Landrat stellt klare Forderungen zum Fischotter-Management an Bundesumweltminister Schneider

Landrat stellt klare Forderungen zum Fischotter-Management an Bundesumweltminister Schneider
In seinem Statement gegenüber dem Bundesumweltminister machte Landrat Roland Grillmeier deutlich, dass sich das „Land der Tausend Teiche“ und er selbst sowie seine Vorgänger seit vielen Jahren konsequent für die Belange der Teichwirtschaft einsetzen. Er freue sich, dass sich der Bundesumweltminister für das Kulturerbe Teichwirtschaft interessiere. Um nachvollziehen zu können, was kleinstrukturierte Teichwirtschaft bedeute, müsse man vor Ort mit Praktikern wie Alfred Stier sprechen.
Unterstützung aus der Praxis: Familie Stier
Alfred Stier und sein Sohn Josef hoben den kontinuierlichen Einsatz des Landrats und des Landkreises für die Teichwirtschaft hervor. Der Landkreis habe sogar einen Berufsjäger eingestellt, der im Wildtiermanagement – etwa bei Biber und Kormoran – unterstütze und perspektivisch auch beim Fischottermanagement eine wichtige Rolle spielen könne.
Bereits vor rund 20 Jahren habe der Besuch eines Bundesumweltministers dazu beigetragen, praktikable Lösungen beim Bibermanagement zu finden. Die Entnahme funktioniere dort gut, der Bestand sei dennoch gesichert. Unverständlich sei daher, warum Umweltverbände gegen regionale Entnahmelösungen klagten und damit Erfolg hätten. Dies sei kontraproduktiv und keine tragfähige Grundlage für einen kooperativen Naturschutz. Ziel müsse es sein, gemeinsam tragbare Lösungen zu entwickeln. Auch regionale Umweltverbände seien bereit, solche Lösungen mitzutragen – diese seien dringend notwendig.
Forschung und Schutzmaßnahmen in der Oberpfalz
Landrat Grillmeier verwies darauf, dass er immer wieder Runde Tische initiiert habe, um konstruktive Ansätze zu entwickeln. So konnte 2022 ein Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft angestoßen werden, das die Auswirkungen des Fischotters auf Artenvielfalt und Biodiversität untersucht und Grundlagen für geeignete Schutzmaßnahmen wie Zäune erarbeitet.
Der Landrat stellte zudem dar, dass von den zwei Millionen Euro, die der Freistaat Bayern jährlich für Entschädigungen im Zusammenhang mit dem Fischotter bereitstellt, rund die Hälfte in die Oberpfalz fließe. Die beiden Säulen Entschädigung und Zaunbau allein reichten jedoch nicht aus. Derzeit sei nicht einmal ein Prozent der Teiche eingezäunt. 1,80 Meter hohe Zäune um sämtliche Teiche könnten weder praktikabel noch im Sinne des Naturschutzes sein.
Absenkung des Schutzstatus und schnellere Gutachten
„Wir brauchen Lösungen und eine Absenkung des Schutzstatus des Fischotters“, betonte Landrat Grillmeier. Hier hoffe man auf die Unterstützung des Bundesumweltministers. Der Landkreis dränge zudem auf weitere Gutachten durch den Freistaat, um den gesicherten Bestand der Otterpopulation im Landkreis und in der Oberpfalz wissenschaftlich darzustellen. Leider dauern diese Untersuchungen zu lange.
Parallel dazu erarbeitet der Landkreis derzeit ein Zukunftskonzept Teichwirtschaft, das gemeinsam mit Hans Klupp und Vertretern der Branche entwickelt wird. Ziel ist es, das Kulturerbe Teichwirtschaft sowie deren Bedeutung für Artenvielfalt und Biodiversität noch stärker herauszustellen.
Bundespolitik signalisiert Unterstützung
Am Rande des Deutschen Fischereitages in Nürnberg führte Landrat Grillmeier außerdem Gespräche mit dem Bundeslandwirtschaftsminister, der in Aussicht stellte, sich gemeinsam mit dem Bundesumweltminister für tragfähige Lösungen einzusetzen. Erwartet werde insbesondere Unterstützung für regionale Entnahmekonzepte.
Anna Klupp von den „Young Fishermen“ (Jugendorganisation des bundesweiten Dachverbandes der Binnenfischer) machte deutlich, dass die Teichwirtschaft zunehmend gefährdet sei. Mit Ausfällen von bis zu 90 Prozent – insbesondere bei Hobby-Teichwirten – drohe das Kulturgut Teichwirtschaft verloren zu gehen. Junge Teichwirte wie sie entschieden sich deshalb häufig gegen einen Vollerwerb, da verlässliche Rahmenbedingungen fehlen. Neben finanziellen Hilfen brauche es dringend auch die Möglichkeit zur regulierten Entnahme des Fischotters sowie ein wirksames Prädatorenmanagement, um die Zukunft der Teichwirtschaft zu sichern. Gerade die junge Generation setze sich mit Nachdruck für solche Lösungen ein.
Dialog für tragfähige Lösungen fortsetzen
Der Besuch verdeutlichte, dass der Dialog zwischen Bund, Land, Region und Praxis fortgesetzt werden müsse, um den Schutz des Fischotters mit dem Erhalt der traditionellen, kleinstrukturierten Teichwirtschaft in Einklang zu bringen.




