OTH Amberg-Weiden
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Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden schließt ab April Versorgungslücke

Weiden. Die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden steht kurz vor der Eröffnung. Beim Rundgang durch den Neubau äußerte Bezirkstagspräsident Franz Löffler deutliche Worte zur gesellschaftlichen Verantwortung im Umgang mit psychisch belasteten Jugendlichen und unterstrich die Bedeutung des Standorts für die nördliche Oberpfalz.

Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden schließt ab April Versorgungslücke

Rundgang durch den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden
Ärztlicher Direktor Dr. Christian Rexroth, Chefarzt David Aue, Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Bezirkstagspräsident Franz Löffler sowie Landrat Roland Grillmeier informieren kurz vor der Eröffnung über den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden (von links). Foto: Martin Stangl

Kurz vor dem traditionellen Neujahrsempfang im Bezirksklinikum Wöllershof besuchten Bezirkstagspräsident Franz Löffler und Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher den nahezu fertiggestellten Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden. Der moderne Klinikbau wird am 1. April 2026 offiziell in Betrieb gehen und stellt einen zentralen Baustein für die psychiatrische Versorgung junger Menschen in der nördlichen Oberpfalz dar. Schon beim Betreten des Gebäudes wurde deutlich, dass hier nicht nur zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, sondern ein neuer Standard in der Behandlung gesetzt werden soll.

Nach dreijähriger Bauzeit fast fertiggestellt

Begleitet wurden die Bezirksvertreter vom künftigen Chefarzt der Klinik, David Aue, vom Leiter des Patienten- und Pflegemanagements Peter Jedlicka sowie vom medbo-Vorstand Dr. Helmut Hausner. Gemeinsam begutachteten sie die neuen Stationen, Funktionsräume und Therapiebereiche, die sich kurz vor der Fertigstellung befinden. Der Neubau entstand nach dreijähriger Bauzeit auf dem ehemaligen Fußballplatz des Augustinerseminars in direkter Nähe zum Weidener Klinikum.

Warnende Worte von Bezirkstagspräsident Löffler

Bezirkstagspräsident Franz Löffler zeigte sich beeindruckt vom Baufortschritt und der klaren Struktur des Gebäudes. Gleichzeitig äußerte er deutliche Sorgen mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung. „Wir erleben derzeit eine regelrechte Lawine an behandlungsbedürftigen Jugendlichen“, sagte Löffler. Als Ursachen nannte er unter anderem den vielfach unkontrollierten Internetkonsum junger Menschen, aber auch zunehmende Überforderung in vielen Familien. Der gesellschaftliche Wandel führe dazu, dass staatliche Einrichtungen immer häufiger als Lösung für komplexe soziale Probleme gesehen würden.

Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden zwischen Hilfe und Verantwortung

Löffler warnte davor, die Psychiatrie als pauschale Antwort auf schulische oder soziale Schwierigkeiten zu missverstehen. „Wenn bestimmte Noten nicht erreicht werden, kommt sofort der Ruf nach der Psychiatrie“, formulierte er drastisch. Auffälliges Verhalten werde zu schnell als Krankheit eingestuft. „Wir können nicht der Reparaturbetrieb der Familien sein. Vor allem Eltern, aber auch Schulen und Vereine stehen in der Pflicht. Diese Klinik ist für Kranke gedacht und nicht als Aufbewahrungsort für auffällige Jugendliche“, betonte der Bezirkstagspräsident.

Zugleich machte Löffler deutlich, dass die Entscheidung für den Neubau rückblickend richtig gewesen sei. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei es heute fraglich, ob ein solches Großprojekt noch einmal beschlossen werden könnte. „Deshalb sind wir froh, dass wir diesen Grundsatzbeschluss vor einigen Jahren gefasst haben“, sagte er. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden sei für die nördliche Oberpfalz ein echter Glücksfall, da bisher lange Wege nach Regensburg, Cham oder Amberg notwendig gewesen seien. Gerade für Familien bedeute der neue Standort eine spürbare Entlastung.

Lothar Höher spricht von Alleinstellungsmerkmal für Weiden

Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher blickte mit Vorfreude auf den bevorstehenden Start der neuen Einrichtung. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für Weiden und ein wesentlicher medizinischer Versorgungspunkt für die nördliche Oberpfalz“, erklärte Höher. In der Kombination mit dem Bezirksklinikum Wöllershof entstehe eine hochmoderne medizinische Infrastruktur, die sowohl stationäre als auch ambulante Angebote sinnvoll verknüpfe. Der Standort stärke nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern auch die Attraktivität der Region.

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Kinder- und Jugendpsychiatrie Weiden als Doppelstandort mit Wöllershof

Dr. Christian Rexroth, Ärztlicher Direktor der medbo Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Amberg, Cham und Weiden, hob die enge Zusammenarbeit mit dem Bezirksklinikum Wöllershof hervor. „Der angedachte personelle Austausch steigert die Effizienz um ein Vielfaches“, sagte Rexroth. Er klassifizierte Weiden und Wöllershof als funktionalen Doppelstandort, der medizinische Synergien nutze und gleichzeitig kurze Wege ermögliche. Der gute Ruf der Einrichtung zeige sich bereits jetzt in einer sehr positiven Bewerbungslage, insbesondere im Pflegebereich.

Besorgt äußerte sich Rexroth über Gefahren aus dem digitalen Raum. „Der unregulierte Zugang von Kindern und Jugendlichen zum Internet ist hochproblematisch“, warnte er. Besonders manipulative Online-Phänomene, bei denen junge Menschen von Erwachsenen gezielt unter Druck gesetzt würden, nähmen zu. „Wenn der Staat hier nicht schnell eingreift, werden wir massive Probleme bekommen“, sagte Rexroth mit Blick auf internationale Entwicklungen, die zunehmend auch in Europa zu beobachten seien.

Landrat Roland Grillmeier warnt vor finanziellem Kollaps

Der Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier begrüßte den Neubau ausdrücklich. Mit der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie werde eine medizinische Lücke in der nördlichen Oberpfalz geschlossen. Gleichzeitig zeigte er sich besorgt über die weiterhin ungelöste Krankenhausreform. „Unsere Kommunen stehen am Rande des finanziellen Kollapses. Der Bund steht hier klar in der Pflicht“, mahnte Grillmeier. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen könnten selbst gut geplante Einrichtungen langfristig unter Druck geraten.

Durchdachtes Konzept der neuen Klinik

Die neue Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie bietet künftig 32 stationäre Betten, 18 tagesklinische Plätze sowie eine Institutsambulanz. Die Stationen sind altersgerecht gegliedert und berücksichtigen die unterschiedlichen Bedürfnisse von Klein- und Vorschulkindern, Schulkindern sowie Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Damit soll eine passgenaue Behandlung in geschütztem Rahmen ermöglicht werden.

Ein zentrales Element des Konzepts ist die enge Einbindung des sozialen Umfelds. Familie, Schule und soziale Kontakte spielen bei der Diagnose und Therapie eine entscheidende Rolle. Deshalb wird auch während stationärer oder teilstationärer Aufenthalte die gesetzlich vorgeschriebene Beschulung gewährleistet, stets abgestimmt auf die medizinischen Erfordernisse. Architektur und Therapie greifen dabei ineinander: Rückzugsräume, klare Tagesstrukturen und speziell gestaltete Aufenthaltsbereiche sollen Sicherheit geben und Heilungsprozesse unterstützen.