SV Poppenreuth vor ungewisser Zukunft: Meister der Kreisliga und dennoch Absteiger?
SV Poppenreuth vor ungewisser Zukunft: Meister der Kreisliga und dennoch Absteiger?
Es ist schon ein wenig verrückt: Nach dem 2:0-Sieg im Nachholspiel beim Verfolger TSV Thiersheim am Donnerstag hat der SV Poppenreuth wieder die Tabellenführung in der Kreisliga 2 übernommen. Dennoch steht das Team kurz vor dem Absturz. Kürzlich berichteten wir über den geplanten, freiwilligen Abstieg des einstigen Landesligisten von der Kreisliga in die Kreisklasse. Das erst vor einigen Tagen gewählte neue Vorstandsgremium will neue Wege beschreiten – weg vom bezahlten Fußball hin zum „Dorfverein für jedermann“. Gegen diesen Schritt regt sich jedoch Widerstand, weil sich nicht alle Akteure im Verein mit dieser Idee anfreunden können.

SV Poppenreuth zieht sich aus der Kreisliga zurück und beschreitet neue Wege
Poppenreuth. Jahrelang spielte der SV Poppenreuth im Fußballkreis Hof-Marktredwitz eine führende Rolle, kickte eine Spielzeit sogar in der Landesliga Nord und zuletzt zehn Jahre in der Bezirksliga. Jetzt geht der aktuelle Kreisligist freiwillig mehr als einen Schritt zurück.
Rechtliche Schritte gegen Entscheidung
Wie jetzt bekannt wurde und worüber das Portal anpfiff.info und die Frankenpost zuerst berichteten, kritisieren der frühere Trainer Vaclav Peroutka, die Spieler der ersten Mannschaft, Co-Trainer Richard Vanek und der früher im Verein stark engagierte Peter Schlicht die Vorgehensweise der neuen Vereinsführung. Vor allem Schlicht will sich nicht damit abfinden und erwägt sogar rechtliche Schritte. Der Beschluss sei ohne echte Aussprache gefallen. Eine rechtliche Beratung habe ergeben, dass die Mitgliederversammlung anfechtbar sei. Eine solch elementare Entscheidung müsse zwingend auf die Tagesordnung der Hauptversammlung. Zudem sei der Beschluss von einem Vorstand verkündet worden, der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gewählt gewesen sei. Korrekt wäre gewesen, das Thema Rückzug der ersten Mannschaft erst nach der Wahl des neuen Vorstands zu diskutieren.
Der frühere SV-Trainer Vaclav Peroutka hatte laut Anpfiff.info dem neuen Vorstand „eine Lösung ohne richtigen Plan“ vorgeworfen und von Respektlosigkeit gesprochen. Fast niemand habe von der Entscheidung im Vorfeld gewusst – weder Spieler noch Entscheider. Der neue SV-Vorsitzende Mario Bauer dementiert das und betont, dass die Spieler sehr wohl vom neuen Weg des Vereins gewusst hätten. Bei der Mitgliederversammlung vor einer Woche allerdings haben die Spieler dieser Version widersprochen und sich „tief enttäuscht“ gezeigt. Bauer indessen geht davon aus, dass kein Spieler der Kreisligatruppe beim SV bleibt. Bei einer Vorstandssitzung am 28. Februar sei besprochen worden, in der neuen Saison mit einem Kreisklassen- und einem A-Klassen-Team neu zu starten. Der Rückzug aus der Kreisliga sei damit beschlossen. Bauer: „Wir haben uns dafür mehrheitlich in der Vorstandssitzung ausgesprochen.“
Auch zwischen Mannschaft und Trainer ist das Tischtuch zerschnitten
Damals mit dabei war auch Peter Schlicht, der sich jahrelang im Verein engagiert hat und nun die Opposition gegen die Entscheidung anführt. Der Beschluss sei in einem Hinterzimmer und ohne eine echte Aussprache gefallen, sagt er gegenüber der Frankenpost. Daher habe er das Amtsgericht Tirschenreuth eingeschaltet, um zu klären, ob die Mitgliederversammlung und der Beschluss rechtmäßig waren. Das Problem: Eine mögliche gerichtliche Entscheidung würde sich länger hinziehen als bis zum vorletzten Spieltag am 3. Mai, jenem Datum, bis zu dem der Verein den Rückzug seiner ersten Mannschaft offiziell melden muss. Deshalb will Schlicht eine einstweilige Verfügung erwirken, die den Rückzug aus der Kreisliga verhindert. Von der Entscheidung sind viele andere Vereine betroffen, was Aufstieg, Abstieg und Zusammensetzung der beiden Ligen betrifft. Schlicht glaubt, dass deshalb eine „Eilbedürftigkeit“ für die einstweilige Verfügung gegeben sei.
Auch das Tischtuch zwischen Mannschaft und Co-Trainer Richard Vanek einerseits und dem der neuen Vereinsführung zugerechneten Trainer Jürgen Hümmer andererseits scheint zerschnitten. Im letzten Heimspiel am Sonntag (2:1 gegen den ASV Wunsiedel) hatten sich die Spieler geweigert, unter Hümmer anzutreten. So übernahm kurzfristig Co-Trainer Vanek das Kommando.
Ungeachtet des Widerstands versichert Vorsitzender Mario Bauer, den Antrag auf Rückstufung fristgerecht vor dem vorletzten Spieltag zu stellen.




