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Redaktionsgespräch mit Weidens OB Jens Meyer (1): Plötzlich ist der Iran nicht mehr weit weg

Weiden. Der Krieg im Nahen Osten ist für viele Rauschen im ständigen Nachrichtenstrom – bis eigene Bekannte in Abu Dhabi auf einem Schiff festsitzen. Jens Meyer spricht über Angst, Wachsamkeit und die Zumutung globaler Verflechtung.

Redaktionsgespräch mit Weidens OB Jens Meyer (1): Plötzlich ist der Iran nicht mehr weit weg

Weiden vor der Kommunalwahl 2026: Oberbürgermeister Jens Meyer im Echo-Redaktionsgespräch. Foto: Martin Zimmer

Wenn aus Weltpolitik Kommunalpolitik wird: Im Schlussspurt des Wahlkampfs ist der Redaktionsbesuch eines Oberbürgermeisters im Dauerstress ungefähr so entspannend wie ein Zahnarzttermin mit Live-Ticker.

Echo empfängt Jens Meyer – und bevor wir überhaupt Weidens Baustellen betreten, werfen erneut globale Krisen dunkle Schatten auf die Heimat: Die Folgen des gemeinsamen Angriffs der USA und Israels auf den Iran sind nicht nur für die unmittelbar betroffenen Menschen im Nahen Osten unabsehbar. Die Reaktion des vom Untergang bedrohten Regimes in Teheran mit Attacken auf die Nachbarstaaten und die Straße von Hormus lassen auch für die Weltwirtschaft Übles ahnen.

Der Kriminalist im Rathaus, sonst keiner, der reflexhaft in Alarmismus kippt, wirkt persönlich betroffen. Nicht, weil ihn „das Mitleid mit den Ayatollahs“ übermannt. Sondern weil niemand abschätzen kann, was aus einer konzertierten Aktion wird, wenn die Gegenseite nicht nur reagiert, sondern die gesamte Region anzündet.

Wenn „weit weg“ plötzlich ganz nah wird

„Ich war überrascht, dass es in dieser Dimension zu diesem Schlag kam“, sagt Meyer. Und noch mehr überrascht habe ihn die Reaktion Irans – insbesondere auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Da fällt ein Name, der sonst in Reiseprospekten glänzt: Burj al Arab. Eine Freundin sei erst vor zwei Wochen dort gewesen, Bekannte aus Weiden seien gerade „mit dem Schiff in Abu Dhabi“.

Das ist der Moment, in dem geopolitische Begriffe – Straße von Hormus, Ölversorgung, Weltwirtschaft – ihre sichere Distanz verlieren. „Das ist nicht mehr, wo man sagt: Iran ist weit weg, Israel ist weit weg, Amerika ist weit weg“, sagt Meyer. Die Zusammenhänge seien „so komplex geworden“, dass man ein „ungutes Gefühl“ bekomme, wohin die Spirale der Gewalt noch führt – und was das mit Europa, Deutschland, der Region macht.

Weiden vor der Kommunalwahl 2026: Oberbürgermeister Jens Meyer im Echo-Redaktionsgespräch. Foto: Martin Zimmer

Grafenwöhr, Wachsamkeit, das ungute Gefühl

Da stellt sich die Frage nach der Sicherheitslage in der Region von selbst: Gibt es Warnungen Richtung Grafenwöhr, Richtung US-Stützpunkte? Meyer: Nach seinem Kenntnisstand nichts Konkretes. „Wenn das tatsächlich der Fall wäre, hätten wir Bescheid bekommen.“ Gleichzeitig schiebt er den Satz nach, der heute fast schon Pflicht ist und dennoch stimmt:

OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Trotzdem gilt immer: wachsam sein.

OB Jens Meyer

Denn Deutschland habe Anschläge erlebt, „mit denen man nicht gerechnet hat“. Man merkt in solchen Sätzen, wie dünn die Komfortzone geworden ist. Grenzen sind in einer globalisierten Welt relativ. Und im hybriden Cyber-Krieg, den Russland längst nach Europa exportiert hat, lauern neue Gefahren.

Weiden vor der Kommunalwahl 2026: Oberbürgermeister Jens Meyer im Echo-Redaktionsgespräch. Foto: Martin Zimmer

Hoffnung als Prinzip, nicht als Prognose

Meyer hat im Rathaus keinen Einfluss auf die Weltpolitik. Nach Corona, den Überfall auf die Ukraine jetzt der nächste globale Schock mit abzusehenden Folgen auf die Weltwirtschaft, auf Energiepreise und Flüchtlingsströme: „Ich hoffe auf ein schnelles Ende des Krieges – aber das hoffe ich seit vier Jahren in der Ukraine auch.“

Das Prinzip Hoffnung in einem Status quo, der nie stillsteht. So endet der Blick über den regionalen Tellerrand mit einem „Gelassenheitsgebet“:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Serenity Prayers

Ausblick auf Teil 2: Im nächsten Teil geht’s dahin, wo Weidens Realität wirklich schmerzt: Klinikum, Defizite, Strukturreform – und die Frage, wie viel kommunale Handlungsfähigkeit in einer bundesweiten Krankenhauslogik überhaupt noch steckt.

Bilder einer Amtszeit: Oberbürgermeister Jens Meyer auf Facebook. Screenshot/Collage: jrh

Die Kernpunkte

  • Nahostkrieg als Gefühl von unmittelbarer Betroffenheit (Abu Dhabi / Bekannte vor Ort).
  • Sorge vor Folgewirkungen: Ölversorgung, Sicherheit, Eskalationsspirale.
  • Grafenwöhr-Frage: keine konkreten Warnungen bekannt – aber Appell zur Wachsamkeit.
  • Leitmotiv: Hoffnung auf schnelles Ende – mit Verweis auf die Ukraine-Erfahrung.