Rätselraten, Gerüchte, keine Infos: Was ist los bei den Blue Devils?
Rätselraten, Gerüchte, keine Infos: Was ist los bei den Blue Devils?

Ein Sieg gegen ein nicht übermäßig stark einzuschätzendes ungarisches Team, aber vier, teilweise deftige Niederlagen – das ist die magere Bilanz der Vorbereitung der Blue Devils auf die DEL2-Saison 2026/27. Nach dem fulminanten Umbruch – sowohl die Vereinsführung als auch der Kader veränderten sich im Sommer fast komplett – gibt es derzeit mehr Fragezeichen als Antworten beim Eishockey-Zweitligisten. Am Freitag steht der letzte Test gegen die Bietigheim Steelers an, ehe man am 18. September auf eigenem Eis gegen den ECDC Memmingen in die Hauptrunde startet. Acht Tage zuvor scheint bei den Devils mehr unklar denn je.
Unbeantwortete Fragen
Große Teile der Fanszene kritisieren zudem den mangelnden, genauer gesagt gar nicht vorhandenen Informationsfluss von Vereinsseite. Auch eine Anfrage von OberpfalzEcho am vergangenen Sonntag blieb bis heute unbeantwortet, obwohl der Fragenkatalog von der Presseabteilung der Blue Devils an den sportlichen Leiter Stepan Seeger jun. am Montag weitergeleitet wurde. „Ohne Freigabe können wir leider nichts rausgeben“, betonte Pressesprecherin Claudia Bunk bedauernd.
Fünf Punkte brennen auf den Nägeln
Die heißesten von vielen Fragen rund um die Blue Devils 2026:
Punkt 1, die Trainerfrage: Chefcoach Dave Matsos, erst seit wenigen Wochen im Amt, fehlte in den zwei jüngsten Testspielen in Sokolov und gegen Landshut. Über das Warum gab es vom Verein keine Auskunft. Im Devils-Podcast „Teufelsküche“ sprechen Daniel Sommer und Stefan Nörl vorsichtig von einer „Erkrankung“ des Kanadiers, „ohne darüber spekulieren zu wollen“.
Punkt 2, die Goalie-Frage: Ein wenig konkreter wird es bei der Torhüterfrage. Eine Lösung auf dieser so wichtigen Position besitzt durch die wohl langwierige Verletzung (auch hier gibt es von Vereinsseite kein Update) von Michael McNiven eigentlich absolute Priorität. Die „Teufelsküche“ brachte hier gleich mehrere Namen ins Spiel: Oleg Shilin (zuletzt Kassel Huskies, derzeit vereinslos), Mirko Pantkowski (Frankfurt, vereinslos), Nico Pertuch (Frankfurt, eventuell mit Förderlizenz) oder Ryan Bednard (Düsseldorfer EG, jetzt Orlando Solar Bears, ECHL).
Punkt 3, fehlendes Spielsystem: In weiten Teilen der Vorbereitungsspiele war kaum ein Spielsystem erkennbar. Das mag natürlich daran liegen, dass eine nach 18 Abgängen und 13 Neuzugängen vollkommen neue Mannschaft auf dem Eis steht. Verständlich, dass es nach nur wenigen Wochen Training einfach noch Zeit braucht, bis sich die Truppe einspielt. Allerdings hat man diese Zeit angesichts des baldigen Saisonstarts nicht.
Enttäuschende Leistungsträger
Punkt 4, die „Leistungsträger“: Von enttäuschend bis lustlos kann man die Leistungen vieler sogenannter Leistungsträger in den bisherigen Spielen bezeichnen. Lediglich „Königstransfer“ Brayden Tracey deutete in seinen erst zwei Auftritten an, wie wertvoll er für sein Team werden kann. Allerdings muss der 25-jährige Kanadier, der sogar ein Spiel in der National Hockey League (NHL) für die Anaheim Ducks bestritt, körperlich noch zulegen.
Punkt 5, Neuzugänge: Wie jedes Jahr gibt es bei diesem Thema viele Gerüchte und Spekulationen. Zwar ist der Devils-Kader mit drei Goalies, sieben Verteidigern und 14 Angreifern quantitativ relativ gut besetzt. Was aber die Qualität angeht, bestehen doch gewisse Zweifel, ob man mit diesem Aufgebot in der DEL2 nicht wieder nur gegen den Abstieg kämpft. Durchaus denkbar, dass die Verantwortlichen auf dem – allerdings immer kleiner werdenden – Transfermarkt nochmal aktiv werden. Ein Name hält sich hartnäckig: Stanislav Dietz, der 36 Jahre alte Deutsch-Tscheche, der in der abgelaufenen Saison für den EV Landshut als Verteidiger immerhin fünf Tore und 22 Vorlagen beisteuerte. Ob sich in der Offensive noch etwas tut, ist eher unwahrscheinlich: Erstens ist der Markt ziemlich leergefegt und zweitens haben die Blue Devils in diesem Bereich eigentlich ausreichend Qualität.
„Totgesagte leben länger“
Unabhängig von der Frage, ob man noch neue Spieler verpflichtet, dürften die Blue Devils vor einer erneut herausfordernden Spielzeit stehen. Viele der Mitkonkurrenten haben personell mächtig aufgerüstet: Zum engeren Favoritenkreis zählen die Düsseldorfer EG, die Kassel Huskies, die Starbulls Rosenheim, der EV Landshut, die Krefeld Pinguine und die Ravensburg Towerstars. Bezeichnenderweise haben sich exakt diese Clubs für die kommende Saison um den Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga beworben. Seit Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs 2021 war die Zahl der potenziellen Aufsteiger noch nie so hoch. Einiges zuzutrauen ist auch dem Oberpfälzer Rivalen, den Eisbären Regensburg oder Absteiger Dresden.
Trotzdem: Bangemachen gilt nicht. Die Blue Devils haben schon öfter den Spruch „Totgesagte leben länger“ beherzigt und selbst die größten Pessimisten eines Besseren belehrt. Zu wünschen ist es ihnen allemal. Es gibt nicht so viele Vereine in der Region, die auf einem derart hohen Niveau die nördliche Oberpfalz in ganz Deutschland vertreten.




