Bezirksklinikum Wöllershof setzt weiter auf Stabilität und Ausbau
Bezirksklinikum Wöllershof setzt weiter auf Stabilität und Ausbau
Der Neujahresbesuch der Bezirkstagsspitze führte 2026 an zwei zentrale Standorte der medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz). Neben der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden stand auch das Bezirksklinikum Wöllershof im Fokus. Bezirkstagspräsident Franz Löffler nutzte den Termin, um sich gemeinsam mit politischen Vertretern und der Klinikleitung über aktuelle Entwicklungen, Investitionen und Herausforderungen auszutauschen. Dabei wurde deutlich: Das Bezirksklinikum Wöllershof spielt eine Schlüsselrolle für die psychiatrische Versorgung in der Nordoberpfalz.
Moderne Strukturen für junge Patientinnen und Patienten
Zum Auftakt besuchte die Delegation die neue Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden. Zwar laufen derzeit noch letzte Abnahmen und kleinere Mängelbeseitigungen, doch der Bau ist weitgehend abgeschlossen. Ab April soll der Klinikbetrieb schrittweise starten. Die neue Einrichtung ergänzt das Angebot des Bezirksklinikums Wöllershof und stärkt die Versorgung vor allem junger Menschen mit psychischen Erkrankungen in der Region.
„Wir investieren nicht nur in Gebäude, sondern in Versorgungssicherheit für die Nordoberpfalz“, betonte Franz Löffler. Gerade mit Blick auf steigende Fallzahlen sei es notwendig, rechtzeitig die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die enge Verzahnung der Standorte Weiden und Wöllershof spiele dabei eine zentrale Rolle.
Austausch beim Neujahrstreffen in Wöllershof
Im Anschluss trafen sich die Beteiligten zum traditionellen Neujahrsgespräch im Bezirksklinikum Wöllershof. Zu Beginn lobte Löffler die Arbeit von Prof. Dr. Markus Wittmann und seinem gesamten Team. Gleichzeitig stellte er Josef Scherl als neuen Direktor für Wirtschaft und Finanzen sowie Stefan Günther als neuen Dienststellenleiter vor. Beide sind seit vielen Jahren am Klinikum tätig. Die Neubesetzungen stehen laut Verwaltungsratsvorsitzendem Löffler für Kontinuität und Verlässlichkeit.
In der Gesprächsrunde ging es um die aktuelle Versorgungssituation in der Akutpsychiatrie, um Rehabilitation und um strukturelle Neuerungen. Das Bezirksklinikum Wöllershof verzeichnet weiterhin eine stabile Auslastung. Ausschlaggebend dafür sind das breite therapeutische Angebot und eine gut funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit. Besonders die Tagklinik für Erwachsene ist stark nachgefragt.
Haus 13 als Aushängeschild des Klinikums
Mit der Erweiterung der tagesklinischen Plätze und der Inbetriebnahme von Haus 13 wurde das Angebot des Bezirksklinikums Wöllershof gezielt ausgebaut. Der moderne Neubau mit Wahlleistungsstation, Therapiebereichen und zeitgemäßer Ausstattung ist seit Anfang 2024 im Vollbetrieb. Die 20 stationären Betten sind gut ausgelastet. Im bundesweiten PKV-Ranking (Verband Private Krankenversicherungen) erhielt Haus 13 Bestnoten und zählt damit zu den vorbildlichsten Einrichtungen seiner Art in Deutschland.
medbo-Vorstand Dr. Helmut Hausner verwies auf die steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen. Diese betreffen nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch Organisation und Verwaltung. Ziel sei es, diesen Entwicklungen mit passenden Konzepten zu begegnen. Gleichzeitig müsse die Versorgung der Patientinnen und Patienten stets im Mittelpunkt stehen. Eine spürbare Entlastung von bürokratischen Vorgaben sei dabei besonders wünschenswert.
Personal, Finanzierung und neue Belastungen
Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher sprach von einem sehr guten Betriebsklima am Bezirksklinikum Wöllershof. Während die Personalsituation aktuell weniger Sorgen bereite, sei die langfristige Finanzierbarkeit der Einrichtungen eine große Herausforderung. Auch Bezirksrat Roland Grillmeier unterstrich die Bedeutung des Bezirks für die Gesundheitsversorgung in der nördlichen Oberpfalz. Gleichzeitig mahnte er finanzierbare Strukturen und eine umfassende Krankenhausreform an.
Christine Kick, Leiterin des Patienten- und Pflegemanagements, berichtete von deutlich gestiegenen Anforderungen an die Teams. Der Personalschlüssel bilde den tatsächlichen Bedarf oft nicht ab. Mit viel Engagement und Kreativität gelinge es dennoch, den Alltag zu bewältigen. Prof. Dr. Markus Wittmann dankte seinem hoch motivierten Team für ein weitgehend komplikationsloses Jahr 2025. Als einen Grund für den Anstieg psychosomatischer Erkrankungen nannte er die zunehmende Reizüberflutung durch neue Medien.
Eine Hardware, die vor 10.000 Jahren an den Start ging, versucht die Reizüberflutung des 21. Jahrhunderts zu bewältigen!
Chefarzt Prof. Dr. Markus Wittmann über die Ursachen von ansteigenden psychosomatischen Erkrankungen.
Verantwortung gemeinsam tragen
Bürgermeister Markus Ludwig zeigte sich dankbar für die Leistungen des Bezirksklinikums und versicherte kommunale Unterstützung: „Wir haben die seit 1950 bestehende Wasserversorgung in Reiserdorf und Wöllershof erneuert und damit einen wichtigen Beitrag für die Infrastruktur der Klinik geleistet.“
In seinem Abschlussstatement machte Franz Löffler deutlich, dass funktionierende Versorgung nicht von selbst entstehe. Sie brauche starke Partner, verlässliche Strukturen und den gemeinsamen Willen, weiterzuarbeiten. Der Besuch habe gezeigt, dass das Bezirksklinikum Wöllershof dafür gut aufgestellt sei. Gleichzeitig blieben Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Bürokratie und gesellschaftliche Vorurteile bestehen. Umso wichtiger sei es, offen über psychische Erkrankungen zu sprechen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Abschließende Gesprächsrunde
In der abschließenden Gesprächsrunde bemängelten die Verantwortlichen des Bezirksklinikumsvor allem die überbordende Bürokratie, die teilweise für die Patienten mittlerweile eine Gesundheitsgefahr darstellet. Konkret benannten die Anwesenden die Rechtevergabe im internen EDV-System: „Pflegekräfte, die kurzfristig aus einer anderen Station einspringen, dürfen über das Krankheitsbild eines Patienten in anderen Versorgungsbereichen aus Datenschutzgründen nicht Bescheid wissen.“
Chefarzt Prof. Dr. Wittmann spricht deshalb von teilweise grotesken Fällen.
„Das ist ein Problem, das die Politik unbedingt angehen muss, sonst ersticken wir im Formalismus und unsere Patienten an der Bürokratie“, so die Warnung des Chefarztes.




