Redaktionsgespräch mit OB Jens Meyer (3): Innovationscampus, Innenstadt-Frequenz und bürgerfreundliches Rathaus
Redaktionsgespräch mit OB Jens Meyer (3): Innovationscampus, Innenstadt-Frequenz und bürgerfreundliches Rathaus
Im letzten Teil des Redaktionsbesuchs von Oberbürgermeister Jens Meyer wird’s alltagstauglich: Frontoffice, Servicekultur, digitale Prozesse – und die Frage, wie man Bürgerfreundlichkeit organisiert, weil es eben menschelt, wo Menschen arbeiten.
Auf dem Oberbürgermeister-Podium fallen Sätze wie „Bauturbo“ und „Wirtschaft stärken“. Interessant wird es dort, wo jemand erklärt, wie das umgesetzt werden soll – und warum manches, was früher als Fortschritt galt, heute als teurer Irrweg erscheint.
Meyer spricht über Gewerbeflächen als knappes Gut. Die Wirtschaft habe Wellenbewegungen erlebt – Corona, Baupreise, Zinsen, Ukraine, Energiekrise, Lieferengpässe. Vollbeschäftigung sei lange da gewesen, jetzt sehe es anders aus. Trotzdem müsse eine Stadt perspektivisch Gewerbeflächen entwickeln. Aber: „Ich bezweifle, dass Weiden West 4 heute noch funktionieren kann – und natürlich akzeptiere ich den Bürgerentscheid.“
Innenentwicklung statt Hanglage
Seine Argumente sind handfest: Topografie ungeeignet, verkehrliche Erschließung schwierig, Kostenvolumen so hoch, dass am Ende „wahrscheinlich niemand mehr bereit ist zu investieren“. Deshalb das Gegenmodell: Innenentwicklung, Konversion, Arrondierung bestehender Gebiete. Neustädter Straße, Leimbergerstraße, dazu ein integriertes Gewerbeflächenentwicklungskonzept im neuen Flächennutzungsplan.
Und dann schiebt er eine Idee nach, die Zukunft atmet: der alte Volksfestplatz als Innovationscampus – direkt an OTH, FOS/BOS, mit Start-ups aus Medizintechnik, Umwelttechnik, Forschung & Entwicklung, KI, Digital Business. Sein Leitbild in einem Satz: möglichst viel Gewerbe mit entwicklungspotenzial auf möglichst wenig Fläche.
OTH als Wirtschaftsmotor
Wir fragen nach, wie realistisch die Hoffnung auf lukrative Ausgründungen aus der OTH sind. Meyer lobt die Hochschule als „Erfolgsgeschichte seit mehr als 30 Jahren“, als „Segen“ für die Region. Unternehmensgründungen gebe es bereits, es gebe regionale Geldgeber, der Digitalcampus sei gebaut – eine Erweiterung sei „konsequent und folgerichtig“. Man sei im Gespräch.
Dann wird’s politisch-praktisch: Grundstückseigentümer kann man nicht zwingen zu entwickeln, aber man kann mit Entwicklungsgeboten und Rückkaufrechten arbeiten. Meyer beschreibt das Rückkaufrecht als „scharfes Schwert“, das funktioniere, wenn Flächen gehortet werden. Auf die Frage, warum Unternehmen Reserveflächen kaufen, liefert er die plausible Antwort: Businesspläne denken in Jahren, manchmal in Generationen.
Frequenz und der Verkehrsverbund als Einladung
Die labile Lage des stationären Handels redet Meyer nicht schön. Online dominiert, jedes Geschäft, das geht, tut weh. Sein Rezept ist nicht revolutionär, aber konsequent: Leerstand kleinhalten, mit Eigentümern sprechen, Mieter finden, Leben reinbringen. Und vor allem: Frequenz erzeugen – Events, Gastronomie, attraktive Läden als Gesamtpaket.
Als strategischen Hebel nennt er den Beitritt zum Verkehrsverbund Nürnberg: Wer in Erlangen ein Ticket zieht, soll auch nach Weiden fahren können – und dem Lockruf des „mediterranen oberpfälzischen Lebensgefühls“ folgen, das Meyer als Markenkern beschreibt.

Redaktionsgespräch mit Weidens OB Jens Meyer (1): Plötzlich ist der Iran nicht mehr weit weg
Weiden. Der Krieg im Nahen Osten ist für viele Rauschen im ständigen Nachrichtenstrom – bis eigene Bekannte in Abu Dhabi auf einem Schiff festsitzen. Jens Meyer spricht über Angst, Wachsamkeit und die Zumutung globaler Verflechtung.
Rathaus als Dienstleister
Servicekultur ist das Thema, das man in Rathäusern gerne in Leitbildern formuliert, aber viel schwieriger in den Alltag übersetzt bekommt. Meyer sagt: „Da ist noch Luft nach oben“, ohne Mitarbeiter zu schelten. Die Ursache seien Strukturen – also will er Strukturen ändern.
Sein Idealbild: ein Frontoffice, das Anliegen zentral aufnimmt, und ein Backoffice, das intern bearbeitet. Der Bürger soll nicht mehr „von einem Zimmer zum anderen rennen“. Meyer verwendet den Terminus technicus: „Single Point of Contact“– und verweist auf Bereiche, wo es bereits klappt: Wirtschaftsförderung, Sozialbürgerhaus, Bürgerbauberatung.
Bei der Digitalisierung nennt er end-to-end-Prozesse (Kfz an-, ab-, ummelden; Melderegister) – und betont gleichzeitig das Hybridmodell: Digitalisierung ja, aber ohne die abzuhängen, die es analog brauchen.
Klimaschutz: Konzepte sind da
Beim Klimaschutz klingt Meyer zurückhaltender. Konzepte seien entwickelt – Klimaschutz, Mobilität, PV-Freiflächen –, aber Umsetzung koste Geld. Das neue Rathaus als energetisches Leuchtturmprojekt? Momentan nicht finanzierbar. Meyer verweist auf die Klimaziel-Debatte in Bayern und auf kleine, machbare Schritte: regenerative Erzeugung über die Stadtwerke, Elektromobilität, Sanierungen.
Als konkretes Beispiel nennt er Thermenwelt und Eisstadion: Dachsanierung, Wärmepumpe, Photovoltaik – Strom und Wärme vor Ort erzeugen, Abwärme nutzen. Auch für das Eisstadion. „Hoffentlich hilft’s den Blue Devils beim Klassenerhalt in der DL2“, appellieren wir. Dieser Hoffnung schließt sich Meyer gerne an.

Redaktionsgespräch mit OB Jens Meyer (2): Weiden im Stresstest
Weiden. Das Klinikum Weiden ist unerlässlich für den Gesundheitsstandort Weiden und gleichzeitig eine finanzielle Dauerbaustelle. Jens Meyer erzählt, dass Weiden schon 2005 gegen Privatisierungstendenzen antrat – und 2019 die Insolvenz abwendete.
Die drei Big Points einer neuen Amtszeit
Am Ende zwingen wir Meyer freundlich zur Präzisierung: Drei Projekte bis 2032, die er unbedingt fertigstellen will:
- Neubau der Realschulen.
- Neubau der Feuerwache.
- Ganztagsbetreuung sichern.
Und in der kleinen A-bis-Z-Runde erklärt er sich selbst: in die Politik „aus Liebe zur Stadt Weiden“; geprägt vom Kriminalisten-Grundsatz „Ruhe bewahren, Überblick verschaffen“; fairer Umgang durch evangelische Jugendarbeit; als „Mensch Meyer“: „ehrlich, bodenständig, unbestechlich“.
Die Kernpunkte
- Gewerbe: Perspektive offen halten, aber Weiden West 4 wegen Topografie/Erreichung/Kosten fraglich.
- Strategie: Innenentwicklung, Konversion, Arrondierung, integriertes Gewerbeflächenkonzept.
- Vision: Innovationscampus alter Volksfestplatz (OTH-Nähe, Start-ups, KI, Med/Umwelttechnik).
- Innenstadt: Frequenz durch Events/Gastro/Angebot, Leerstände kurz halten, Verkehrsverbund als Hebel.
- Verwaltung: Frontoffice/Backoffice, „Single Point of Contact“, Digitalisierung end-to-end + Hybridmodell.
- Klimaschutz: Konzepte da, Umsetzung teuer; Beispiele Thermenwelt/Eisstadion (PV + Wärmepumpe).
- Zielbild 2032: Realschulen, Feuerwache, Ganztagsbetreuung.




