Marktgemeinderat beschließt vier-Millionen-Kredit in Kirchenthumbach

Marktgemeinderat beschließt vier-Millionen-Kredit in Kirchenthumbach
Kirchenthumbach verabschiedet einen Haushalt ohne Spaßfaktor. Bei vielen Kommunen ist derzeit Schmalhans der Küchenmeister. Der Kirchenthumbacher Marktgemeinderat reagiert auf die finanzielle Schieflage mit der Aufnahme eines Millionenkredits. „Das Geld wird knapp und einige Großinvestitionen kommen erst noch auf die Gemeinde zu: Wasser, Abwasser, Kläranlage.“ Bürgermeister Ewald Plößner und seine Ratsmitglieder sorgen sich um die finanzielle Entwicklung der Gemeinde. „Von freien Finanzspannen können wir nur noch träumen“, so die einleitenden Worte des Bürgermeisters in der wichtigsten Sitzung des Jahres. Ein Klagelied über steigende Ausgaben und geringere Einnahmen, in das auch Kämmerer Michael Eisner bei der Erörterung des Etatentwurfs für 2026 einstimmte. „Der Haushaltsausgleich bereitet besondere Probleme“, verkündete der „Schatzkanzler“ der Marktgemeinde.
Zwei Millionen Euro für den Landkreis
Die folgenden Erläuterungen des Haushaltsentwurfs machten das finanzielle Dilemma deutlich. Angewiesen auf die staatlichen Zuweisungen machen zwar die Schlüsselzuweisungen in Höhe von 1,46 Millionen Euro und der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer (2,5 Millionen Euro) als größte Einnahmeposten Hoffnung. Ein Blick auf den Ausgabenblock des Verwaltungshaushalts relativiert jedoch die vermeintlich guten Zahlen. Die Personalausgaben erreichen mit einer Steigerung von 12,1 Prozent fast eine Million Euro, die Zuweisungen an Verbände und die Kindergartenfinanzierung nagen mit 1,1 Millionen am Gesamtbudget und die Kreisumlage explodiert um 24 Prozent auf fast zwei Millionen Euro. Summen, die einschließlich Zinsen, allgemeiner Geschäftsausgaben und Umlagenverpflichtungen nur noch eine Zuführung zum Vermögenshaushalt in Höhe von 351.000 Euro ermöglichen.
4,2 Millionen Euro für den Tiefbau
Eine Entwicklung, die dem Gremium schon bei den Haushaltsvorberatungen vor allem mit Blick auf die unabdingbaren Investitionen in die leitungsgebundene Versorgungsstruktur, in Straßenerneuerungen und in Bildungsinvestitionen viel Kopfzerbrechen bereitete. Gleichwohl hieß es für Rat und Bürgermeister, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. Handlungsfähig bleiben und nicht entmutigen lassen, hieß in den Beratungen das Gebot der Stunde. Ein Credo, das sich ohne Luxusinvestitionen auf die Pflichtaufgaben konzentriert und ein Szenario, bei dem die Sachinvestitionen herausragen. Im Vermögenshaushalt 2026 verankert sind vor allem die Schwerpunkte zur Restfinanzierung der offenen Ganztagsschule (1,7 Millionen Euro), die gewaltige Summe von 4,2 Millionen Euro zur Finanzierung der Tiefbaumaßnahmen im Gebiet „Nickelsee“ und die Anschubkosten von 500.000 Euro zur Sanierung der Kläranlage. Ein Vermögenshaushalt ohne Spaßfaktor, so die Anmerkung von Kämmerer Michael Eisner.
Vier-Millionen-Euro-Kredit
Durch den daraus entstehenden negativen Finanzsaldo „strickte“ der Kämmerer einen „Finanzausgleich“ mit einer Rücklagenentnahme von 1,08 Millionen Euro, aus Beitragseinnahmen in Höhe von 648.000 Euro, mit Zuwendungen des Freistaates (2,13 Millionen Euro) und einer Kreditaufnahme von vier Millionen Euro. Hoffnungen bestehen auf Zuweisungen aus dem Sonder-Investitionsbudget des Bundes. „Dann könnten sich die Kreditaufnahmen reduzieren“, relativierte der Kämmerer die hohe Kreditaufnahme. Das Zahlenwerk hat auch Auswirkungen auf die Verschuldung der Marktgemeinde. Zum Jahresende errechnete der Finanzchef der Kommune einen Schuldenstand in Höhe von 6,7 Millionen Euro und eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2.055 Euro. Auf dem Konto der Allgemeinen Rücklage stehen zum Jahresende nur noch 119.000 Euro. Den Etat 2026 verabschiedete das Gremium einstimmig.
Die Eckdaten
Gesamthaushalt 16,455 Millionen Euro (im Vorjahr 16,733 Millionen Euro). Verwaltungshaushalt 8,88 Millionen Euro, Vermögenshaushalt 8,36 Millionen Euro. Kreditaufnahme vier Millionen Euro. Schuldenstand zum Jahresende 2026 6,7 Millionen Euro. Pro-Kopf-Verschuldung 2.055 Euro. Allgemeine Rücklage 118.000 Euro.
Wunsch nach Stabilisierungshilfen
Die Fraktionssprecher kommentierten die Haushaltslage der Marktgemeinde trotz steigender Verschuldung realistisch. „Bei den schwierigen Rahmenbedingungen zeigen wir Mut zum Handeln“, stellte Philipp Kroher für die CWG fest. „Wir investieren in die Zukunft und in die Lebensqualität der Bürger.“ „Die Wünsche sind größer als die finanziellen Möglichkeiten“, bedauerte Dominik Fraunholz. Der CSU-Sprecher regte an, über das Instrument der staatlichen Stabilisierungshilfen nachzudenken. „Die Finanzsituation ist sehr ernst“, merkte Dominik Brütting (SPD) an, um wie sein Vorredner das Thema Stabilisierungshilfe anzusprechen. „Wir kämpfen um eine attraktive Gemeinde“, beteuerte Brütting, um gleichzeitig an die längst fällige und seit Jahren angekündigte Neukalkulation der Wasser- und Abwassergebühren zu erinnern.
„Wir müssen sparen und dürfen dennoch nicht aufgeben. Das beweisen die mutigen Investitionen“, befand Georg Schraml für die Bürgergemeinschaft Thurndorf. Dritte Bürgermeisterin Silvia Schecklmann (WG Sassenreuth) verwies auf die starke Investitionstätigkeit, die der gesamten Gemeinschaft diene. Auch Rudi Stopfer von der Wählergemeinschaft Heinersreuth sah Lichtblicke im Haushaltswerk der Kommune. „Wir konzentrieren uns auf das Machbare und Unverzichtbare.“
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