Weidner geben niemals auf: Jetzt ist Zusammenhalt gefragt!
Weidner geben niemals auf: Jetzt ist Zusammenhalt gefragt!
Der Auftritt von Alan Letang in der Pressekonferenz nach dem 1:5 am Freitag beim EC Bad Nauheim war bezeichnend. Sichtlich enttäuscht enthielt sich der Weidener Coach jeglicher Stellungnahme zum Spiel, gratulierte lediglich dem Gegner zum Klassenerhalt. Der erst vor wenigen Wochen verpflichtete Kanadier schien einigermaßen ratlos und maßlos enttäuscht von seiner Mannschaft. Zurecht.
Buchwieser-Entlassung negativer Höhepunkt
Im neuen Jahr rutschten die Blue Devils immer stärker in die Krise. Anhaltende Personalprobleme – teilweise musste man auf bis zu zehn verletzte oder erkrankte Spieler verzichten – , fehlendes Scheibenglück und latente Unruhe im Verein (Ticketpreiserhöhung, neuer Investor) ließen den Club immer weiter in die Abstiegszone rutschen. Sozusagen das Tüpfelchen auf dem i und negativer Höhepunkt war die Entlassung des geschätzten und beliebten Trainers Sebastian Buchwieser, die nicht nur bei den Fans auf Unverständnis stieß. In der Tat verbesserte sich die Situation auch unter dem neuen Coach Alan Letang nicht wirklich. Nur ein Sieg (4:3 n.V.) in Landshut aus den jüngsten neun Spielen spricht eine deutliche Sprache.
Es wäre aber zu einfach und auch falsch, den neuen Coach alleine für die Misere verantwortlich zu machen. Ein Manko sicherlich: Alan Letang kannte die DEL2 nur vom Hörensagen, hatte kaum Zeit, sich einzuarbeiten. So war in der Play-down-Serie gegen Bad Nauheim eine gewisse Ratlosigkeit nicht wegzudiskutieren. Letang wechselte die Formationen immer wieder kräftig durch, suchte scheinbar fast schon verzweifelt und letztlich erfolglos nach Lösungen für das gravierende Offensivproblem seiner Truppe.
170 Minuten ohne eigenes Tor
Achteinhalb (!) Drittel oder 170 Minuten blieben die Blue Devils gegen Bad Nauheim ohne Tor. Zweifelhaft, ob es eine solche Torlosserie in Deutschlands zweithöchster Eishockey-Spielklasse schon einmal gab. Ein Rekord, auf den man gerne verzichten kann. Auch hier sind die Gründe vielschichtig. Am schwerwiegendsten war wohl der langfristige Ausfall von Captain und Punktekönig Tomáš Rubeš. Aber auch sein Sturmpartner Tyler Ward hatte mit Verletzungen zu kämpfen und fand nach seiner Rückkehr in den Kader nie mehr zur Form vergangener Tage. Ähnliches gilt für Alex-Olivier Voyer. Der im Dezember nachverpflichtete Angreifer schlug zwar wie erhofft zunächst voll ein, ließ aber zuletzt in gleichem Maß nach.
Weil auch Leistungsträger wie Luca Gläser, Fabian Voit oder Constantin Vogt zu wechselhaft agierten und die Neuzugänge Zach Tsekos und Nick Jermain aus verschiedenen Gründen nie zu den erhofften Verstärkungen wurden, war die Misere vorprogrammiert. Schließlich hatte man auch auf der Torhüterposition ein nicht wegzudiskutierendes Problem. Nach der Verletzung von Felix Noack und der Abberufung des überragenden Förderlizenz-Goalies Simon Wolf zu Red Bull München bekam Michael McNiven das Vertrauen. Aber der Kanadier, der in seinem Land schon unter Alan Letang gespielt hat, erwies sich letztlich auch nicht als der ganz große Rückhalt.
Woher Selbstvertrauen nehmen?
Was bedeutet all dies für die zweite und entscheidende Play-down-Runde gegen den ESV Kaufbeuren? Ziemlich viel, leider. Mit allzu viel Selbstvertrauen gehen die Blue Devils wohl kaum in diese Spiele. Den einzigen Vorteil kann man aus dem Fakt ziehen, dass man wegen des 10-Punkte-Vorsprungs aus der Hauptrunde mit einem 1:0-Vorsprung in die Partien gegen die Allgäuer geht. Damit reichen drei Siege, um den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Siege gibt es aber nur, wenn man Tore schießt, aber ausgerechnet daran mangelt es dem Team seit Wochen. Man hat in fast jeder der vergangenen Partien mehr Torschüsse als der Gegner, doch die Qualität der Versuche ist mehr als mangelhaft. Trainer Alan Letang kann zwar taktisch viele Varianten durchspielen, aber die Tore müssen immer noch die Spieler selbst erzielen.
So ist vor den entscheidenden Wochen hauptsächlich der Psychologe Letang gefragt. Die fachliche Kompetenz will dem Kanadier, der mit den Junioren seines Heimatlandes schon Weltmeister wurde, wohl niemand absprechen. Die Frage ist, wie die Mannschaft die Negativserie in diesem Jahr aus dem Kopf bekommt. Und hier kommen auch die Fans ins Spiel. Zuletzt war es in den Heimspielen merkwürdig, aber auch nachvollziehbar, recht ruhig auf den Rängen. So hatten am Mittwoch die 35 handgezählten Anhänger der Bad Nauheimer Roten Teufel lautstärkenmäßig klar die Oberhand. Und auch in den sogenannten „Sozialen Medien“ ging die Post nach den jüngsten zwei Spielen im negativen Sinn so richtig ab. Viele Fans ließen kein gutes Haar an Verein, Trainer und Mannschaft. Bei allem Verständnis für die Enttäuschung und auch Wut der Anhänger stellt sich die Frage, ob das der richtige Weg und hilfreich ist. Sicher nicht.
Jetzt gilt’s für Spieler und Fans
Trotz aller Probleme und Sorgen: Ab Donnerstag, 2. April, gilt es. Dann gastiert zum ersten Spiel der Play-down-Runde 2 der ESV Kaufbeuren in der Hans-Schröpf-Arena. Sollte den Blue Devils hier ein Sieg gelingen, würde man schon 2:0 führen und es wären „nur“ noch zwei weitere Erfolge für den Klassenerhalt nötig. Bis dahin liegt aber noch ein steiniger und weiter Weg vor den Weidener Jungs. Man mag sich gar nicht vorstellen, was mit dem mittlerweile längst etablierten und respektierten Eishockeystandort Weiden bei einem Abstieg würde. Trotz aller Unzufriedenheit und nachvollziehbaren Frusts: Jetzt sind auch die Fans gefragt, die als „siebter Mann“ ihren Teil zur Mission Klassenerhalt beitragen können. Wie heißt es so schön? „Weidner geben niemals auf“. Beweist es!
Die Play-down-Runde 2
Donnerstag, 2. April, 19.30 Uhr: Blue Devils – ESV Kaufbeuren
Samstag, 4. April, 19.30 Uhr: ESV Kaufbeuren – Blue Devils
Ostermontag, 6. April, 18.30 Uhr: Blue Devils – ESV Kaufbeuren
Mittwoch, 8. April, 19.30 Uhr: ESV Kaufbeuren – Blue Devils
Freitag, 10. April, 19.30 Uhr: Blue Devils – ESV Kaufbeuren
Sonntag, 12. April, 17 Uhr: ESV Kaufbeuren – Blue Devils




