Waldbrand-Serie offenbart Hubschrauber-Mangel in Amberg-Sulzbach

Waldbrand-Serie offenbart Hubschrauber-Mangel in Amberg-Sulzbach
Die verheerende Waldbrandserie im vergangenen August hat den Einsatzkräften im Landkreis Amberg-Sulzbach einiges abverlangt. Was mit dem tagelangen, extremen Hangbrand am Johannisberg in Freudenberg begann, setzte sich nur eine Woche später bei Holzhammer (Schnaittenbach) fort, wo die Flammen bis auf 500 Meter an die Ortschaft heranrückten. Den Schlusspunkt einer beispiellosen Belastungsprobe markierte schließlich ein dritter Waldbrand zwischen Massenricht und Dürnast, der sogar die Sperrung der dortigen Bahnstrecke erzwang. Insgesamt über 1.100 Retter kämpften gegen die Flammen.
Erfahrungsaustausch zwischen Politik und Einsatzkräften
Um aus diesen Lagen die richtigen Schlüsse zu ziehen, fand nun auf Initiative des Stimmkreisabgeordneten Dr. Harald Schwartz, MdL, ein hochkarätig besetzter Vor-Ort-Termin statt. Das Ziel: ein ehrlicher Erfahrungsaustausch zwischen der Politik und den Praktikern an der Front.
Überdurchschnittlicher Zusammenhalt als Erfolgsfaktor
Ein zentrales Fazit des Termins fiel überaus positiv aus: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen im Landkreis Amberg-Sulzbach ist überdurchschnittlich gut und harmonisch – ein funktionierendes Schicht- und Ablösesystem über Tage hinweg ist in vielen anderen Landkreisen in dieser Form keine Selbstverständlichkeit. „Wir wollen nicht, dass der Einsatzleiter die einzige Erkenntnisquelle bleibt“, betonte KBI Christof Strobl. Derzeit läuft ein umfassendes Abfragetool im Landkreis, bei dem jeder einzelne Feuerwehrmann seine Erfahrungen einbringen kann, um Abläufe noch weiter zu verfeinern. Alle Lagen konnten erfolgreich bewältigt werden, wenngleich sieben Leichtverletzte zu beklagen waren.
Das Helikopter-Dilemma: Luftunterstützung stieß an Grenzen
Der Termin legte den Finger in eine offene Wunde des Katastrophenschutzes: die Verfügbarkeit von Hubschraubern. In der Erstphase der Amberg-Sulzbacher Brände war die Luftunterstützung extrem dünn. Der Grund: Zeitgleich band ein riesiger Waldbrand am Saurüsselkopf im Ammergauer Gebirge nahezu alle verfügbaren Ressourcen. Dort waren zeitweise elf Hubschrauber gleichzeitig im Einsatz – darunter zur Unterstützung sogar private Löschhubschrauber aus Österreich, da die bayerischen Ressourcen allein nicht ausreichten.
Für den Landkreis Amberg-Sulzbach bedeutete dies eine gefährliche Hängepartie in der Anfangsphase. KBI Strobl und Dr. Schwartz forderten daher zur Ehrlichkeit in der Debatte auf: Wenn bereits ausländische und private Hilfe nötig ist, muss der Freistaat dringend seine Taktik überdenken. Ressourcen dürfen künftig nicht mehr komplett in einer einzigen Lage gebunden werden; es braucht eine vorausschauende Verteilung im Raum, um auch für parallele Zweitlagen in anderen Regierungsbezirken handlungsfähig zu bleiben.
Logistik-Nadelöhr: Hubschrauber-Betankung und UTV-Spenden
Ein massives logistisches Problem stellt zudem die Kraftstoffversorgung der Helikopter vor Ort dar. Mobile Tankanhänger für Hubschrauber sind in der Fläche extrem rar gesät, für die Sicherung kurzer Taktzeiten bei der Brandbekämpfung aus der Luft aber überlebenswichtig. Die Runde forderte hier ein systematisches Vorgehen, um solche Tankanlagen im Ernstfall schnellstmöglich direkt an die Einsatzorte verlegen zu können.
Als absolut lebensrettend im unwegsamen Gelände erwiesen sich zudem die geländegängigen Spezialfahrzeuge (UTVs / Quads) von THW und Bergwacht. Diese wendigen Fahrzeuge transportieren Material und Erkunder dorthin, wo kein Löschfahrzeug mehr hinkommt. Doch auch hier gibt es ein Manko: Stand jetzt mussten diese essenziellen Fahrzeuge, wie beispielsweise beim THW, durch Spendenmittel finanziert werden. Hier forderte die Runde ein klares Umdenken: Angesichts der Zunahme von Vegetationsbränden in unebenen Flächen müssen UTVs künftig standardmäßig über Landes- oder Bundesmittel beschafft werden.
Digitalisierung, Checklisten und die Rolle der Rückegassen
Eine weitere Herausforderung bei der Führung wurde angesprochen: Der Einsatzleiter muss wissen, wo die Kräfte sind. Technisch wäre es heute bereits möglich, die Funkgeräte der Einsatzkräfte im Wald per GPS zu tracken, um der Einsatzleitung ein präzises Bild vor Ort zu liefern. Wegen datenschutzrechtlicher Hürden und der Gefahr von Datenlecks oder Hackerangriffen startet das Staatsministerium im kommenden Frühjahr eine offizielle Testphase, um das Live-Tracking sicher in der Praxis zu erproben.
Ebenso wichtig für die Orientierung und die präzise Kartenerstellung im dichten Wald ist der enge Austausch mit den Bayerischen Staatsforsten (BaySF). Die Vertreter der Staatsforsten, Phillip Bahnmüller, Matthias Fux und Josuha Gerstenmeier, betonten die Bedeutung von Rückegassen. Diese Waldpfade sind für schwere Feuerwehrfahrzeuge wegen Wurzelstöcken oft nicht befahrbar, für die Orientierung der Fußtrupps, die UTV-Aufklärung und die exakte digitale Lagekartierung im Ernstfall aber umso wichtiger.
Zudem soll künftig das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) fest in die Erst-Checklisten integriert werden, um bei Bränden im Privatwald den Besitzer sofort zu ermitteln. Dies ist zwingend nötig, da in extremen, eingekesselten Hanglagen ein kontrolliertes Abbrennenlassen manchmal die sicherste Variante für die Einsatzkräfte ist – was rechtlich vorab mit dem Eigentümer geklärt werden muss.
Herausforderung Ehrenamt: Zunahme von kurzen, intensiven Lagen
Zum Abschluss beleuchtete die Runde die wichtigste Ressource überhaupt: den Menschen. Zwar steht der Landkreis Amberg-Sulzbach im Bereich des ehrenamtlichen Engagements bei den Feuerwehren, dem THW, dem BRK und der Bergwacht im Vergleich sehr gut da, doch die Zukunft birgt neue Risiken. Die Experten sind sich einig, dass die Häufigkeit von Vegetationsbränden zunehmen wird – es drohen künftig immer öfter intensive Einsätze in kurzen zeitlichen Abständen.
Bei Lagen, die über mehrere Tage andauern, wird es für alle beteiligten Organisationen zunehmend schwieriger, die Einsatzbereitschaft dauerhaft aufrechtzuerhalten. Zwar zeigen sich die regionalen Arbeitgeber aktuell noch überdurchschnittlich bereitwillig bei der Freistellung der Retter, doch bei einer steigenden Auslastung stößt auch dieses System an Grenzen. Die Runde betonte daher einhellig, dass die gesamte Gesellschaft für diese neue Realität sensibilisiert und fit gemacht werden muss, um das Ehrenamt im Katastrophenschutz langfristig zu entlasten und zu sichern.
Finanzielle Lasten und Ausblick
Ein schwerer Brocken bleiben die Kosten: Allein der Einsatz in Holzhammer kostete die Stadt Schnaittenbach rund 10.000 Euro – eine Gesamtübersicht aller drei Brände liegt noch nicht vor. Die Landkreise in der Oberpfalz gehen regelmäßig mit fünfstelligen Beträgen in Vorleistung. Gemeinsam mit den Staatsforsten wurde vereinbart, forstwirtschaftliche Wege gezielt für schwere Löschfahrzeuge fit zu machen und Wendemöglichkeiten im Steilhang zu schaffen. Zudem soll eine Schnellfreigabe-Matrix mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden für sofortige Rechtssicherheit beim Einsatz von Netzmitteln in Trinkwasserschutzgebieten sorgen. Dr. Harald Schwartz dankte allen Beteiligten, darunter auch Bernd Lödel (BRK), Harald Enßner (THW) und Markus Arnold (Bergwacht), für den offenen Austausch und versprach, diesen umfassenden Auftrag mit nach München zu nehmen: „Die Erkenntnisse von diesem Termin sind die beste Argumentationsbasis, um im Landtag für eine bessere Ausstattung des ländlichen Raums, die staatliche Förderung von UTV-Spezialfahrzeugen, den Erhalt von Katastrophenschutzfahrzeugen und schnellere finanzielle Hilfen für unsere Kommunen zu kämpfen.“
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