Ein Punkt der Moral: Luhe-Wildenau bremst den Aufstiegsfavoriten aus

Ein Punkt der Moral: Luhe-Wildenau bremst den Aufstiegsfavoriten aus
In einem packenden Schlagabtausch am 31. Spieltag der Landesliga Mitte erkämpft sich der SC Luhe-Wildenau ein 1:1-Remis gegen den Tabellenzweiten TSV Seebach
Vor 279 Zuschauern im Michael-Höbauer-Stadion waren die Rollen vor dem Anpfiff klar verteilt: Der TSV Seebach reiste mit der Empfehlung eines hauchdünnen Ein-Punkt-Rückstands auf den Primus SpVgg Landshut an und hatte den direkten Bayernliga-Aufstieg zum Greifen nahe. Für den SC Luhe-Wildenau hingegen ging es tabellarisch um nichts mehr; der Klassenerhalt ist bereits seit längerem in trockenen Tüchern. Doch wer eine befreit aufspielende Heimmannschaft erwartete, wurde enttäuscht. Von Beginn an wirkten die Hausherren unkonzentriert und leisteten sich ungewohnte Nachlässigkeiten im Spielaufbau sowie im Stellungsspiel.
Offener Schlagabtausch und die Quittung für fehlende Wachsamkeit
Dabei begann die Partie durchaus vielversprechend: Auf beiden Seiten ergaben sich bereits in der Anfangsphase gute Gelegenheiten, um früh in Führung zu gehen. Doch während der SC seine Chancen leichtfertig liegen ließ, zeigten sich die Gäste in der 18. Minute hellwach – begünstigt durch eine kollektive Schläfrigkeit der Hausherren. Nach einem Freistoßpfiff für Seebach schaltete Kilian Grabolle am schnellsten. Da die SC-Spieler den Ball nicht sperrten und sich noch organisierten, führte Grabolle den Standard geistesgegenwärtig und blitzschnell aus. Sein gefühlvoller Lupfer überrumpelte die gesamte Hintermannschaft und landete punktgenau bei Patrick Pfisterer, der den Ball überlegt am herauseilenden SC-Keeper Daniel Hartnegg vorbei zum 0:1 ins Netz schob.
Rückhalt im Neuer-Stil: Daniel Hartnegg rettet dem SC den Punkt
Da der SC Luhe-Wildenau in dieser Phase viel zu passiv und fehlerhaft agierte und den Gästen das Feld überließ, avancierte Daniel Hartnegg mit mehreren Glanzparaden zum alles entscheidenden Rückhalt seiner Mannschaft. Besonders spektakulär fischte er einen gefährlichen Abschluss von Simon Griesbeck mit einer Hand aus dem Eck, wobei das Leder mit dem Glück des Tüchtigen nur an den Pfosten klatschte. Kurze Zeit später war er erneut geistesgegenwärtig zur Stelle und entschärfte einen weiteren Hochkaräter abermals mit einer starken Ein-Hand-Abwehr gegen Marius Weiderer. Dank dieser bärenstarken Paraden hielt der Keeper den SC fast im Alleingang im Spiel und bewahrte sein Team vor einem weitaus höheren Rückstand zur Pause.
Rollentausch nach der Pause: Aggressiver SC drängt Seebach in die Defensive
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich ein völlig transformierter SC Luhe-Wildenau, dem man den unbedingten Willen, die Partie noch zu drehen, in jeder Aktion anmerkte. Offensichtlich hatte Spielertrainer Benjamin Urban in der Kabine die richtigen Worte gefunden, um die Trägheit der ersten Halbzeit abzuschütteln und sein Team neu einzustellen. Im krassen Gegensatz zum ersten Durchgang agierte nun der TSV Seebach deutlich zu passiv und überließ den Hausherren fast kampflos die Spielkontrolle. Der SC nutzte diese neuen Freiräume geschickt, agierte wesentlich zielstrebiger im Spielaufbau und setzte den Favoriten durch aggressives Pressing früh unter Druck.
Joker-Streich durch die „Hosenträger“: Hofbauer belohnt leidenschaftliche Aufholjagd
Nachdem ein fulminanter Lattentreffer von Nico Argauer die Führung noch verpasst hatte, war es in der 84. Minute endlich soweit: Der eingewechselte Torsten Hofbauer erlöste die heimischen Fans mit dem Ausgleichstreffer. Hofbauer, der bereits in der 67. Minute in die Partie kam und kurz darauf Seebachs Keeper Mathias Loibl mit einem gefährlichen Distanzschuss prüfte, krönte seine Leistung nach einer technisch perfekten Kombination. Den Spielzug leitete Thomas Lorenz aus der eigenen Hälfte ein und bediente an der Mittellinie David Bezdicka. Dieser leitete gedankenschnell auf Nico Argauer weiter, der nach einem kurzen Doppelpass mit Bezdicka das Leder auf der linken Seite punktgenau in den Lauf von Hofbauer legte. Völlig frei vor dem Gehäuse behielt der Joker die Nerven und tunnelte Mathias Loibl – der Ball rutschte dem Schlussmann durch die „Hosenträger“ zum viel umjubelten und aufgrund der enormen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit hochverdienten 1:1-Endstand ins Netz
Ein Punkt für die Moral im Saisonendspurt
Für den SC Luhe-Wildenau ist dieses Remis hingegen ein echter Erfolg der Moral. Zwar wäre angesichts der drückenden Überlegenheit und der hochkarätigen Gelegenheiten im zweiten Durchgang am Ende sogar ein Dreier möglich gewesen, doch auch so setzte die Urban-Elf ein deutliches Ausrufezeichen. Mit diesem leidenschaftlichen Auftritt bewies der SC Luhe-Wildenau eindrucksvoll, dass er spielerisch und kämpferisch absolut in der Lage ist, die Schwergewichte der Landesliga ins Wanken zu bringen.
Stimmen zum Spiel
Benjamin Urban (Spielertrainer SC Luhe-Wildenau): „„Wir sind in der ersten Halbzeit extrem schwierig reingekommen und hatten große Probleme, überhaupt in die Zweikämpfe zu finden. Seebach ist eigentlich nur dann zu Chancen gekommen, wenn wir hinten gepennt haben – so wie beim Gegentor, als wir völlig unaufmerksam waren. Aber großen Respekt an die Mannschaft, dass wir bei diesen Temperaturen und gegen ein Team, das aktuell so einen Lauf hat, das Spiel noch biegen; ich ziehe meinen Hut davor, dass wir so eine zweite Halbzeit hingelegt haben!“
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