Spaziergang mit Landrat Thomas Ebeling in der Höllohe (1): Wie ein Landkreis funktioniert
Spaziergang mit Landrat Thomas Ebeling in der Höllohe (1): Wie ein Landkreis funktioniert
Zwischen Ziegengehege und Schneeeule erklärt Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling, warum Politik manchmal wie Heavy Metal klingen darf – aber immer im Takt bleiben muss.
Der Wildpark Höllohe ist eine Einrichtung des Landkreises, Familienidylle mit Krisenerfahrung (Vogelgrippe) und Finanzierungsmodell zugleich. Wer hier zum Gespräch einlädt, sagt indirekt: Politik ist kein abstraktes Konstrukt, sondern konkret – mit Parkplatzgebühren, Förderverein und Goldfasan.
Wir beginnen am Eingang, wo junge Eltern Kinderwagen schieben und Rentnerpaare flanieren. „Das ist der passende Ort“, sagt Ebeling.
Es ist eine Landkreiseinrichtung – und sie steht ein Stück weit für das, was wir hier machen: zugänglich, familienfreundlich, solide organisiert.
Landrat Thomas Ebeling
Kostenlos – aber nicht umsonst
Ganz kostenlos ist die Idylle freilich nicht. „Die erste Stunde Parken ist frei, maximal vier Euro für den ganzen Tag“, erklärt der Landrat. „Die Einheimischen sollen den Park unkompliziert nutzen können. Wer von außerhalb kommt, leistet einen kleinen Beitrag. Das ist eine gute Mischung.“
Es klingt banal – ist es aber nicht. Denn schon hier beginnt Politik: Wer zahlt? Wer profitiert? Und wie viel darf Gemeinschaft kosten? „Über die Jahre ist ein hübsches Sümmchen investiert worden“, sagt Ebeling. Neue Gehege, vergrößerter Parkplatz, Sicherheitsmaßnahmen nach der Vogelgrippe. Landkreis, Förderverein, teils Stadt – ein Konglomerat. „Am Ende zählt, dass die Familien sich hier wohlfühlen.“
Lernen aus Krisen: Von Hochwasser bis Vogelgrippe
Die Vogelgrippe war ein Einschnitt. „Ganz schlimm“, sagt Ebeling. „Aber wir haben die Gelegenheit genutzt, die Gehege so umzubauen, dass wir künftig einzelne Bereiche dichtmachen können – nicht mehr alles auf einmal.“ Krise als Katalysator.
Dieses Denken zieht sich durch das Gespräch. Bombenfund am Krankenhaus, Waldbrand, drohendes Hochwasser an der Naab – der Landrat hat Alarmzustände erlebt. „Finanzen machen mir weniger schlaflose Nächte“, sagt er. „Geld kann man regeln. Umweltkatastrophen sind schwieriger.“ Stichwort Ahrtal. Linien falsch gezogen, Gefahren falsch eingeschätzt.
Wir überprüfen uns ständig. Man darf nie glauben, man sei fertig.
Landrat Thomas Ebeling
Was ein Landrat wirklich entscheidet
Zwischen Ziegen und Goldfasan wird es staatsrechtlich. „Viele wissen gar nicht, was ein Landrat eigentlich kann“, sage ich. Ebeling lächelt. „Wir haben eine Doppelrolle. Staatsaufgaben – da ist wenig Spielraum: Kfz-Zulassung, Gesundheitsamt, Rechtsaufsicht. Und dann die echten Landkreisaufgaben: Schulen, Straßen, Investitionen. Da entscheidet der Kreistag politisch.“
Der Haushalt? „Rund 25 Millionen Euro Investitionen, mehr als die Hälfte für Schulen.“ Pflichtaufgabe? Ja. Aber auch Strategie. „Bildung ist unsere Ressource. Wir haben kein Öl, kein Gas – wir haben junge Menschen.“
Zwischen Max Weber und Mobilfunkmast
Spätestens an der Eulenvoliere – „Weisheit bei Tageslicht“, witzelt der Landrat – landet das Gespräch bei der Bürokratie. Max Weber, rationale Herrschaftsform, Schutz vor Willkür. Aber auch: Überregulierung. „Bürokratie ist per se nichts Schlechtes“, sagt Ebeling.
Wenn ich selbst eine Genehmigung will, kann es gar nicht schnell genug gehen. Wenn der Nachbar etwas macht, kann es nicht genau genug geprüft werden.
Landrat Thomas Ebeling
Beispiel Mobilfunkmast. Ausgleichsflächen im Außenbereich, komplizierte Punktesysteme, Fachbüros. „Das verlängert Verfahren. Und dann wundern wir uns, wenn der Handyempfang nicht besser wird.“ Oder die Feuerwehr, die am Christkindlmarkt Glühwein ausschenkt – formal mit denselben Anforderungen wie ein dauerhaftes Wirtshaus. „Juristisch korrekt“, sagt Ebeling. „Aber nicht praxistauglich.“ Man habe es eingefangen. Doch die Gesetzeslage zeige: „Da ist Luft nach oben.“
Führung durch Vorleben
700 Mitarbeiter arbeiten im Landratsamt. Kann man da überhaupt einen Stil prägen? „Der Spirit, den man vorlebt, greift“, sagt Ebeling. Digitalisierung beginne nicht im Wahlkampf, sondern am eigenen Schreibtisch. „Wenn ich von elektronischer Akte rede und selbst nur Papier benutze, ist das unglaubwürdig.“
Er versteht sich als Ermöglicher. „Unternehmer müssen schnell einen Termin bekommen, klare Aussagen erhalten. Wenn man miteinander arbeitet, beschleunigt das Verfahren.“
Teil 2 folgt: Globale Krisen im lokalen Alltag – Energiepreise, Migration, Resilienz und das Projekt Müllkraftwerk „Phönix“.
Wildpark Höllohe & Landkreis Schwandorf
Wildpark Höllohe
- Einrichtung des Landkreises Schwandorf
- frei zugänglicher Wild- und Erlebnispark
- moderate Parkgebühren (erste Stunde frei, max. 4 €)
- Finanzierung: Landkreis, Förderverein, teils kommunale Beteiligung
- Investitionen u. a. in Gehege-Erneuerung und Sicherheitsmaßnahmen nach der Vogelgrippe.
Landkreis Schwandorf – Strukturdaten
- Investitionsvolumen 2025: rund 25 Mio. Euro
- Schwerpunkt: Schulbau und -sanierung
- Doppelrolle des Landrats: untere Staatsbehörde und kommunale Selbstverwaltung
- Ca. 700 Mitarbeiter im Landratsamt.




