Recycling-Unternehmen Roth: Ein Millionengrab für den Freistaat Bayern

Recycling-Unternehmen Roth: Ein Millionengrab für den Freistaat Bayern
Recycling-Unternehmer Michael Roth (53) aus Weiden steht kurz vor seinem Prozess. Er muss sich ab Donnerstag vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Weiden verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: illegale Müllverbringung, gefährliche Körperverletzung und Urkundenfälschung.
Folgenlos bleibt dagegen, dass das Unternehmen für den Freistaat Bayern ein finanzielles Desaster war. Bekannt war, dass der Betrieb mit 2,1 Millionen Euro vom Freistaat gefördert wurde. Jetzt ist klar: Eine weitere Million Euro ging für die Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH verloren, die Hälfte davon aus europäischen Fördermitteln.
Diese Informationen stammen aus einer Antwort des bayerischen Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Weidener Grünen-Abgeordneten Laura Weber vom 6. Mai 2026. Sie hatte die Staatsregierung gefragt, wie hoch der Schaden für den Freistaat ist. Im Juli 2025 eröffnete das Amtsgericht Weiden das Insolvenzverfahren. Der Schuldenstand soll sich auf zwölf Millionen Euro belaufen.
Fördermittel der Europäischen Union
Die Antwort liegt nun vor. Demnach ist der Freistaat zwar nicht unmittelbar an der Firma Roth International GmbH beteiligt. Aber der Freistaat hält über die Tochtergesellschaften eine Minderheitsbeteiligung an der BayBG, der privatwirtschaftlichen Bayerischen Beteiligungsgesellschaft. Die BayBG hielt seit 2021 eine stille Beteiligung an der Roth International von einer Million Euro, davon waren 500.000 Euro so genannte EFRE-Mittel. EFRE steht für den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der EU.
Die Beteiligung von 1.000.000 Euro bestand auch noch zum Zeitpunkt der Insolvenz 2025. Rückzahlungen sind laut Wirtschaftsministerium nicht erfolgt und „auch nicht zu erwarten“. Das Ministerium beziffert den Schaden für den Freistaat „nur“ auf die halbe Million EFRE-Mittel plus etwa 58.000 Euro nicht bezahlter Vergütungsansprüche.
Alles zum Prozessauftakt am Donnerstag, 11. Juni, 9 Uhr, am Landgericht Weiden.
Rückholung kostete sechsstellige Summe
Dazu kommen staatliche Fördermittel aus einem Förderprogramm des bayerischen Wirtschaftsministeriums, die im Jahr 2023 zur Verfügung gestellt wurden. Die Summe beläuft sich auf rund 2,1 Millionen Euro, laut Anklage der Staatsanwaltschaft Weiden.
Sitzenbleiben wird der Freistaat Bayern wohl auch auf den Kosten für die Rückholung und Entsorgung des Mülls aus Tschechien. Der Transport von den Standorten in Jiříkov und Horní Heršpice hat nach Angaben der Regierung der Oberpfalz rund 600.000 Euro gekostet. Enthalten sind neben Transport und Entsorgung auch die Einrichtung der Baustellen sowie Ingenieurleistungen. Eigentlich müsste das Unternehmen zahlen, aber es befindet sich in der Insolvenz.
Das Unternehmen Roth – ein Millionengrab
2021 beteiligte sich die BayBG mit einer Million Euro an der Firma Roth International GmbH. Ein zentrales Standbein war der Bau einer Batterie-Recycling-Anlage, die im Mai 2022 vom Landratsamt Schwandorf genehmigt wurde. In der Anlage sollten Batterien sauber getrennt werden: in verwertbare Materialien (Kunststoff, Metall) sowie schwarze Masse, in der Nickel und Kobalt enthalten sind.
2023 erhielt das Unternehmen zusätzlich 2,1 Millionen Euro aus einem Förderprogramm des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Schon im Dezember 2023 ergab eine Messung der Hallenluft durch die Berufsgenossenschaft eine zu hohe Nickelkonzentration.
Im Februar 2024 ging die Batterie-Recyclinganlage offiziell in Betrieb. Schon im Mai 2024 lag dem Gewerbeaufsichtsamt Schwandorf eine erste Analyse vor. Mit ernüchterndem Ergebnis: Die Anlage trennte nicht sauber. In den Metall- und Kunststofffraktionen waren die krebserregenden Stoffe Nickel und Kobalt enthalten. Damit mussten alle Output-Fraktionen als gefährliche Abfälle eingestuft werden. Problem: Sie konnten nicht mehr an den bisherigen, deutschen Entsorger geliefert werden. Unternehmer Roth soll entschieden haben, den problematischen Kunststoffmix nach Tschechien zu bringen.
Im August 2024 ordnete das Gewerbeaufsichtsamt eine Untersuchung der Mitarbeiter an. Bei sieben Mitarbeitern waren die Kobalt- und Nickelwerte erhöht. Es wurden Schutzausrüstungen verteilt, außerdem wurde versucht, die Undichtigkeit der Anlage zu beseitigen. Der Anlagenbauer aus Oberbayern sah den Fehler beim Unternehmen, außerdem waren Rechnungen offen.
Erst im März 2025, bei einer zweiten Durchsuchung durch die Staatsanwaltschaft, wurde die Anlage abgeschaltet. Laut Anklage nahm damit der Angeklagte billigend in Kauf, dass die Mitarbeiter weiterhin die krebserregenden Stoffe einatmeten.
Zu diesem Zeitpunkt lagerten statt der erlaubten 49 Tonnen insgesamt 210 Tonnen gefährlicher Abfälle auf dem Gelände.
Im Juli 2025 eröffnete das Amtsgericht Weiden das Insolvenzverfahren und löste die Gesellschaft auf. Insolvenzverwalter ist Florian Schott von der Kanzlei Schott/Dobmeier/Kieß.




