Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
THZ NEW & re-NOVA
THZ NEW & re-NOVA

Kürzer arbeiten, mehr schaffen

Weiden. Unter dem Motto "Vier Tage Vollgas statt fünf Tage trödeln" hat das Weidener Start-Up CIPA GmbH mit seiner digitalen Plattform openpack als erstes Unternehmen in der Region Anfang Januar die 4-Tage-Woche eingeführt. Im folgenden Interview erklärt CIPA Managing Director Dr. Stefan Uebelacker, wie er auf diese Idee kam und warum dieses Modell der Firma nur Vorteile bringt.

Kürzer arbeiten, mehr schaffen

Dr. Stefan Uebelacker. Foto: Cipa GmbH

OberpfalzECHO: Herr Uebelacker, Microsoft hat 2019 in Japan die 4-Tage-Woche eingeführt. Ergebnis: Während die Zufriedenheit der Mitarbeitenden gestiegen war, hatte die Produktivität durch mehr freie Zeit nicht abgenommen – und zugleich waren Papier- und Energieverbrauch im Unternehmen gesunken. Ist Microsoft ihr großes Vorbild oder wie sind Sie auf diese Idee für ihr Unternehmen gekommen?

Stefan Uebelacker: Ich wusste von Microsoft, aber auch von anderen Firmen, die das eingeführt haben – auch in Deutschland. Bei Microsoft soll die Produktivität sogar um 40 Prozent gestiegen sein. Mir war klar, dass weniger Stunden im Büro meist bessere Leistung bedeuten.

OberpfalzECHO: Warum?

Stefan Uebelacker: Weil die Mitarbeiter glücklicher sind und dadurch besser und motivierter arbeiten.

OberpfalzECHO: Was erhoffen Sie sich genau von der 4-Tage-Woche?

Stefan Uebelacker: Ich verspreche mir davon maximale Leistung der Beschäftigten, die auch auf mehr Freizeit basiert. Das Ergebnis ist: mehr Produktivität durch zufriedenere Mitarbeitende. Durch die verkürzte Arbeitszeit kann man in der Regel sogar einen noch höheren Output erwarten als bei der herkömmlichen 5-Tage-Woche.

Stadtwerke Amberg
Stadtwerke Amberg

OberpfalzECHO: Ist dieses Modell angesichts des Fachkräftemangels und neuer Wege in modernen Betrieben bald ein Muss?

Stefan Uebelacker: Ja. Unbedingt. Mir war es wichtig, meine Leute zu motivieren, längerfristig zu binden und ihre Leistung zu honorieren. Ich möchte weniger Zeit mit manchmal sinnlosen Meetings vergeuden und im Gegenzug ein Maximum an Output mit dem vollen Fokus auf das Wesentliche erreichen. Nicht zuletzt reduzieren wir dadurch den ökologischen Fußabdruck, weil die Leute weniger Zeit auf der Straße verbringen und auch die technischen Kapazitäten effektiver eingesetzt werden können. Und außerdem nehme ich das Bonbon gerne mit, dadurch leichter an Fachkräfte zu kommen als andere Firmen.

OberpfalzECHO: Können Sie nach vier Wochen ein kurzes Resümee ziehen?

Stefan Uebelacker: Ein Zwischenfazit vielleicht. Unsere größten Bedenken waren: Uns fehlt ja jetzt ein Tag. Doch das war total unbegründet. Im Gegenteil. Wir arbeiten jetzt fokussierter und effektiver. Es überlegt sich zum Beispiel jeder, ob dieses Meeting für ihn wirklich wichtig ist oder ob dieser riesige E-Mail-Verteiler sein muss, wenn es auch mit einem Ansprechpartner getan wäre. Aus Gesprächen mit den Mitarbeitenden höre ich nur positive Meinungen. Ich bin froh, dass wir diesen durchaus mutigen Schritt gegangen sind und uns auf die Erfordernisse der Zeit eingelassen haben. Und Ich bin felsenfest überzeugt, dass meine Leute das als Chance begreifen und sich noch motivierter und engagierter in das Unternehmen einbringen.

OberpfalzECHO: Gibt es Nachteile der 4-Tage-Woche?

Stefan Uebelacker: Kein klarer. Es ballt sich zwar manchmal ein bisschen und von Montag bis Donnerstag ist schon was los. Da ist die Woche schnell vorbei. Aber genau das ist auch ein Vorteil: Wir arbeiten jetzt einfach effektiver und schon wird aus einem vermeintlichen Nachteil ein klarer Vorteil.

Zur Person: Dr. Stefan Uebelacker

  • Der diplomierte Wirtschaftsgeograf studierte von 1994 bis 2000 an der Universität Regensburg
  • Mai 2002 bis November 2005 Projektleiter bei IGF Regensburg
  • November 2005 bis März 2009 Leitung Customer Relationship Management bei A.T.U Weiden 
  • April 2009 bis August 2013 Leitung Marketing ZF Friedrichshafen
  • September 2014 bis Mai 2019 Direktor E-Commerce, Marketing & Custiomer Service ATP Autoteile Kirchenthumbach
  • Juni 2019 bis heute Managing Director Cipa/openpack Weiden

Die CIPA GmbH entwickelt mit openpack (www.openpack.net) eine digitale Plattform für die Verpackungsindustrie. In der Plattform verbinden wir Hersteller, Dienstleister und Kunden in einem einzigartigen digitalen Ökosystem und fungieren als innovative Drehscheibe für die gesamte Value Chain. Neben der Digitalisierung und Vernetzung von Industriemaschinen (Industrie 4.0 bzw. IIoT) standardisieren wir Datenformate und optimieren Branchenprozesse (z.B. Einkauf und Sales) durch digitale Lösungen. Hierfür nutzen wir die gesamte Bandbreite von bestehenden Web- und Cloudtechnologien und integrieren auch andere Partner oder Plattformen. Unser Ziel ist es, die Teilnehmer von openpack produktiver und das Leben der Mitarbeiter einfacher zu machen. CIPA beschäftigt derzeit 23 Frauen und Männer, darunter auch Praktikanten /innen und Werkstudenten/innen.

CIPA sucht weitere Software Engineers und Besetzungen für andere Positionen. Infos unter www.openpack.net/jobs.