Jahn in Liga 3: Von Mersads Aachen überrannt
Jahn in Liga 3: Von Mersads Aachen überrannt
Experimente in Ehren, aber man hätte jetzt doch gerne mal den Klassenerhalt auch rechnerisch perfekt gemacht. Das sieht man dem SSV Jahn in der ersten halben Stunde so gar nicht an, in der die Oberpfälzer keinen Zugriff auf das Kombinationsspiel der Alemannia haben, die sieben der letzten acht Spiele gewann.
Dusel zur Führung – und Chancen zum 2:0
Mit viel Dusel übersteht Regensburg diesen ersten Aachener Wirbelsturm – muss in dieser Zeit verletzungsbedingt bereits zweimal wechseln. Philipp Müller (9.) und Lucas Hermes (26.) bleiben jeweils mit Muskelverletzung sitzen.
Glück für den Jahn: Der hochmotivierte Eric Hottmann köpft einen fein gezirkelten Freistoß von Adrian Fein zum 1:0 (34.) ein – der allererste Torabschluss. Kurz darauf bricht der Torschütze über rechts komplett durch, trifft aus spitzem Winkel nur den Pfosten (41.) – und der überraschte Noel Eichinger chippt den Abpraller aus rund 16 Metern über das leere Tor.
Kollektiver Blackout nach der Pause
Ein Wirkungstreffer also, denkt man – und geht optimistisch in Hälfte zwei, die der Jahn auch noch engagiert beginnt. Doch dann kippt das Spiel binnen Minuten. Nach einem schnellen Angriff legt Mika Schroers quer, Lars Gindorf drückt den Ball im Grätschen aus elf Metern über die Linie – 1:1 (49.).
Nur drei Minuten später lässt die Jahn-Abwehr die Aachener Doppelspitze gewähren: Gindorf wird am Strafraum angespielt, nimmt perfekt mit und schiebt unhaltbar ins rechte Eck – 1:2 (52.).
Alles, was stürmen kann, trifft nicht
Die Regensburger werfen anschließend zwar alles nach vorne, und Jahn-Trainer Sascha Hildmann bringt alles, was stürmen kann. Doch weder Florian Dietz, der aus kürzester Distanz vergibt (76.), noch John Xaver Posselt können den Ausgleich erzwingen. Zu ungenau bleiben die Zuspiele aus dem Mittelfeld.
Stattdessen sorgt Nicolas Oliveira mit einem völlig missglückten Rückpass für die Entscheidung: Mika Schroers spritzt dazwischen und schiebt ins leere Tor ein – 1:3 (87.), Game over.
Gut, dass der Abstand auf Ulm und Havelse weiterhin komfortabel ist. Um noch eingeholt zu werden, müssten beide Konkurrenten eine perfekte Serie hinlegen – unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
Jahn-Trainer Sascha Hildmann: „Das bestrafen die knallhart“
„Man hat gemerkt, dass du dir solche Phasen nicht erlauben darfst gegen eine Mannschaft wie Aachen, die einen Topstürmer hat. Wir waren ein Ticken zu spät, die Gedankenfindung war zu spät – und das bestrafen die knallhart. Dann sind wir aber noch einmal rausgekommen nach dem 2:1 und hatten hintenraus die ein oder andere Gelegenheit, den Ausgleich zu schießen – aber leider hat es dann nicht mehr gereicht und du kriegst dann das 3:1 durch einen individuellen Fehler.
Heute war’s aber auch so, dass wir schon in der ersten Halbzeit zwei Wechselfenster aufgeben mussten, weil sich zwei Spieler sehr früh verletzt haben. Das hat uns Flexibilität geraubt. Es ist für uns ein Lernprozess. Eric Hottmann hat es sehr gut gemacht, freut mich sehr für ihn. Trotzdem muss ich mir Bilder machen: Wie reagieren andere Spieler im Wettkampf?“
Goalgetter Eric Hottmann: „Zu viele einfache Fehler“
„Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht. Ich glaube, das 1:2 und 1:3 waren Ballverluste von uns, wir laufen in Konter. Aber auch zuvor waren wir zu unsauber. Aachen hat die Qualität, solche Situationen auszuspielen. Da tut’s weh – auch wenn wir über weite Strecken ein ordentliches Spiel gemacht haben.
Zufrieden ist man nie, wenn man auf der Bank sitzt. Jeder Stürmer will 90 Minuten spielen. Das ist die Reaktion, die ich bringen will – deshalb bin ich froh über mein Tor, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat.“
Aachens Trainer Mersad Selimbegovic: „Wir haben noch was vor“
„Ich bin hart geblieben, kein freier Tag – wir haben noch was vor. In der Pause waren die Jungs sauer über das 0:1. Ich musste sie ein bisschen beruhigen, war aber überzeugt, dass wir dieses Spiel nicht verlieren, wenn es normal läuft.
Wir waren dominant in der ersten Halbzeit, geraten aus dem Nichts in Rückstand und spielen dann weiter. Deshalb bin ich sehr stolz – und auch ein bisschen müde.“
Doppelpacker Lars Gindorf: „Wichtig war, dass wir dranbleiben“
„Wir sind sehr gut ins Spiel reingekommen, hätten eigentlich früh führen müssen. Dann schlägt Regensburg mit ein, zwei Chancen zu. Wichtig war, dass wir dranbleiben.
Nach der Halbzeit war klar: Wenn wir so weiterspielen, drehen wir das Spiel. Dass wir dann so schnell die Führung machen, hat uns extrem geholfen.“
Mentalitätstest an der Ostsee: Rostock wartet
Der SSV Jahn geht auf Reisen – und die hat es in sich: Beim Auswärtsspiel am nächsten Samstag, 25. April, 14 Uhr, beim FC Hansa Rostock wartet nicht nur ein Traditionsklub, sondern auch eine Atmosphäre, die in der 3. Liga ihresgleichen sucht.
Nach dem kollektiven Blackout gegen Aachen wird es für die Mannschaft von Sascha Hildmann vor allem um eines gehen: Stabilität. Rostock spielt physisch, direkt, emotional – genau die Mischung, mit der sich der Jahn zuletzt immer wieder schwertat.
Personell drohen zusätzliche Probleme: Leo Mätzler fehlt nach seiner fünften Gelben Karte, die Verletzungen von Philipp Müller und Lucas Hermes könnten den Kader weiter ausdünnen.
Die Rechnung ist dennoch einfach – und typisch Jahn: Ein Punkt würde den Klassenerhalt nahezu zementieren. Ein Sieg an der Küste? Wäre mehr als nur ein Befreiungsschlag – es wäre die späte Antwort auf ein Spiel, das man gegen Aachen leichtfertig aus der Hand gegeben hat.
















