Jahn in Liga 3: Waldhof gewinnt dank Jahrhundert-Eigentor
Jahn in Liga 3: Waldhof gewinnt dank Jahrhundert-Eigentor
Jahn-Trainer Sascha Hildmann will den ersten Dreier-Triple der Saison. Dafür ist das Spiel der Regensburger bei frühsommerlichen Temperaturen aber insgesamt zu ungenau, zu unscharf, zu wenig zwingend. Das gilt zwar auch für die Mannheimer, aber die haben nach sechs sieglosen Spielen eben den Regensburger Torwart auf ihrer Seite.
Über weite Strecken hätten sich beide Mannschaften ein 0:0 redlich verdient, auch wenn die Regensburger vor allem in den letzten 15 Minuten noch einmal die Zügel anziehen und mit einem Pfostenschuss des eingewechselten Christian Kühlwetter und einem Latten-Kopfball nach einer Ecke in der letzten Sekunde den 50. Zähler erzwingen hätten können. Jetzt dürfen die Regensburger am letzten Spieltag gegen Energie Cottbus den Aufstieg mitentscheiden.
Viel Leerlauf bei Sommerfußball
Bei bestem Fußballwetter entwickelt sich zunächst genau die Partie, die man bei zwei Mannschaften erwarten darf, für die es tabellarisch um kaum noch etwas geht. Regensburg hat zwar etwas mehr Ballbesitz, wirklich gefährlich wird es aber zunächst nicht.
Ein erster Warnschuss nach einem Freistoß von Adrian Fein, den Waldhof-Keeper Thijmen Nijhuis im Getümmel zur Ecke boxt (10.). Auf der Gegenseite sucht Mannheim immer wieder den bulligen Terrence Boyd mit hohen Bällen, doch Julian Pollersbeck ist zunächst aufmerksam – etwa bei einem etwas laschen Rückpass vor Boyd (6.) oder bei einem schwachen Abschluss des Ex-Nationalspielers (18.).
Die besten Chancen vor der Pause
Nach gut einer halben Stunde wird der Waldhof aktiver. Lovis Bierschenk prüft Pollersbeck mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck (33.), kurz darauf verzieht Nolan Muteba N’Tumba artistisch per Seitfallzieher (32.). Die beste Jahn-Chance leitet dagegen ein Mannheimer Fehlpass ein: Erst vertändelt Oscar Schönfelder noch, dann scheitert Noel Eichinger an Nijhuis, ehe Janne Sietan zur Ecke klärt (29.).
Kurz vor der Pause wird es doch noch einmal hektisch. Nach einer zu kurzen Ecke von Fein scheitert Schönfelder mit einem gefährlichen Abschluss an Nijhuis, den Nachschuss setzt Eric Hottmann deutlich drüber (45.+2). So geht es mit einem leistungsgerechten 0:0 in die Kabinen.
Slapstick-Moment entscheidet das Spiel
Nach dem Seitenwechsel dann die Szene des Spiels: Adrian Fein spielt einen harmlosen Rückpass Richtung eigenes Tor. Der Ball hoppelt leicht, Pollersbeck lässt ihn unter dem Fuß hindurchrutschen – und plötzlich steht es 1:0 für Mannheim (53.). Ohne dieses Slapstick-Eigentor würden beide Teams wohl jetzt noch immer auf einen Treffer warten.
Der Jahn braucht einige Minuten, um sich davon zu erholen, wird danach aber etwas energischer. Erst verhindert der eingewechselte John Xaver Posselt unfreiwillig den Einschlag bei einem Abschluss von Benedikt Saller (59.), dann faustet Nijhuis eine scharfe Hereingabe von Saller weg (60.).
Aluminium verhindert den Ausgleich
Die größte Möglichkeit zum Ausgleich hat schließlich Christian Kühlwetter. Der Stürmer zieht aus dem linken Halbraum trocken ab und trifft nur den linken Außenpfosten (78.). Mannheim verteidigt ansonsten leidenschaftlich und setzte selbst nur noch vereinzelte Konter. In der Schlussphase belagern die Oberpfälzer den Mannheimer Strafraum ohne allzu viel Durchschlagskraft. Sebastian Stolze spitzelt den Ball am kurzen Pfosten vorbei (90.+5), Kühlwetter scheitert noch einmal an Nijhuis (90.+4).
Und dann die allerletzte Szene dieses Sommerkicks: Ecke für den Jahn, selbst Pollersbeck stürmt mit nach vorne. Felix Strauss verlängert per Hinterkopf an die Latte (90.+6). Danach ist Schluss. Mannheim beendet damit seine sechs Spiele währende Sieglosserie und verabschiedet sich mit einem Heimsieg von den eigenen Fans. Der Jahn dagegen muss sich nach einem Spiel ohne große Höhepunkte vor allem über einen folgenschweren Blackout ärgern.
Sascha Hildmann: „Waldhof hat nicht gewonnen, wir haben verloren“
„Boh, ich muss sagen, dass wir in der ersten Halbzeit teilweise zu langsam gespielt haben, wir hätten viel schnellere Füße gebraucht, mehr Verlagerung reinbringen müssen, den Gegner mehr in die Bewegung kriegen müssen. Trotzdem hatten wir die größeren Torchancen gerade in der ersten Halbzeit. Dann gehst du raus in die zweite Halbzeit und kriegst so ein sehr unglückliches Tor.
Dann wurde es komischerweise besser, haben wir mehr Druck erzeugt, auch mal schneller gespielt, auch mal so Fußball gespielt, wie ich es mir vorstelle. Aber leider war’s dann zu spät – Pfosten, dann noch Latte. Und im Endeffekt gewinnt Waldhof Mannheim das Spiel. Die hatten, ich weiß nicht wie viele Torschüsse – zwei? Das Spiel hat nicht Waldhof Mannheim gewonnen, sondern wir verloren. Dass es um nichts mehr geht, stimmt ja nicht. Wir hatten einen Wahnsinnssupport mit 1000 Fans und wir wollen den Jungs ja auch was bieten.“
Jahn-Unglücksrabe Julian Pollersbeck: „Meine Fresse …“
„Erst dachte ich wegschießen, dann dachte ich, der hoppelt, nimmst einen Kontakt – und den Rest kann jeder selber sehen. Ist halt einfach bitter. Natürlich eine ärgerliche Situation für die ganze Mannschaft. Dass Terrence und sein Teamkollege hergekommen sind und mich aufheitern wollten, ist aller Ehren wert.
Meine Fresse, wenn du Scheiße am Fuß hast. Das ist ja jetzt nichts, was mich als Torwart ausmacht. Jeder hat schon mal im Spiel einen Ball schlecht mitgenommen, bei uns Torhütern ist es halt sehr oft ein Gegentor. Das ist mir halt heute passiert. Mir tut’s für die Mannschaft leid, wir wollten heute drei Punkte mitnehmen, ansonsten war es ein 0:0-Spiel.“
Luc Holtz: „Hatte die Jungs schon sehr gestresst“
„Das letzte Mal, dass wir zu Null gespielt haben, war vor fünf Monaten. Das war Thema seit Wochen. Für die Jungs ist es sehr wichtig, das hat sie schon sehr gestresst. Insgesamt eine geschlossene Mannschaftsleistung, außer die letzten 15 Minuten, wo der Gegner natürlich den Druck erhöht hat, haben wir sehr, sehr gut verteidigt.
Und das ist heute das Wichtigste, dass wir zu Null gespielt haben, dass wir ein Tor geschossen haben – auch wenn der Gegner da mitgeholfen hat. Ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit viel Gutes mit dem Ball gemacht haben, Abläufe über die Flügel. Nur im letzten Drittel müssen wir noch konsequenter mit unseren Chancen umgehen.“
Janne Sietan: Heute mal alle zusammen verteidigt
„Defensiv standen wir heute gut. Auch wenn der Gegner zum Schluss noch einmal den Druck erhöht, haben wir dann heute mal alle zusammen verteidigt zu elft. Und dann gewinnt man 1:0 – auch wenn das Tor so fällt, wie es fällt, das nehmen wir heute mal dankend an.“
Showdown gegen Aufstiegskandidat Cottbus
Am kommenden Samstag endet für den SSV Jahn eine wilde Drittligasaison mit einem Heimspiel, das sportlich plötzlich doch noch Brisanz besitzt. Um 13.30 Uhr gastiert Aufstiegskandidat Energie Cottbus im Jahnstadion – und die Lausitzer können dann noch um den direkten Sprung in die 2. Bundesliga kämpfen.
Für die Regensburger geht es tabellarisch zwar maximal noch um kosmetische Korrekturen und einen versöhnlichen Saisonabschluss vor eigenem Publikum. Trotzdem dürfte Sascha Hildmann seine Mannschaft motivieren können: Der Jahn könnte zum Zünglein an der Waage im Aufstiegsrennen werden.
Nach den starken Auftritten in Rostock und gegen Hoffenheim II wollen sich die Oberpfälzer trotz der bitteren Pleite in Mannheim mit einem positiven Gefühl verabschieden. Fraglich bleibt allerdings, ob Hildmann nach dem Patzer von Julian Pollersbeck erneut auf den Ex-U21-Europameister setzt oder wieder Stammkeeper Felix Gebhardt zwischen die Pfosten zurückkehrt.
Für ordentlich Atmosphäre dürfte in jedem Fall gesorgt sein: Cottbus wird von zahlreichen Fans begleitet, der Jahn will sich nach einer Saison zwischen Abstiegsangst, Trainerwechsel und verspäteter Stabilisierung zumindest mit einem echten Fußballnachmittag aus Liga-3 verabschieden.













