Jahn in Liga 3: Ausgleichende Gerechtigkeit beim Remis bei 1860
Jahn in Liga 3: Ausgleichende Gerechtigkeit beim Remis bei 1860
Man muss nicht alles verstehen: Dass der SSV Jahn immer dann sein spielerisch ansehnliches Gesicht zeigt, wo man nicht unbedingt damit rechnet, wie auf Giesings Höhen. Und gegen einen fast abgestiegenen Gegner wie vergangenen Dienstag gegen Aue sich mühsamst ein 1:0 erzittert, gehört in diese Kategorie.
Insofern stimmt die Bilanz von Chefcoach Sascha Hildmann nur zur Hälfte, dass sich die Regensburger unter seiner Kurzägide schon merklich gesteigert hätten – im Vergleich zu Stuttgart allemal, aber Noel Eichinger & Co. zeigten auch schon unter Michael Wimmer immer wieder mal Sternstunden, etwa beim 4:0-Heimsieg gegen eben diese Löwen.
Nach einem insgesamt sehr abwechslungsreichen Flutlichtduell verdienen sich die Oberpfälzer die Punkteteilung durch die couragierte Offensive in der ersten Halbzeit, durch einen überragenden Elferkiller Felix Gebhardt im Kasten und natürlich als ausgleichende Gerechtigkeit für die völlig unverdiente 0:1-Pokalpleite vor zwei Wochen, als Regensburg das bessere Team war.
Der Endgegner für das Team aus der Domstadt bleibt freilich Maskenmann Sigurd Haugen, der alle drei Kisten der letzten zwei Spiele gegen den Jahn im Alleingang auf seine Kappe nehmen darf.
Schlagabtausch mit Wendungen – und Elfmeter-Drama
Die Anfangsphase gehört den Löwen, doch der Jahn findet schnell Zugriff – und hat Pech: Noel Eichinger scheitert mit einem Schlenzer am Pfosten (22.). Dann schlägt 1860 zu: Sigurd Haugen wird von Kevin Volland geschickt, zieht links in den Strafraum und schiebt überlegt zur Führung ein (28.).
Doch Regensburg reagiert – und wie: Erst gleicht Leo Mätzler per Kopf nach Flanke von Adrian Fein aus (42.), dann vollendet Philipp Müller nach Steckpass von Christian Kühlwetter den Doppelschlag zur 2:1-Führung (45.+1).
Gebhardt hält, Haugen trifft
Nach der Pause drückt 1860 – und bekommt die große Chance: Nach Foul von Felix Gebhardt an Florian Niederlechner zeigt der Schiedsrichter auf den Punkt (53.). Doch Thore Jacobsen scheitert vom Elfmeterpunkt an Gebhardt, der auch den Nachschuss entschärft (55.).
Die Löwen laufen weiter an, Niederlechner und Kevin Volland scheitern mehrfach am überragenden Jahn-Keeper (62.). Doch in der Schlussphase bricht sich der Druck bahn: Sigurd Haugen köpft nach Flanke von Samuel Althaus zum verdienten Ausgleich ein (81.). Beinahe gelingt sogar noch der Lucky Punch, doch Raphael Schifferl setzt einen Kopfball knapp vorbei (89.).
Sascha Hildmann: „Echt ein gutes Spiel“
„Es war ein sehr intensives Spiel, gerade am Anfang haben beide Mannschaften hoch gepresst und hatten sehr viele Aktionen, die zu Toren hätten führen können. Wir hatten gute Möglichkeiten, Pfostenschuss, 60 hatte gute Möglichkeiten. Ich fand’s echt ein gutes Spiel, für die Zuschauer auch. Ich meine, wir hatten jetzt noch zwei kurzfristige Ausfälle heute Morgen, wir hatten eine blutjunge Abwehrkette, zweimal 20-Jährige, einen 22-Jährigen, die das sehr, sehr gut gelöst haben. Deshalb bin ich sehr zufrieden mit dem Spiel, mit der Leistung.
Dass wir jetzt noch zum Ende das 2:2 kriegen, das muss man dann halt mal akzeptieren. Wir spielen bei 60 – und dann haben die auch so einen Haugen, ne?! Der Haugen, der macht die Dinger halt dann rein. Mir hat die spielerische Komponente gefallen. Wir haben uns da schon sehr gesteigert. Wir haben von hinten echt einen guten Fußball gespielt. Ich glaube, das zweite Tor war auch sehr gut rausgespielt. Das hat mir Spaß gemacht, dass sie mutig sind, dass sie sich Bälle holen.
Wenn ich an das Spiel in Stuttgart denke, wo wir das 1:0 kriegen und dann völlig auseinander gefallen sind. Hier kriegst du ein Tor und drehst das Spiel dann auf 2:1. Das will ich sehen. Mentalität und Einsatz waren sehr gut. Felix hat uns heute wirklich am Leben gehalten mit seinen Paraden, auch im letzten Spiel schon. Er ist wirklich gut drauf, gefällt mir sehr gut.“
Markus Kauczinski: Powerplay in Halbzeit 2
„Vor allem auf Grund der zweiten Halbzeit. In der ersten Halbzeit ausgeglichen, das erste Tor zu billig, bekommen das zweite kurz vor Schluss. Vor allem das zweite Tor, so kurz vor der Halbzeit, ärgerlich aus einem langen Abschlag, dann siehst du doof aus, das fällt zu einfach. In der zweiten haben wir Powerplay gespielt, haben noch zwei, drei Chancen mehr. Wir haben ein gutes Gesicht gezeigt.
Ich bin froh, dass wir nicht verloren haben – so ein Spiel kann man auch schon mal verlieren –, dass wir das zweite Tor gemacht haben, aber wir hätten auch ein drittes machen können. Samuel (Althaus) hat es gut gemacht, er hat immer noch mal zwei, drei wilde Sachen mit dabei, aber insgesamt war’s eine gute Mannschaftsleistung.“
Löwen-Keeper Dähne: „Mindestens den Punkt verdient“
„Wir haben richtig gut gespielt heute, speziell in der ersten Halbzeit. Es waren dann so ein, zwei Situationen gegen Ende, wo wir zu schläfrig sind, wo wir einfach den Gegner gefühlt einladen, die Tore zu schießen. Wir gehen dann mit 1:2 Rückstand in die Pause, du hast gefühlt Scheiße am Fuß. Ich glaube, dann haben wir zweite Halbzeit schon ein anderes Gesicht gezeigt. Und ich finde, dass wir uns im Endeffekt mindestens den Punkt verdient haben. Ja klar, den Elfmeter verschossen, aber im Endeffekt ist es so wie in den letzten Spielen, dass wir hinten etwas zu lethargisch verteidigen und vorne die Chancen einfach nicht nutzen.“
Zur Vertragsverlängerung: „Super-Gespräche mit dem Verein, die sportliche Perspektive, die sie mir aufgezeigt haben – ich kann bei einem super Verein Fußball spielen, das macht mega Spaß. Das Umfeld, die Stadt, der Verein, das ist für mich einfach das perfekte Match – und dass wir uns als Familie auch super wohlfühlen. Wir wollen auf jeden Fall noch den Toto-Pokal gewinnen.“
Am Freitag gegen Aachen: Wiedersehen mit Selimbegović
Freitagabend, Flutlicht, alte Geschichten: Der SSV Jahn trifft am 17. April, 19 Uhr, zuhause auf Alemannia Aachen – und damit auf einen alten Bekannten. Ex-Trainer Mersad Selimbegović kehrt erstmals an die alte Wirkungsstätte zurück.
Sportlich geht es für beide Teams um Stabilität im Niemandsland der Tabelle – emotional aber um weit mehr. Selimbegović hatte den Jahn über Jahre geprägt, nun kommt er mit einem Gegner, der unangenehm, körperlich robust und taktisch diszipliniert auftritt.
Für Hildmann und seine Mannschaft wird es darauf ankommen, die spielerischen Ansätze aus München zu konservieren – und vor allem die defensiven Wackler in der Schlussphase abzustellen. Denn eines hat das 2:2 auf Giesings Höhen einmal mehr gezeigt: Der Jahn kann Spiele drehen. Aber er kann sie noch nicht souverän zu Ende spielen.






















