Urlaub für alle - Urlaub ohne Barrieren
![Tirschenreuth. Rund 100 Gastgeber bieten im Landkreis Tirschenreuth 900 Betten für Übernachtungsgäste. Im “Land der 1000 Teiche” haben sich Anglerbauernhöfe oder Gesundheitshöfe auf bestimmte Zielgruppen spezialisiert. Andere setzen auf Familien […]](https://oberpfalzecho.de/cache/images/Vortrag-1100.jpeg)
Urlaub für alle - Urlaub ohne Barrieren
Tirschenreuth. Rund 100 Gastgeber bieten im Landkreis Tirschenreuth 900 Betten für Übernachtungsgäste. Im “Land der 1000 Teiche” haben sich Anglerbauernhöfe oder Gesundheitshöfe auf bestimmte Zielgruppen spezialisiert. Andere setzen auf Familien mit Kindern oder Sportbegeisterte. “Im Landkreis spielt Urlaub auf dem Bauernhof eine wichtige Rolle. Künftig soll auch die ältere Generation Urlaub ohne Einschränkungen genießen können. Komfortabel, hilfreich und bequem”, fasste AELF-Chef Wolfgang Wenisch die Ziele für die kommenden Jahre zusammen.
Sein Amt hatte unter Federführung von Else Köstler den Oberpfälzer Informationstag des “Netzwerkes Diversifizierung Urlaub auf dem Bauernhof” organisiert. Mit einem deutschlandweiten Zertifizierungsverfahren können sich Beherbergungsbetriebe von geschulten Prüfern kategorisieren lassen, sodass Erholungssuchende mit Handicap anhand einheitlicher Symbole auf den ersten Blick erkennen, ob die Unterkunft für ihre Bedürfnisse geeignet ist. „Dabei geht es nicht darum, dass alle Betriebe das Siegel der vollständigen Barrierefreiheit erlangen“, sagte Patricia Schwägerl von der Touristikagentur Ostbayern, die den Gastgebern die Kriterien barrierefreier Unterkünfte vorstellte. Es gehe vielmehr darum dem Gast informativ weiterzugeben, was der einzelne Betrieb leisten kann.
Tür zum Bad: immer nach außen öffnend
So seien etwa beidseitige Handläufe an Treppen immer besser als nur einseitig angebrachte Handläufe. “Wenn Sie die Möglichkeit haben: bitte keine zu dunklen Böden legen”, bat Schwägerl die Teilnehmer des Informationstages. Flure und Gänge sollten mindestens 1,20 Meter Breite aufweisen, besser seien 1,50 Meter. Für Eingangstüren gelte eine Mindestbreite von 90 cm, bei Zimmertür genügten 80 cm. Die Beleuchtung solle hell und blendfrei sein, insbesondere müsse auf die Höhe geachtet werden, sodass man nicht direkt ins Licht blicke. „Ganz wichtig ist, dass sich die Badtür nach außen öffnet”, betonte die Fachfrau. Ein am Boden liegender Ohnmächtiger könne anderenfalls die Tür von innen blockieren und die Rettung deutlich verzögern. Ein Spiegel, der im Sitzen einsehbar ist, eine bodengleiche Dusche mit Haltegriffen, einem klappbaren Sitz oder einem Hocker seien wichtige Merkmale eines barrierefreien Badezimmers.
Nützliches für wenig Geld
“Was ich ganz toll finde ist eine Halterung für Gehhilfen”, betonte Schwägerl. Das helfe auch Menschen mit kurzzeitigen Verletzungen. Die Halterungen seien günstig und könnten etwa an Stühlen befestigt werden. Gegenstände, die verschoben werden können, seien bei der Zertifizierung kein Problem. Ein Tisch etwa könne einfach weggeschoben werden. Und noch einen Tipp hatte Schwägerl für ihre Zuhörerinnen: Lesebrillen gäbe es für wenige Euros. Wer darauf angewiesen ist und sie zu Hause vergessen hat, sei über kostenlos bereitliegende Brillen überaus dankbar. “Das kommt allen Ihren Gästen zu Gute”, betonte Schwägerl.
Menschliche Hemmnisse überwinden
Auch im Außenbereich gilt es einige Punkte zu beachten, die Menschen mit Behinderungen den Alltag erleichtern. Parkplätze etwa sollten mindestens 3,50 m breit und fünf Meter lang sein. Wege sollten mindestens 70 cm, besser 90 cm breit sein und einen rutschfesten, ebenen Belag haben.
Kopfsteinpflaster ist generell immer schwierig,
betonte Schwägerl. Eine Rampe (Mindestbreite 1,20 m) sollte höchstens eine Steigung von 6 % haben. Wenn sie flacher ausläuft, wäre es noch erheblich besser. Wenn Einschränkungen bei der Barrierefreiheit historisch bedingt sind, könne das bei dem Ergebnis der Zertifizierung mit angegeben werden. Nähere Kenntnisse – auch über den persönlichen Umgang mit Gästen – können Gastgeber bei Online-Schulungen erfahren, die von zu Hause aus absolviert werden. Zum Beispiel geht es darum, wie man menschliche Hemmnisse überwindet und etwa einen Blinden anspricht.
Mehrwert für alle
Bei der Besichtigung einer Musterwohnung mit der zertifizierten Wohnraumberaterin Anita Busch sahen die Gastgeber die besprochenen Punkte in natura. „Es gibt viele Kleinigkeiten, die man nachrüsten kann und die nicht viel kosten“, sagte Organisatorin Else Köstler. So werden etwa Telefon oder Hausglocke mit einem Gongverstärker auch für Schwerhörige wahrnehmbar. Eine Kamera für die Haustüre bringe zusätzliche Sicherheit. „Barrierefreiheit ist für zehn Prozent ein Muss, aber für 100 Prozent ein Mehrwert“, ist Wohnberaterin Busch überzeugt.




