive seiner Gemeinde.  Der Landkreis Schwandorf hat für das Jahr 2025 eine Anhebung des Hebesatzes auf 46,5 Prozent geplant. Das belaste Altendorf erheblich. Dazu kämen die bürokratischen Hürden aus Bund und Land. „Das sind Dinge, die wir vor Ort nicht lösen können.“

Ein Beispiel aus seinem Alltag: Für die Ganztagsbetreuung an der Schule könnte er eine Küche für 25.000 Euro einrichten werden – Förderung gibt es wegen der Bagatellförderungs-Regel aber erst ab 50.000 Euro. „Warum müssen wir das aufblasen?“ Schiesl appelliert an die Wähler:

Wählt die, von denen ihr meint, dass sie euch am besten vertreten – aber keine AfD.

Bürgermeister Markus Schiesl
SPD-Kreisvorsitzender Peter Wein (38) betont die Leistungen der SPD-Landräte für den blühenden Landkreis Schwandorf beim Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Ehrenamt zwischen Idealismus und Frust

In der Diskussion meldet sich ein Bürger mit grundsätzlicher Kritik. Alle Politiker würden vom Ehrenamt reden – aber tatsächlich werde dafür zu wenig getan. Vergünstigungen, Sonderurlaub oder Anerkennung fehlten. „Darum nimmt das Engagement immer mehr ab.“ Schieder widerspricht teilweise. Auch Politik selbst sei für die meisten Ehrenamt. „Wir bekommen 40 Euro Sitzungsgeld.“ Die Realität sei kompliziert: Wer Verantwortung übernehme, trage auch Haftung. Für viele sei das abschreckend. Man müsse daher überlegen, ob manche Gemeinden künftig hauptamtliche Bürgermeister brauchen.

Ein anderer Gast empfiehlt Lösungen statt Klagen: „Ihr seid hier abgedriftet auf ein allgemeines Klagen“, sagt der 71-jährige Oberviechtacher. „Ich akzeptiere keine Klage, wenn mir nicht einer sagt, wie‘s besser geht. Nicht nur vor der Wahl, sondern permanent. Und zu schnelleren Bauanträgen: Da muss man dann schon einiges gesetzlich ändern.“

Ein Oberviechtacher Gast fordert Lösungen statt Klagen beim Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Stammtischpolitik – im besten Sinne

Zwischen den Wortmeldungen wird gelacht, diskutiert, manchmal abgeschweift. Genau dafür, sagt Schieder später, seien Wirtshäuser wichtig. „Da kann man auch einmal vom Thema abkommen.“ Doch der Abend zeigt auch etwas anderes: Politik im Landkreis Schwandorf lebt vom direkten Gespräch. Nicht von TikTok-Videos oder Wahlplakaten – sondern von Begegnungen im Wirtshaus.

Wer Demokratie fordert, sollte sich ein realistisches Bild von den Kandidaten und ihren Inhalten machen. Jedenfalls kommt man der Wirklichkeit hier, zwischen Bierdeckeln und Fairtrade-Ostereiern, um Längen näher als beim Glotzen auf manipulative Social-Media-Reels, deren Parolen man anders als am echten Stammtisch nicht widersprechen kann.

Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’S noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda
Vlnr.: Regierungspräsident Walter Jonas überreicht Marianne Schieder die Kommunale Verdienstmedaille in Silber. Konrad Kiener (1. Bürgermeister Wernberg-Köblitz) und Birgit Höcherl (stv. Landrätin Schwandorf) gratulieren. Foto: Regierung der Oberpfalz/Schmied
Leidenschaftliches Plädoyer für mehr Bürgernähe beim Bürgergespräch der SPD im Altendorfer Gasthaus Sorgenfrei: Landratskandidatin Marianne Schieder will’s noch einmal wissen. Foto: Jürgen Herda

Stimmen der Kreistagskandidaten

Christa Weigl (62), Arzthelferin aus Schwandorf-Bubach, Listenplatz 49: „Ich bin wegen Marianne hier hinter gefahren – nicht nur wegen der Brotzeit. Sie setzt sich für die Menschen ein.“

Johannes Kretschmer (28), Gemeinderat aus Teunz, Listenplatz 34: Jurist am Amtsgericht Regensburg, Kassier bei der SpVgg Teunz. „Ich will etwas für mein Dorf tun. Und eine bürgernähere Politikerin als Marianne findet man kaum.“

Karl Bley (67), Altbürgermeister von Nittenau, Listenplatz 20: 18 Jahre Bürgermeister, später Mitarbeiter im Bundestagsbüro Schieder. „Ich würde mich freuen, wenn Sie Marianne und mich unterstützen.“

Josef Biebl (71), ehemaliger Zweiter Bürgermeister von Oberviechtach, Listenplatz 40: 30 Jahre im Kreistag. „Wenn etwas zu regeln war, konnte man zu Marianne gehen – und sie hat es geregelt.“

Lisa Wilhelm (62), Stadträtin aus Nabburg, Listenplatz 9: „Wir brauchen mehr Angebote für ältere Menschen, etwa Tagespflege oder einen Pflegestützpunkt.“

Christina Bösl (68), Wackersdorf, Listenplatz 57: Sozialversicherungsangestellte.
„Das politische Klima motiviert mich, mich stärker für die Demokratie einzusetzen.“

Armin Schärtl (67), Altbürgermeister von Nabburg, Listenplatz 22: 24 Jahre im Kreistag. „Eine Frau, die so für die Region gekämpft hat – ihre Verdienste sind enorm.“

Peter Wein (38), Burglengenfeld, SPD-Kreisvorsitzender, Listenplatz 2: „Der Landkreis steht gut da – auch wegen der Vorarbeit sozialdemokratischer Landräte.“

Fabian Kammer (25), Bürgermeisterkandidat in Nittenau: Verwaltungsfachangestellter, Schachspieler und Fan des SSV Jahn Regensburg.