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Feins Zauberfuß und Eichingers Gefühl bescheren dem SSV Jahn einen wichtigen Punkt

Regensburg. Beim SSV Jahn dürften die Mienen nach dem Spiel deutlich aufgehellter gewesen sein als beim gastgebenden FC Saarbrücken. Die Gastgeber waren über weite Strecken deutlich aktiver, vergaben aber reihenweise beste Gelegenheiten.

Feins Zauberfuß und Eichingers Gefühl bescheren dem SSV Jahn einen wichtigen Punkt

Das ist die Führung: Noel Eichinger lässt Saarbrückens Keeper Menzel keine Chance. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Die Szene in der vierten Minute der Nachspielzeit ist vielsagend: Noch eine Minute zu spielen, Freistoß für den Jahn circa 35 Meter vor dem Saarbrücker Tor, und was macht Fein? Er spielt das Leder zurück zum eigenen Keeper.

Angst vor der eigenen Courage oder nach dem Motto „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ auf Sicherheit machen? Egal. Fein durfte sich das erlauben an diesem Nachmittag, an dem er mit einem Zauberpass über 40 Meter Eichinger ins Szene gesetzt und der gekonnt zur Gästeführung vollendet hatte.

SSV Jahn nach der Führung zu passiv

Der SSV Jahn startete in Spiel 1 nach Coach Michael Wimmer wie zu erwarten abwartend. Nach etwa zehn Minuten wurden die von Co- und Interimstrainer Munier Raychouni gut eingestellten Gäste stärker, übernahmen langsam die Kontrolle und näherten sich dem FC-Tor immer mehr an. Es bedurfte aber schon eines genialen Moments von Adrian Fein zur bis dahin etwas überraschenden Führung. Fast genauso so schön wie der Pass des SSV-Spielmachers war, was sein Kollege Noah Eichinger daraus machte: nämlich das 0:1 per – Achtung Wortspiel – „feinem“ Lupfer über Saarbrückens Keeper hinweg.

Das war’s dann auch schon mit der Regensburger Herrlichkeit. Saarbrücken wurde immer spielbestimmender und erarbeitete sich Chancen im Minutentakt: Caliskaner, Brünker, Multhaup, Pick – sie alle tauchten mehr oder weniger frei vor Gebhardt auf, hatten aber ihr Visier nicht richtig eingestellt. In dieser Phase hatte die SSV-Defensive hauptsächlich mit Florian Pick ihre liebe Mühe.

SSV Jahn „vergisst“ Pick

Nach dem Wechsel bot sich den Zuschauern (Saarbrücker Rekordkulisse 2026) ein ähnliches Bild. Die Gastgeber rannten an, erspielten sich zunächst aber kaum noch klare Gelegenheiten. Erst ein kurzer Tiefschlaf des SSV, als man den bis dahin auffälligsten FC-Akteur Pick völlig vergaß, ermöglichte den Saarländern den allerdings hochverdienten Ausgleich.

Auch danach blieb der FC klar dominierend, hatte aber nicht mehr so viele Chancen wie in Hälfte eins. So musste der beim Gegenor machtlose Gebhardt kaum einmal ernsthaft eingreifen. Gegen Ende wurde der Jahn wieder etwas mutiger und erzwang eine ausgeglichene Partie, die schließlich mit einer für die Gäste etwas schmeichelhaften, aber dennoch verdienten Punkteiteilung endete.

Grammer Solar
Grammer Solar
Der SSV Jahn beginnt in Saarbrücken stark mit Zauberpass von Adrian Fein und Lupfer von Noel Eichinger, um dann allerdings auch stark nachzulassen. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Interimstrainer für zwei Wochen

Das sahen auch beide Trainer nach der Partie so, obschon FC-Coach Argirios Giannikis „schon lieber alle drei Punkte“ behalten hätte. Munier Raychouni lobte seine Truppe vor allem für die erste Halbzeit, die man klar dominiert habe. Auf die Frage des Magenta-Reporters, ob er gerne Trainer in Regensburg bleiben würde und/oder ob er in die Trainersuche beim SSV eingebunden sei, antwortete er:

Zunächst kann ich nur zwei Wochen coachen, weil ich den Trainerschein noch nicht habe. Ich kümmere mich deshalb in dieser Zeit alleine um die Mannschaft. Für eine Suche haben wir unsere Fachleute.

Munier Raychouni
Der SSV Jahn beginnt in Saarbrücken stark mit Zauberpass von Adrian Fein und Lupfer von Noel Eichinger, um dann allerdings auch stark nachzulassen. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Das ist die Führung: Noel Eichinger lässt Saarbrückens Keeper Menzel keine Chance. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Der SSV Jahn beginnt in Saarbrücken stark mit Zauberpass von Adrian Fein und Lupfer von Noel Eichinger, um dann allerdings auch stark nachzulassen. Foto: Gatzka/SSV Jahn
Der SSV Jahn beginnt in Saarbrücken stark mit Zauberpass von Adrian Fein und Lupfer von Noel Eichinger, um dann allerdings auch stark nachzulassen. Foto: Gatzka/SSV Jahn

Trainer-Knall, Emotionen – und die Chance gegen Havelse

Der überraschende Abschied von Michael Wimmer beschäftigt den Jahn weiter. Der Jahn holt im ersten Spiel nach dem Trainer-Knall einen Punkt in Saarbrücken. Etwas Licht in Hälfte 1, als Regensburg stark beginnt, mit einer Traum-Kombi – Zauberpass von Adrian Fein, Lupfer Noel Eichinger – mit 1:0 in Führung geht, dann genauso stark nachlässt, Saarbrücken immer besser ins Spiel kommen lässt, gegen Florian Pick, Spieler des Tages, kein Mittel findet und schließlich froh sein muss, dass der Gastgeber nur zum Ausgleich kommt.

Da macht sich bemerkbar, was Michael Wimmer immer wieder bemängelte: Es fehlt die Konstanz bei der Energie. Gehen die Regensburger an ihre Leistungsgrenze, können sie jeden Gegner in der Liga schlagen – wie das 2:1 gegen Wehen oder in Verl zeigt. Schleicht sich aber wieder der Oberpfälzer Schlendrian ein, weiß man wieder, warum man zwar inzwischen halbwegs sicher im unteren Mittelfeld dümpelt, für einen Zweitliga-Absteiger aber dennoch kein Grund zur Euphorie.

Das allein aber dürfte nicht der Grund gewesen sein, warum der Cheftrainer mitten in der Saison das Handtuch warf. Kapitän Christian Kühlwetter deutet im Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung an, der Chef habe möglicherweise zu wenig Rückendeckung verspürt. Konkret wisse man aber nichts Genaues.

Was bleibt: Ein Trainer, der nach wenigen Monaten seinen Job in Schottland aufgibt, mit der Begründung, er wolle wieder näher bei seiner niederbayerischen Familie arbeiten – um dann mitten in der Crunch-Time der Saison als Co-Trainer in den höchsten Norden nach Kiel zu wechseln, macht sich unglaubwürdig. Was schade ist, weil er in der Analyse, im Auftreten, bis dahin einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat.

Wie sehr der Schritt den Kader getroffen hat, macht Kapitän Christian Kühlwetter im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung deutlich. Die Nachricht habe die Mannschaft „kalt erwischt“. Beim Training sei die Entscheidung verkündet worden – ohne Vorzeichen. „Es war eine große Überraschung“, sagt Kühlwetter.

Der Abschied selbst sei emotional verlaufen. Wimmer habe der Mannschaft versichert, dass sein Schritt nicht an den Spielern liege. Vielmehr sei spürbar gewesen, dass ihn die Situation selbst stark bewege. Konkrete Gründe habe er intern kaum genannt. Auch Gerüchte über mangelnde Rückendeckung aus der Vereinsführung bestätigte er nicht – allerdings ließ er durchblicken, dass Wimmer womöglich eine Pause vor der Verantwortung an vorderster Front suche.

Unstrittig ist für den Kapitän: Trotz Tabellenplatz im unteren Mittelfeld habe Wimmer den Jahn stabilisiert. „Wir haben mit ihm elf Punkte Vorsprung herausgearbeitet“, sagt Kühlwetter. Entscheidend sei nun, den Blick nach vorne zu richten – zehn Spiele stehen noch aus, dazu das Landespokal-Halbfinale gegen den TSV 1860 München.

Der nächste Schritt: Heimspiel gegen Havelse: Am kommenden Spieltag kommt mit dem Tabellenvorletzten TSV Havelse ein Gegner nach Regensburg, der sich trotz schwieriger Saison noch längst nicht aufgegeben hat – was der 3:2-Heimsieg gegen Köln beweist. Gerade solche Spiele haben es für den Jahn in dieser Saison immer wieder in sich gehabt.

  • Havelse kämpft ums Überleben in Liga 3 und wird jeden Punkt brauchen.
  • Für den Jahn dagegen könnte ein Heimsieg den Klassenerhalt fast greifbar machen.
  • Voraussetzung: dieselbe Intensität wie beim Sieg gegen Wiesbaden oder beim Auswärtscoup in Verl.

Die Lehre aus Saarbrücken ist klar: Geht der Jahn konsequent an seine Leistungsgrenze, kann er jeden Gegner schlagen. Lässt die Energie nach, geraten selbst kontrollierte Spiele schnell ins Wanken.

Gerade deshalb wird die Partie gegen Havelse zu einer Frage der Haltung – nicht der Tabelle.