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Immer auf der Sonnenseite: Sonne im Überfluss, Energie klüger nutzen

Amberg. In seiner Kolumne erinnert sich Siegfried Schröpf an autofreie Sonntage der Ölkrise und fragt, warum wir heute den Solarstrom-Überfluss fürchten. Sein Plädoyer: Verbrauch flexibel steuern, speichern und klug nutzen.

Amberg. In seiner Kolumne erinnert sich Siegfried Schröpf an autofreie Sonntage der Ölkrise und fragt, warum wir heute den Solarstrom-Überfluss fürchten. Sein Plädoyer: Verbrauch flexibel steuern, speichern und klug nutzen.
Siegfried Schröpf Geschäftsführer bei Grammer Solar. Foto: Siegfried Schröpf

Immer auf der Sonnenseite: Sonne im Überfluss, Energie klüger nutzen

1973 hatten wir Angst, dass das Öl ausgeht. Heute fürchten wir, dass die Sonne zu viel liefert

Ich kann mich noch gut an die autofreien Sonntage 1973 erinnern, als wir Kinder die ganze Straße für uns zum Spielen hatten, und an die Fotos in der Zeitung von Fußgängern, Rollschuh- und Radfahrern auf autoleeren Autobahnen. Hintergrund war die Ölkrise. Erst Jahre später habe ich vollständig erfasst, was hinter diesem erklärenden Wort „Ölkrise“ eigentlich steckt.

Erinnerungen an die Ölkrise 1973

Energie war plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Benzinpreise stiegen und die Politik versuchte, sich mit Sparappellen und Fahrverboten zu wehren.

Damals war ich 13 Jahre alt. Die Botschaft, die uns vermittelt wurde, war für mich eindeutig: Die Vorräte an Öl und anderen fossilen Energieträgern sind endlich. Und wenn wir nicht bald umdenken, gehen irgendwann die Lichter aus. Später wurde diese Botschaft für mich eine Triebfeder für mein berufliches Engagement.

Grenzen des Wachstums: Debatten und Prognosen

Ein Jahr zuvor hatte der Club of Rome mit seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ weltweit für Aufsehen gesorgt. Die Menschheit, so die Warnung, könne nicht unbegrenzt wachsen und gleichzeitig immer mehr Rohstoffe verbrauchen. Die Prognosen wurden heftig diskutiert, aber eines schien sicher: Energie würde in Zukunft knapp und teuer werden.

Und heute, gut 50 Jahre später, versucht die Politik mit einem Tankrabatt unseren ungebremsten Energiekonsum möglichst billig zu halten. Nicht unbedingt ein Anreiz, weniger zu verbrauchen.

Solarstrom im Überfluss und fallende Börsenpreise

Stattdessen diskutieren wir zum Beispiel darüber, was wir mit dem vielen Strom anfangen sollen, den unsere Solaranlagen an sonnigen Tagen produzieren. Die Strompreise an der Börse fallen zeitweise unter Null. Kraftwerke müssen ihre Produktion reduzieren, und immer häufiger werden Solaranlagen abgeregelt.

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Was für eine erstaunliche Entwicklung!

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt es als technische Utopie, einen nennenswerten Teil unserer Stromversorgung mit Sonnenenergie zu decken. Als ich Anfang der 1990er-Jahre mit der Photovoltaik begann, waren Solarmodule teuer, ihre Leistung bescheiden und die Skeptiker zahlreich. Solarstrom, so hörten wir immer wieder, werde nur in Ausnahmefällen wirtschaftlich sein. Mein Enthusiasmus und mein unternehmerischer Einsatz für Solarenergie wurden milde belächelt und nicht allzu ernst genommen.

Heute gehören Photovoltaikanlagen zu den preiswertesten Möglichkeiten, elektrische Energie zu erzeugen. In Deutschland produzieren mittlerweile über sechs Millionen Anlagen günstig Strom und speisen ihre Überschüsse ins Netz. An sonnigen Tagen kann die Photovoltaik zeitweise einen Großteil des deutschen Strombedarfs decken.

Erfolg mit Nebenwirkungen?

Und ausgerechnet dieser Erfolg wird inzwischen gelegentlich zum Problem erklärt.

Da ist von einer „Solarstromschwemme“ die Rede, von negativen Strompreisen und von einer Überforderung der Netze. Man könnte fast meinen, wir hätten uns mit der Energiewende ein neues Problem geschaffen, das wir ohne die Sonne gar nicht hätten.

Nicht die Menge, sondern die Nutzung ist das Problem

Dabei ist nicht der viele Solarstrom das eigentliche Problem. Es ist unsere noch immer unzureichende Fähigkeit, ihn dann zu nutzen, wenn er reichlich vorhanden ist.

Wir haben jahrzehntelang ein Energiesystem betrieben, in dem es eine Selbstverständlichkeit war, rund um die Uhr Strom in der gewünschten Leistung aus der Steckdose zu bekommen. Nun fällt das Umdenken nicht leicht: Mit Wind und Sonne sollten wir zunehmend unseren Verbrauch an die Erzeugung anpassen. Elektroautos, Wärmepumpen, Batteriespeicher und intelligente Steuerungen bieten dafür längst die technischen Möglichkeiten. In vielen Privathaushalten ist das bereits Realität, für industrielle Prozesse jedoch noch mit großem Aufwand verbunden.

Flexibler Verbrauch statt starrer Erzeugung

Natürlich scheint die Sonne nicht immer. Gerade im Winter brauchen wir andere Energiequellen, Speicher und leistungsfähige Netze. Neue Herausforderungen gilt es zu meistern, auch wenn wir unseren Öldurst und Kohlehunger nicht zu hundert Prozent ersetzen müssen.

Schon eine drastische Reduktion unseres Verbrauchs fossiler Brennstoffe wäre ein gewaltiger Fortschritt. Sie würde unsere Emissionen erheblich verringern und uns zugleich wesentlich unabhängiger von Öl- und Gasimporten machen.

Weg von Öl und Kohle: Vorteile der Reduktion

1973 fragten wir uns, woher die Energie in Zukunft kommen sollte. Heute wissen wir, dass uns die Sonne ein Vielfaches dessen liefert, was die Menschheit benötigt. Die Herausforderung besteht darin, einen kleinen Teil davon zuverlässig, bezahlbar und zur richtigen Zeit nutzbar zu machen.

Wir haben gelernt, Energie intelligent zu erzeugen. Jetzt müssen wir lernen, sie intelligent zu verbrauchen.

Überfluss als Chance begreifen

Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, den zeitweisen Überfluss an erneuerbarer Energie als Katastrophe zu betrachten. Er ist zunächst einmal ein gewaltiger Fortschritt – und zugleich eine Aufforderung, unser Energiesystem darauf einzustellen.

Vor 50 Jahren fürchteten wir uns davor, dass uns die Energie ausgeht. Heute machen wir uns Sorgen, weil sie zeitweise fast nichts mehr kostet.

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