Haben die Blue Devils ihren Dienstagsschock überwunden?
Haben die Blue Devils ihren Dienstagsschock überwunden?
Die Fans in der ausverkauften Hans-Schröpf-Arena konnten es nicht fassen, die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen übers Eis und hinter der Bande verharrte Coach Alan Letang wie versteinert. Soeben hatten die Blue Devils die dritte Partie der Play-downs gegen den ESV Kaufbeuren mit 5:6 verloren, nachdem sie nach dem ersten Drittel beim Stand von 4:1 schon wie der sichere Sieger aussahen, den Klassenerhalt fast in der Tasche hatten. Doch dann folgte ein Drittel der Hausherren, das keiner so richtig erklären konnte.
Kollektiver, 20-minütiger Blackout
War es Überheblichkeit? War es Leichtsinn? War es ein kollektiver, 20-minütiger Blackout? Es war wohl von allem etwas. Die Gäste aus dem Allgäu waren nach dem ersten Abschnitt eigentlich „tot“, lagen mit drei Treffern hinten, hatten schon eine Matchstrafe (Nikolas Appendino) kassiert und zudem Glück, dass die Blue Devils nicht noch höher führten. Trainer Alan Letang hatte kurz nach dem Spiel auch keine richtige Erklärung für den Einbruch seiner Truppe im zweiten Drittel. „Es war klar, dass es ein harter Weg in den Play-downs wird und kein Spaziergang. Am Donnerstag haben wir eine neue Chance.“ Der Kanadier sah in der fünfminütigen Überzahl, davon zwei Minuten 5:3, einen Knackpunkt. „Hier hätten wir mehr draus machen müssen, dann hätte es wohl anders ausgesehen. So aber schöpfte der ESV aus dieser Situation neue Hoffnung und glaubte wieder an sich.“
An diesem denkwürdigen Dienstagabend wurde aber auch klar, dass die Blue Devils nach der enttäuschenden Saison und dem verlorenen Sweep gegen Bad Nauheim mental noch lange nicht auf Toplevel sind. Schon der komplett unnötige 2:4-Anschlusstreffer durch den Ex-Weidener Vinzenz Schlenker löste spürbare Verunsicherung aus bei den Gastgebern. Fortan brachte man kaum noch Konstruktives zustande und agierte auch defensiv viel zu nachlässig, stand meterweit weg von den Gegenspielern. Dadurch bekamen die Gäste immer mehr Oberwasser und es war eine Frage der Zeit, wann sie den Ausgleich erzielen würden. So kam es denn auch. Jonny Tychonick, neben dem sechsfachen Punktesammler und überragenden Akteur auf dem Eis, Joe Cassetti, Bester seiner Truppe, stellte mit einem Doppelpack auf 4:4.
Kaufbeuren hatte „Blut geleckt“
Genauso ging es im dritten Abschnitt weiter. Kaufbeuren hatte „Blut geleckt“, die Blue Devils lagen am Boden, schienen sich wehrlos zu ergeben. Erst, als die Joker mit 6:4 vorn lagen, bäumte sich die Gastgeber noch einmal auf, schafften durch Noah Samanski den Anschlusstreffer. Zum Ausgleich reichte es trotz gezogenem Goalie – der am Dienstag nicht restlos überzeugende Michael McNiven verließ zugunsten eines sechsten Feldspielers das Eis – nicht mehr.
Hoffnung am Donnerstag macht den Blue Devils die seit Wochen überragende dritte Reihe mit dem derzeit bärenstarken Tyler Ward, der am Dienstag gefühlte 50 Minuten auf dem Eis stand, und den Youngsters Noah Samanski und Paul Vinzens. Dieses Trio war für vier der fünf Devils-Tore verantwortlich und sticht die beiden anderen Weidener Formationen seit geraumer Zeit deutlich aus. Dort tut sich hauptsächlich Luca Gläser seit Wochen sehr schwer, findet kaum Wege zum Tor, und wenn doch, dann vergibt der einstige Goldhelm seine Möglichkeiten. Aber auch Winter-Zugang Alex-Oliver Voyer läuft seiner Form von Dezember und Januar seit Wochen deutlich hinterher.
Gleiche Formationen?
Können besagte Spieler ihre Topform konservieren beziehungsweise zu alter Form zurückkehren, ist am Donnerstag ein Sieg und der damit verbundene Klassenerhalt ein durchaus realistisches Szenario. Anzunehmen ist, dass Coach Alan Letang die gleichen Formationen wie zuletzt aufbieten wird.




